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Deutsches Schulbarometer

Drei Personen, die an einer Schule arbeiten, im Gespräch.

Bild: DKJS/Sandra Bach

Deutsche Schulen stehen vor großen Herausforderungen: Pandemie, Digitalisierung, schlechtes Abschneiden bei Schulleistungsvergleichen. Das und vieles mehr müssen Schule, und alle die dazugehören, gleichzeitig meistern – die berühmte Mammutaufgabe. Und diese Aufgabe wird noch schwieriger, denn es fehlt an etwas Entscheidendem: Personal. Ein Umstand, den deutsche Schulleitungen als aktuell größte Herausforderung benennen, wie das Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung zeigt.

Zwei Drittel oder 67 Prozent der befragten Schulleitungen sehen den Personalmangel als größtes Problem. Mit Abstand folgen Herausforderungen wie Digitalisierung, Bürokratie oder die Aufnahme geflüchteter Schüler:innen und Schüler. Konsequenz unterbesetzter Kollegien an Schulen ist starke Arbeitsbelastung hin zur -überlastung. Laut Barometer schätzten 95 Prozent der Schulleitungen ihre Arbeitsbelastung als sehr hoch (59 Prozent) oder hoch (36 Prozent) ein. Signifikante Unterschiede zwischen den Schularten bestehen dabei nicht.

Lernrückstände und fehlende Kompensationsmöglichkeiten
Weg von Personalengpässen weisen die Befragten darauf hin, dass viele Schüler:innen erhebliche Lernrückstände aufweisen. In konkreten Zahlen sind davon im Schnitt 35 Prozent der Schülerschaft betroffen, wobei hier der Anteil an Schüler:innen der Haupt-, Real- und Gesamtschulen (42 Prozent) sowie berufsbildenden Schulen (40 Prozent) höher ist, als der an Gymnasien (26 Prozent) und Grundschulen (27 Prozent).

Damit einher geht ein weiteres Problem: an vielen Schulen können die Lernrückstände nur schwerlich kompensiert werden. 78 Prozent der Schulleitungen geben an, dass ihre Schule trotz aller Bemühungen nicht die Unterstützung bieten kann, die Schüler:innen benötigen. Mehr noch: 53 Prozent der Schulleitungen glauben, dass ihre Schule Kinder und Jugendliche mit den größten Lernrückständen nicht erreichen konnte. Wiederum sind hier besonders Haupt-, Real- und Gesamtschulen betroffen. 84 Prozent der Befragten geben an, dass sie keine adäquate Unterstützung beim Lernen geben können, und 63 Prozent der Schulen können Schüler:innen mit den größten Lernrückständen nicht erreichen. Bemerkenswert dabei ist, dass nur ein Drittel (32 Prozent) der befragten Schulleitungen der Ansicht ist, dass die eigene Schule durch zusätzliche Fördermittel und Corona-Aufholprogramme die Lernrückstände verringern kann.

Mehrbedarf an Schulsozialarbeit und Schulpsychologie
Um den multiplen Herausforderungen, die sich an Schule aber auch ganz allgemein für Kinder und Jugendliche stellen, zu begegnen, sind Angebote der Schulsozialarbeit und Schulpsychologie von großer Bedeutung. Doch auch hier werden Grenzen bzw. Mehrbedarfe konstatiert. So erwähnen zwar zwei Drittel der Schulleitungen, dass an ihrer Schule ein Angebot der Schulsozialarbeit existiert. Vielfach wird jedoch angemerkt, dass diese oft nicht ausreichen. Wiederum zeigen sich zudem Unterschiede zwischen den Schulformen. Während fast 90 Prozent der Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Berufsschulen Unterstützung durch Schulsozialarbeit in Anspruch nehmen können, gibt es an gut 40 Prozent der Grundschulen und Gymnasien dieses Angebot nicht.

Erheblich geringer sind Hilfen im Bereich der Schulpsychologie möglich. Hier geben lediglich 35 Prozent der Schulleitungen an, dass sie über solche Angebote verfügen. Allerdings bleiben auch an Schulen mit Schulsozialarbeit oder Schulpsychologie große Herausforderungen. Jede zweite Schulleitung merkt an, dass der Bedarf der Schüler:innen trotz allem nicht ausreichend gedeckt werden kann.

Schulentwicklungsprozesse trotz Personalmangels
Ungeachtet des großen Personalmangels und der hohen Arbeitsbelastung, finden an den meisten Schulen derzeit Schulentwicklungsprozesse statt. 86 Prozent der Schulleitungen gaben dies in der Befragung an. Thematisch steht dabei Digitalisierung an erster Stelle, vor allem an berufsbildenden Schulen (89 Prozent) und an Gymnasien (87 Prozent). Grundschulen liegen hier mit 60 Prozent weiter hinten. Zweiter großer Themenkomplex ist die Unterrichtsentwicklung, mit der sich laut Schulbarometer jede zweite Schule (54 Prozent) befasst. Hiernach folgt Personalentwicklung als nächstgrößeres Thema. Die Weiterentwicklung von Prüfungsformaten spielt bei nur 7 Prozent der Schulen eine Rolle.

Alle Ergebnisse sowie den gesamten Bericht des Schulbarometers finden Sie hier.