Lachend zum Schulerfolg
Um die Mittagszeit herrscht ein dichtes Gedränge im Flur vor dem Schülercafe in der ersten Etage. Bis zu 125 frisch gebackene Sandwiches, diverse Obstsorten und Getränke werden in diesem Zeitraum verkauft, weiß Nicole Erben zu berichten. Nicht zuletzt ihrem Verdienst ist es zuzuschreiben, dass die Sekundarschule Völkerfreundschaft ein in Eigenregie von Schülern betriebenes kleines Unternehmen ihr Eigen nennen kann. Dies ist nur eines von vielen Projekten, welches die junge Schulsozialarbeiterin innerhalb des letzten Jahres auf den Weg gebracht hat.

Dass Schulsozialarbeit einen wichtigen Baustein der Arbeit vor Ort darstellt, war dem Schulleiter und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schon seit langen bewusst. Schon während der Startphase des Programms „Schulerfolg sichern!“, haben diese sich für eine Rückkehr von Frau Erben stark gemacht. Bereits zwischen 2000 und 2003 hatte sie an der Sekundarschule Völkerfreundschaft spannende Projekte initiiert. Wenn die Schulsozialarbeiterin über ihre Arbeit berichtet, stellt sie aber stets heraus wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Lehrern ist. Dabei betont sie, dass eine solche Kooperation weit über gemeinschaftliche Gestaltung von Elternabenden und Klassenfesten hinaus geht: „Es muss natürlich der Direktor dahinter stehen und die Lehrer müssen sich auf Sachen einlassen, hinter denen auch mal keine Note steht!“. Befragt man Frau Erben nach den Nutzen für die Schüler und Lehrer, antwortet sie kurz: „Das sind Sachen, die den Unterricht leichter machen!“ und somit zwangsläufig auch das Lernen unterstützen. Wie genau solche Kooperationen aussehen können, beschreibt sie beispielhaft an einem aktuellen Projekt:
„Ein Bär geht auf Reisen“
Die Idee ist kurz skizziert. Schüler oder Lehrer nehmen auf ihre Reisen ein Stofftier mit und übergeben dieses an eine Person ihrer Wahl. Das Tier, häufig ein Plüschbär, wird mit einem Hinweis auf die Herkunft versehen und dass jeder künftige Besitzer eine Postkarte an die Sekundarschule schreiben möge. Der Besitzer übergibt das Tier wiederum an die nächste Person seiner Wahl und der Zyklus beginnt von neuem. Mittlerweile füllen jede Menge Postkarten und Fotos die Pinnwand, die auf einer Weltkarte die Reiseziele skizziert. Aber auch die jeweiligen Fachlehrer nutzen die zugesendeten Utensilien um ihren Unterricht lebendiger zu gestalten. So sind anfangs die Karten aus der jeweiligen Sprache ins Deutsche zu übersetzen. Im Geographieunterricht recherchieren die Schüler, wo genau das Land des Absenders liegt und was die Besonderheiten der jeweiligen Region sind. Selbst geschichtliche Fakten und Epochen, wie z.B. die Zeit der Auswanderer in die „Neue Welt“, lassen sich für Schüler nachvollziehbar aufbereiten. Darüber hinaus ist dies auch ein gutes Beispiel dafür, dass "Völkerfreundschaft" mehr sein kann, als nur der Name einer Schule.

Schulischen Erfolg für den Einzelnen zu sichern, bedeutet nach Aussage von Frau Erben den Kindern und Jugendlichen stets das Gefühl zu verleihen, dass sie wichtig sind und gebraucht werden. Wie viel Engagement und Feingefühl dies häufig abverlangt, beschreibt sie am Beispiel von Marie (Name durch die Redaktion geändert). Das Mädchen hatte häufig den Unterricht unentschuldigt versäumt, was sich auch auf ihre Leistungen niederschlug. Behutsam und vorwurfsfrei stellte die Schulsozialarbeiterin in Kooperation mit dem Jugendamt und der Klassenlehrerin den Kontakt zu den Eltern her. Nach mehreren Gesprächen ist es mittlerweile gelungen, Marie wieder in die Klasse zu integrieren. Die Schülerin lernt intensiv für Klausuren und hat sich gemeinsam mit ihrem Vater auf die Suche nach einem Praktikumsplatz gemacht. Auch wenn Marie immer noch versetzungsgefährdet ist, arbeiten alle Beteiligten daran, dass sie ihrem Wunschberuf Friseurin täglich ein Stückchen näher kommt. Eine Änderung im Unterrichtsgeschehen ist allerdings allen Lehrern schon jetzt aufgefallen: „Sie lacht jetzt!“. Dass sie damit nicht die Einzige ist, zeigt ein Blick ins Gesicht von Frau Erben.



