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Bildungsbericht 2020

Foto einer Person, die am Schreibtisch sitzt und mit Buntstiften etwas auf Papier malt
Bild: coyot/pixabay.com/CC0

Alle zwei Jahre wird auf Basis amtlicher Statistiken sowie sozialwissenschaftlicher Daten und Studien der Bildungsbericht erstellt. Als systematische Bestandsaufnahme des gesamten Bildungswesens – von der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter – gedacht, geht es hier um das Verfolgen langfristiger Entwicklungen sowie das Sensibilisieren für neue Strömungen. Der aktuelle Bericht setzt sich intensiv mit Bildung in einer digitalisierten Welt auseinander und sieht Verbesserungspotenzial in Deutschland.

So werden im Bericht die Möglichkeiten der Digitalisierung betont, gleichzeitig aber auch bestehende Herausforderungen konstatiert, welche insbesondere mit der Corona-Pandemie offenbar wurden. Hier sind beispielsweise die unzureichende technische Ausstattung der Bildungseinrichtungen zu nennen und der Bedarf, die pädagogischen Fachkräfte angemessen zu qualifizieren. Zudem scheint laut Bericht der Trend zu höherer Bildung an Grenzen zu stoßen.

Digitale Medien ja, digitale Strategie nein
Wenngleich die Bildungseinrichtungen des Landes zunehmend gefordert sind, digitale Kompetenzen zu vermitteln und immer mehr Lehrende und Lernende digitale Medien und Werkzeuge – auch forciert durch Corona – einsetzen, es bleiben Baustellen. Denn laut den, für den Bericht verantwortlichen, Forscherinnen und Forschern mangelt es bis dato „an einer überzeugenden und abgestimmten Strategie für die Bildung in einer digitalisierten Welt.“ So fehlen etwa Konzepte, um digitale Technologien entlang der gesamten Bildungsbiografie didaktisch sinnvoll einzusetzen.

Ebenso wird laut Bericht digitale Technik noch nicht systematisch in die Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals integriert. Zudem ergeben sich hier abhängig von Bildungsbereich und Bundesland fast schon traditionell Unterschiede. Nicht zuletzt wird erhöhter Bedarf gesehen, den Einsatz digitaler Medien in den Bildungsinstitutionen und -kontexten anwendungsorientierter und strukturierter zu erforschen und die gewonnenen Ergebnisse in die pädagogische Praxis einzubringen.

Ende eines langjährigen Trends
Neben den Entwicklungen im digitalen Bereich stellt der Bericht auch Ergebnisse zu übergreifenden Trends im Bildungswesen vor. Unter anderem wird dabei ersichtlich, dass sich die Orientierung zu größerer Bildungsbeteiligung und höheren Abschlüssen abschwächt. So vermindert sich die Quote der allgemeinen und der Fachhochschulreife. Während 2014 hier noch 53 Prozent der Abschlüsse erzielt wurden, sind es 2018 50 Prozent. Zudem verlassen bundesweit mehr Jugendliche die Schule, ohne mindestens den Hauptschulabschluss erreicht zu haben (2014: 5,8 Prozent; 2018: 6,8 Prozent). Dabei kommen die Forscherinnen und Forscher auch zu dem Schluss, dass soziale und regionale Ungleichheiten ein maßgeblicher Faktor für Teilhabechancen sind und bleiben.

Abstimmung, Ausbildung, Anerkennung
Auf Basis dieser Erkenntnisse werden im Bildungsbericht vielfach Herausforderungen benannte, deren Bewältigung für eine adäquate Entwicklung im Bildungssektor unerlässlich ist. So wird nachdrücklich darauf hingewiesen, Bildungsinstitutionen verstärkt als Ort der Kooperation aller Beteiligten zu begreifen. Demnach zeige die Corona-Pandemie nicht nur, welch hohen Stellenwert Kitas und Schulen für die Sozialisierung innehaben, sondern vielmehr, dass der Bereich der Familie jenseits der öffentlichen Bildung von entscheidender Bedeutung ist.

Gleichzeitig ist auch zukunftsorientierte und kontinuierliche Ausbildung des pädagogischen Personals nötig. Das gilt gleichermaßen für Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger wie auch für pädagogische Fachkräfte, die Hemmnisse beim Einsatz digitaler Medien in der Lehre haben. Nicht zuletzt aber ist für ein leistungsstarkes, offenes, gerechtes und zukunftsorientiertes Bildungssystem fortlaufende Abstimmung wichtig. So muss die Basis aller Entscheidungen ein klares und einheitliches Bildungsverständnis bei den Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Praxis, aber auch bei den Lernenden selbst sein und ebenso muss Einigkeit dahingehend bestehen, wie das Bildungssystems weiterzuentwickeln ist. Das betrifft die zukünftigen Lerninhalte, den geeigneten Zeitpunkt ihrer Vermittlung sowie die dafür idealen Lernorte und -methoden.

Weitere Informationen und den gesamten aktuellen Bericht finden Sie hier