Innovationen aus der Praxis für die Praxis
Im Rahmen des Landesprogramms „Schulerfolg sichern!“ begann im September 2009 die Arbeit eines Qualitätszirkels. Perspektivisch hat dieser zum Ziel, sowohl fachliche Impulse für die drei Programmmodule „Regionale Netzwerkstellen“, „Bedarfsorientierte Schulsozialarbeit“ und „Bildungsbezogene Angebote“ als auch Lösungsstrategien im Umgang mit der Problematik des „Schulversagens“ zu erarbeiten. Die thematischen Schwerpunkte, das methodische Vorgehen sowie die Ziele des Qualitätszirkels wurden im August auf einer Fachtagung der Zentralen Koordinierungsstelle vorgestellt und mit interessierten Akteuren diskutiert. Es hat sich ein Kreis aus engagierten und erfahrenen Fachkräften der Bereiche Schule, Jugendhilfe, Wissenschaft und Verwaltung zusammengefunden und darauf verständigt, gemeinsam die programmübergreifende Herausforderung eines Auf- und Ausbau von Kooperationsstrukturen zukünftig vorantreiben zu wollen. Weitgehende Einigkeit herrscht darüber, dass Entwicklungsversuche der schulischen Lern- und Lebensqualität unter ihren Möglichkeiten bleiben müssen, solange lediglich punktuell agiert wird beziehungsweise die jeweils vorhandenen Ressourcen nicht systematisch genutzt werden. Ausgehend von dem Konsens, dass die Anzahl an Kindern und Jugendlichen, die an den Anforderungen der Schule scheitern und sich selbst bereits als Schüler benachteiligt und ausgegrenzt finden, nur mittels effizienter Vernetzungs- und Kooperationsstrukturen deutlich zu senken ist, erarbeitet der Qualitätszirkel verschiedene Strategien, Modelle und Standards interprofessioneller Zusammenarbeit und bemüht sich damit um eine nachhaltige Entwicklung der schulischen Kooperationsstrukturen in Sachen-Anhalt.
Der Qualitätszirkel setzt sich aus zwei Arbeitsgruppen zusammen, die in sich ergänzenden Perspektiven vorgehen und einen engen Austausch pflegen. Die AG 1 „Netzwerkarbeit und Schulöffnung“ beschäftigt sich mit der Profilschärfung und den Methoden der Netzwerkarbeit sowie mit Möglichkeiten der Öffnung von Schulen für außerschulische Partner und Ressourcen; hier werden hauptsächlich Kooperationsstrukturen im Umfeld von Schulen thematisiert. Die AG 2 „Kooperative Schulentwicklung“ arbeitet an Empfehlungen für eine interprofessionelle Zusammenarbeit im Schulalltag und konzentriert sich dabei auf die für den Unterricht notwendige Lernvoraussetzungen; hier werden vorrangig Kooperationsstrukturen innerhalb von Schulen weiterentwickelt.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der AG 1 um Prof. Dr. Olk (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) sowie Dr. Karsten Speck (Universität Potsdam) gehen vor allem der Frage nach, wie durch regionale Netzwerkarbeit die Öffnung von Schulen angeregt und intensiviert werden kann und wie die Belange von sich öffnenden Schulen in adäquater Form aufgenommen und weiterentwickelt werden können. Dafür ist vorgesehen (1.) Gelingens- und Misslingensbedingungen der Netzwerkarbeit und Schulöffnung im Bereich Abbau von Schulversagen und Schulabbruch zu formulieren, (2.) eine Aufgabenbeschreibung des Berufsbildes „Netzwerkkoordinator/-in“ zu erarbeiten, (3.) handhabbare Verfahren und Instrumenten zur Selbstevaluation und Qualitätsentwicklung für eine erfolgreiche Netzwerkarbeit und Schulöffnung zu entwickeln und (4.) praxisrelevante und -unterstützende Arbeitshilfen für eine erfolgreiche Vernetzung von Jugendhilfe, Schulen und Kommunen anzufertigen. Im Mittelpunkt der AG steht die Förderung einer systematischen Zusammenarbeit unterschiedlicher Institutionen, Professionen und Akteure zur Unterstützung des Schulerfolgs möglichst aller Schülerinnen und Schüler im Land Sachsen-Anhalt. Um dies gewährleisten zu können, wurde mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern folgende thematische Schwerpunktsetzung vereinbart: In einem ersten Schritt besteht die Hauptaufgabe darin, gemeinsam eine Aufgabenbeschreibung für das Berufsbild des/der Netzwerkers/in auszuarbeiten. Darauf aufbauend widmet sich die AG 1 thematisch den Spezifika der Vernetzungsarbeit von und mit Schulen, um daran anschließend eine Ausdifferenzierung der Arbeits- und Aufgabenprofile für Netzwerker/innen, Schulsozialarbeiter/innen, pädagogische Mitarbeiter/innen sowie die Beratungslehrer vorzunehmen.
