Bewährtes aufgreifen und neue Wege beschreiten

Am 31. 8. 2010 präsentierten sich in Magdeburg Träger der Jugendhilfe, Verbände, Vereine, kulturelle und soziale Institutionen den Vertreterinnen und Vertretern aller Schulformen in Sachsen-Anhalt auf einer von der Zentralen Koordinierungsstelle „Schulerfolg“ (DKJS) organisierten Kooperationsbörse . Die außerschulischen Bildungsakteure gingen an Informationsständen auf die Fragen und Wünsche der Schulen ein und unterbreiteten ihnen konkrete Angebote für eine kurzfristige oder kontinuierliche Zusammenarbeit.  Einen vertiefenden Einblick in die Arbeit der außerschulischen Institutionen gewährten zehn Workshops und fünf Klassenraumsituationen. Im Detail:

Das Kompetenzteam von „GoEurope!“ bietet umfangreiche Unterstützungsangebote sowohl für Lehrende als auch für Schülerinnen und Schüler. Interaktiv wird dabei Wissen zu europäischen Themen erarbeitet und Beteiligungsmöglichkeiten Jugendlicher an europäischen Programmen (Praktika, Austauschprogramme etc.) vorgestellt. Das Europajugendkompetenzteam (EJKT) bildet jugendliche Anwärter (Trainees) in  Ausbildungsseminaren weiter, in denen sie Methoden lernen und sich fundiertes Wissen aneignen, um als „Supporters“ bzw. Multiplikatoren Beratungen und Workshops durchzuführen.

Die Freiwilligenagentur aus Halle vermittelte den TN ein Bild von der viel beachteten Methode „service-learning“ (Lernen durch Engagement). Sie stellten heraus, dass diese Lehr- und Lernform aufgrund der beinhalteten Reflexion und Auswertung mehr ist als reines ehrenamtliches Engagement. Und, da der Bogen in das Gemeinwesen geschlagen wird, ist es auch mehr als praxisnaher Unterricht. Lernen und Engagement müssen sich immer die Waage halten. „Service learning“ setzt an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen an, beginnt oft schleppend und mit wenig Resonanz. Die Methode zeigt aber bald eine Projektdynamik und die Schülerinnen und Schüler merken, dass es wichtig ist, was sie tun.

(Bsp. Grundschüler lesen einmal in der Woche in der KITA vor, und es wird deutlich, dass Kinder, die nicht zu den stärksten Lesern gehören, gerade hier „aufblühen“, da sie durch das langsamere Lesen in der KITA gestärkt werden und KITA-Kinder schon auf die Grundschüler warten, die auch ein Stück Vorbild sind, denn die Schulzeit steht auch bald für diese Kinder an!)

„Service learning“ ist folglich kein losgelöstes Projekt, sondern eine Lehr- und Lernkultur, die kontinuierlicher Bestandteil des Schulalltags sein kann, d.h., es braucht eine langfristige Planung – Zielsetzung – Aufgabenverteilung – Auswertung und eventl. Veränderung. Die Freiwilligenagentur aus Halle berät gern (siehe auch hier) und bietet in Kooperation mit dem LISA dazu Fortbildungen an.

Die Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. sensibilisierte die TN des Workshops für Gefährdungslagen von Kindern und Jugendlichen durch sogenannte Sekten und Okkultismus, die ggf. zu schulischen Versagen führen können. Es wurde darauf verwiesen, dass die Abgrenzung zum reinen „Ausprobieren von Verbotenem“ nicht immer einfach ist, da Grenzen schnell verwischen. Aber insbesondere für Schülerinnen und Schüler, die eher über geringen „Selbstwert“ und “-wirksamkeit“ verfügen, sind neureligiöse und ideologische Gemeinschaften sowie Psychogruppen eine „Verführungsinstanz“, durch die sie eine scheinbare Zugehörigkeit erfahren. Schulsozialarbeit kann hier durch Gespräche mit Kindern und Jugendlichen und Beobachtung, ob sich Verhalten langfristig verändert, sehr gut ansetzen. Ungeachtet dessen ist in diesem für Laien nur schwer zu duchblickenden Spektrum die Kontaktaufnahme mit der fachkundigen Landesstelle angeraten.

Landesstelle für Suchtfragen differenziert in ihren Ausführungen klar, dass Schule nicht in der Lage sein kann, Kinder und Jugendliche „vor“ der Sucht zu retten, sie aber wohl dafür sorgen kann, dass diese „clean“ und „nüchtern“ in der Schule lernen. Die Gesetzlage in Sachsen-Anhalt räumt ihnen einen pädagogischen Spielraum ein, welcher ausgestaltet werden sollte und in einem „schulischen Gesamtpräventionskonzept“ eingebettet ist. Es ist unabdingbar in Kooperation mit der Schulleitung klare Regeln und Grenzen festlegen, die für ALLE gelten. Erst wenn Kinder und Jugendliche sehen, dass Regeln / Konsequenzen / Maßnahmen angewandt werden, ist an Suchtprävention in der Schule zu denken. Im Gegensatz zu aktuellen pädagogischen Tendenzen ist nach Aussage der Referetin im suchtpräventiven Kontext der „Zwang durch Regeln“ ein MUSS und sehr wirksam.

