Wenn Eltern sich einbringen....
"Häufig wird vergessen, dass Kinder eben Kinder sind und eben keine Roboter, die können müssen, was wir ihnen eintrichtern. Aber auch da hat mittlerweile ein Umdenken eingesetzt. Und ich denke, die Schüler haben alle ein Stück weit gelernt, dass sie, wenn sie versuchen eigenständig etwas umzusetzen, es auch können. Und das ist ganz wichtig. Sie lernen, dass sie was können und nicht bloß immer gesagt bekommen, dass sie nichts können." kommentiert stolz Schulleiter Lahne auf der Grünen Woche in Berlin das Theaterstück seiner Schülerinnen und Schüler.
Wenn der Saal zur Bühne wird

So wie er verfolgten ca. 50 Zuschauerinnen und Zuschauer gebannt das Geschehen auf der Bühne und in den Ausstellungshallen. Was hier passiert, ist schon außergewöhnlich. Flötenspieler laufen durch das Publikum. Improvisierte Szenenwechsel werden durch als Wachsoldaten verkleidete Schüler abgeschirmt. Menschen in den Sitzreihen greifen gierig nach Baumkuchen. Ein riesiger Messebereich wird zur Bühne für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Lessing aus Salzwedel. Selbst in einem Augenblick als eine Durchsage die Aufführung unterbricht, lassen die Kinder und Jugendlichen sich nicht aus der Ruhe bringen und genießen sichtlich ihren großen Moment in Berlin.
"Natürlich verändern die Schüler sich im Laufe eines Projektes. Sie werden selbstbewusster. Keck! Und sie lassen das schon raus hängen, dass sie die kleinen Stars sind. Aber das sollen sie auch." schmunzelt Heiko Glehm, Vorsitzender des Schulelternrates.
Kooperationspartner Eltern

Er ist einer der Eltern, die mit ihren Fähigkeiten die Schule bei ihren Bemühungen um das Theaterprojekt unterstützten. Die Möglichkeit der Erziehungsberechtigten sich in die Schule einzubringen, geht aber weit über die logistische Unterstützung einzelner Projekte hinaus. Stets hat die Schulleitung ein offenes Ohr für Vorschläge. Herr Lahne kann sich darüber hinaus aber ebenso der aktiven Unterstützung der Eltern sichern sein, wenn es darum geht die eingebrachten Ideen in die Tat umzusetzen. Heiko Glehm beschreibt seine Rolle wie folgt: "Ich habe mir gesagt, hier an der Schule muss mehr geschehen. Und dann sind der Schulleiter und ich aufeinander zugegangen und das hat sich so entwickelt, dass ich mittlerweile selbst als beratender Elternvertreter in der Steuergruppe, also die Gruppe die das ganze Schulleben aktiv gestaltet, Mitglied bin. Das hat sich einfach so ergeben und das macht mir Spaß.". Auch wenn die Schulleitung und der Elternvertreter vielleicht nicht immer die selben Ansichten teilen, so zeugen doch die Aussagen beider Parteien von einem konstruktiven und wertschätzenden Miteinander.
Drauf zugehen statt warten

In dem Gespräch hinter den Kulissen der Grünen Woche gibt Herr Glehm aber auch zu verstehen, dass er um die besondere Situation an der Salzwedeler Schule weiß. Mit Blick auf das nicht immer einfache Unterfangen Eltern für die Mitwirkung an der Schule zu mobilisieren rät er, auf die „die Eltern zuzugehen und sie mit dem was sie können abzuholen“. Er hat aber auch Verständnis dafür, dass nicht jeder über so viel berufliche Freiheiten verfügt um sich an schulische Veranstaltungen und bei Projekten zu engagieren. Wenn es aber dann doch gelingt Mitstreiter zu gewinnen, ist der Gewinn für alle Beteiligten unschätzbar. Nach einem Beispiel befragt, erinnert er sich ohne großes Zögern an einen Abend, der von Eltern mit Migrationshintergrund gestaltet wurde. "Wir sind zum Beispiel mal auf unsere russischen Eltern zu gegangen und haben sie gebeten uns und unseren Kindern mal zu zeigen, wie sie leben. Und das haben sie dann auch gemacht. Sie haben Pellmenis gemacht, sie haben einen russischen Abend gestaltet. Das war einfach nur toll. Auch integrativ gesehen, denn dadurch wächst einiges zusammen."
Projektarbeit zur Motivation

Aber können solche und ähnliche Projekte die Lernleistung der Schülerinnen und Schüler steigern? Zeigen Theaterprojekte, wie das in Berlin aufgeführte, überhaupt Wirkung in schulischen Prozessen? "Die Lernleistung verbessert es in dem Sinne, weil sie sich integrieren und die Rolle auch annehmen müssen. Mit jedem kleinen Stück was sie machen lernen sie etwas. Das ist einfach so. Selbst die Verantwortung, die sie übernehmen müssen, ist ein Stück lernen." beschreibt Heiko Glehm seine Beobachtungen und führt weiter aus: "Und je eher man sie ran kriegt und ihnen Verantwortung mit übergibt, desto selbstständiger und selbstbewusster werden sie." Dies war auch in der Messehalle nicht zu übersehen. Und so zeigt Schulleiter Lahne auf die Kinder und Jugendlichen, die mittlerweile der lokalen Presse ganz selbstverständlich Interviews geben, und ergänzt die Ausführungen des Elternvertreters. "Die Schüler haben sich hier selbst überwunden, es war nicht immer ganz einfach. Es ist ja auch bequemer nichts zu tun. Aber hier haben sie was gemacht und haben sich eingebracht." Auch wenn die Gründe hierfür ganz unterschiedlich waren. Die einen wollten unbedingt die ausgelobte zusätzliche "1" in Deutsch. Andere wollten einfach nur mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern gemeinschaftlich was unternehmen. "Meine Freunde wollten halt hierher und da bin ich halt auch mitgekommen. Und jetzt finde ich es super!" bescheinigt der zwölfjährige Max die Richtigkleit seiner noch jungen Schauspielerkarriere. Dass diese ihn einmal nach Berlin führen würde, hätte er sich sicherlich anfangs nicht ausmalen können. Auch Heiko Glehm bewundert die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen: "Am Anfang wirkten sie bei den Trockenübungen mit dem Mikro noch etwas unbeholfen, aber heute hat man davon kaum noch etwas gespürt."
Während die Moderatorin Petra Schwarz auf der Bühne eine Diskussion leitet, Techniker hinter den Kulissen mit dem Umbau beschäftigt sind, Politprominenz durch die Hallen geführt wird, verschwinden die Stars aus Salzwedel im Gewühl des Messetrubels und genießen ihren großen Tag. Ein Tag der zweifelsohne noch lange nachwirken wird.