Die Akteure der AG 2 um Dr. Kleint (DKJS) und Corinne Waldbach (DKJS) beschäftigen sich intensiv mit Kooperationsformen und -strategien im konkreten Bezug zum formalen Lerngeschehen in der Schule. Aufgenommen wird hier vor allem die für das Programm „Schulerfolg sichern!“ zentrale Frage, wie es schulischen und sozialpädagogischen Fachkräften gelingen kann, sich bei aller gebotenen Spezialisierung und Separierung auf verbindende pädagogische Ziele zu besinnen und diese mit vereinten Kräften und gemeinsamen Vorgehensweisen umzusetzen. Grundlage der Arbeit bilden die Erfahrungen und Ideen der Teilnehmer. Innovative Potentiale der pädagogischen Praxis werden erhoben und unter Bezug auf wissenschaftliche Erkenntnisse diskutiert, systematisiert und öffentlichkeitswirksam aufbereitet. Am Ende wird anhand von pädagogischen Feldern exemplarisch gezeigt werden, wie schulische Lehr- und Lernprozesse durch sozialpädagogisches Wissen und Können zu bereichern sind und insbesondere, wie hierdurch den Phänomenen der Jahrgangswiederholungen und vorzeitigen Schulabbrüche zu begegnen ist. Die Teilnehmer der AG 2 wollen sich zunächst damit beschäftigen, wie sich kooperativ auf eine Verbesserung sozialer Kompetenzen bei Schülern hinwirken lässt. Es wurde festgehalten, dass soziale Probleme nicht nur in das Unterrichtsgeschehen hineinreichen und es belasten, sondern das Lernverhalten und seine Bewertung in der Regel auch das Sozialverhalten maßgeblich beeinflusst. Um diesbezüglich eine Kette negativer Wechselwirkungen zu vermeiden oder gegebenenfalls zu durchbrechen, sind abgestimmte, gezielte Maßnahmen der schul- und sozialpädagogischen Fachkräfte vor Ort erforderlich. Enge, professionsspezifische Vorgehensweisen führen an dieser Stelle nicht weit. Vielmehr sind die Kollegen im engeren und weiteren Kreis mit einzubeziehen und neue, kooperative Routinen zu entwickeln. Hierzu will die Arbeit des Qualitätszirkels ermutigen und in Form praktischer Handreichungen beitragen. Es sollen konkrete Vorschläge unterbreitet werden, wie in Schulen angesichts der Wechselwirkungen von Sozial- und Lernverhalten interprofessionelle Arbeitsformen gefunden und gestaltet werden können.
Um erfolgreiche und tragfähige Strategien und Konzepte im Rahmen der beiden Arbeitsgruppen des Qualitätszirkels erarbeiten zu können, trifft sich jede Gruppe einmal pro Quartal. Nur dadurch ist es möglich, kontinuierlich und zeitnah die verschiedenen Themenfelder intensiv und ergebnisorientiert bearbeiten zu können.
Erste Ergebnisse des Qualitätszirkels - AG 1: Kooperative Schulentwicklung
Die nächsten Termine des Qualitätszirkels - AG 1 & AG 2
Zeitraum: 05. Februar 2012 bis 04. Februar 2013
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