Eine Mitarbeiterin des „Internationaler Bund e.V. (IB)“ stellt in dem von ihr geleiteten Workshop den systemischen Ansatz vor. In diesem geht es nicht darum noch zu schließende „Wissenslücken“, d.h. dass was der Schüler / die Schülerin „noch“ nicht kann, aufzudecken. Vielmehr steht das wertschätzende und ressourcenorientierte Arbeiten im Vordergrund der Arbeitsweise. Der systemische Ansatz ist eine eigene Methode, welche die Arbeit im System Schule, im System Familie und im Sozialraum sinnstiftend ergänzt. Sie ist allerdings nur schwer durch einen Schulsozialarbeiter bzw.-arbeiterin umsetzbar. Es bedarf eines „Beobachtungs-„ bzw. „Reflecting-Teams“ (Schulsoziapädagogen), die nicht aktiv am Gespräch beteiligt sind, aber aufmerksam zuhören und laut über den von ihnen beobachteten Gesprächsprozess „nachdenken“. Um diese Rollen entsprechend auszufüllen, bedarf es im Vorfeld einer entsprechenden Weiterbildung.

In einer im wahrsten Sine des Wortes „bewegenden“ Vorstellung, erlernten die TN des gläsernen Klassenraumes die Regeln des „Herr der Ringe Völkerballs“. Auf spielerische Weise ist es hiermit möglich ein respektvolles und tolerantes Miteinander unter den Kindern und Jugendlichen zu fördern. In dieser Variante des Völkerball-Spiels geht es darum, mit den Stärken und Schwächen der Kinder umzugehen und ihr Selbstbewusstsein durch ihre Spielerrolle zu aktivieren.

Bei dieser interaktiv angelegten Klassenraumaktion des IB konnten sich die TN frei zwischen drei Arbeitstischen bewegen, an denen Schülerinnen und Schüler arbeiteten. Besonderes der zeitliche und methodische Rahmen des hier zu beobachtenden sozialen Trainings stieß bei den Pädagoginnen und Pädagogen auf reges Interesse. Die TN ließen sich die Rollenkarten, die Spielregeln bzw. Verhaltenshinweise erklären und beobachteten die Arbeitsabläufe sowie die Kommunikation unter den Schülerinnen und Schülern. Die Gestaltung der Rollenverteilung als demokratischer Abstimmungsprozess unter den Jugendlichen interessierte die TN besonders. Gerade zu Beginn eines sozialen Trainings muss der Spielleiter bzw. die Spielleiterin sehr aufmerksam für die Bedürfnisse, Ängste und Wünsche der einzelnen Schülerinnen und Schüler sein und dem Prozess der Rollenfindung ausreichend Zeit einräumen.

Im Mittelpunkt der Vorstellung der Jugendkunstschule im THIEM 20 standen Angebote, Themen und Formaten, die sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien richten. Beispielhaft hierfür stehen Tonarbeiten, Puppenbau oder Webteppiche. Nach Aussage der Leiterin kennzeichnet sich die pädagogische Haltung dadurch, dass „jeder kleine und große Mensch dort abgeholt wird, wo er künstlerisch steht.“ Dadurch wird ermöglicht, dass jeder Kursteilnehmer zu seinem besten Ergebnis kommt und seinen persönlichen Erfolg feiern kann. Im Rahmen von Fortbildungen bemüht sich die Jugendkunstschule Pädagogen im Elementar- und Primarbereich um eine Sensibilisierung für die Vielfalt der künstlerischen Tätigkeit, die nicht unter schulischen Maßgaben bewertet werden muss, sondern wo das ganze Kind im Mittelpunkt steht.

Die von „We start now“ vorgestellten Projekte „Power für die Kids“, „Selbstbewusst auftreten“ und „First Position“ demonstrierten in eindrucksvoll mit welch einfachen Mitteln sich Kinder mit ihren Vorstellungen von ihrer beruflichen und persönlichen Zukunft intensiv auseinandersetzen können. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Kommunikation und im Vertrauensaufbau zwischen den pädagogischen Fachkräften und den SchülerInnen.

Diese Auszüge aus dem umfangreichen Programmangebot zeigen deutlich, wie umfassen die TN darüber informiert wurden, welche interessanten Freizeitangebote und erlebnispädagogischen Herausforderungen schulische Prozesse sinnvoll ergänzen können. Es wurden Anregungen zur lebensweltlicheren Gestaltung des Unterrichts gegeben und welche Fördermöglichkeiten betreffs der Sozial- und Selbstkompetenzen  Schülerinnen und Schüler zu einer aktiven Lernhaltung motivieren.

Die Veranstaltung wurde gerahmt von zwei viel beachteten Vorträgen, in denen Prof. Dr. Hirschfeld und Alexander Mavroudis aufzeigten, welche bewährten Kooperationsfelder und -formen bundesweit im Entstehen begriffen sind. Einzelne Präsentationen sowie eine Übersicht über die austellenden Bildungspartner finden Sie im Anschluss an diese Ausführungen zum Download bereit gestellt.

Handlungsbezüge für die Kooperation von Schule und Jugendarbeit

Kooperation-Magdeburg-310810-ohne-Fotos.pdf

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