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Durch persönliche Wertschätzung mit Freude Lernen

Bild: DKJS
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Schule ist ein bedeutender Impulsgeber. Die Impulse, die von Schule ausgehen, wirken wie Tropfen, die auf die Wasseroberfläche fallen und Wellen auslösen, zu allen möglichen Seiten. Manchmal sacht, manchmal kräftig, aber immer folgt eine Reaktion. Ein starker Impuls ruft eine starke Wirkung hervor – eine starke Schule bringt starke Kinder und Jugendliche hervor.

Daran knüpften die Online-Impulstage vom 29.09. bis 01.10.2020 an. Die landesweite Koordinierungsstelle Schulerfolg sichern lud am dritten Tag der digitalen Veranstaltungsreihe die Gebrüder-Grimm-Schule, eine Grundschule aus Hamm ein, um Beispiele gelingender Schulentwicklung und die Förderung von Begeisterung und Freude am Lernen kennenzulernen. Neben der Vorstellung dieser Beispiele erfolgte im Anschluss nochmals eine fachliche Rahmung durch die Bildungsexpertin Ulrike Handke.

Kernaussagen, Details zu Konzepten und vorgestellten Prozessen können Sie im Live-Mitschnitt der Veranstaltung anschauen:

Durch persönliche Wertschätzung mit Freude Lernen:
Schulleiter Frank Wagner von der Gebrüder-Grimm-Schule, einer Grundschule aus Hamm gibt zu Beginn einen Rückblick auf die Geschichte der Schule, die vor 12 Jahren geschlossen werden sollte und als Brennpunktschule in der Stadt galt. „Das hat sich in den letzten Jahren etwas gewandelt, aber wir wünschen gar nicht, dass wir anders genannt werden. Wir waren oder sind gerne Brennpunktschule.“ Frank Walter macht darauf aufmerksam, dass Räume, Strukturen, Inhalte und Personalpolitik in der Schule nicht mehr zeitgemäß waren, so dass die Anmeldungen für Schülerinnen und Schüler sehr zurück gingen. „Unsere Schule war abgewirtschaftet, altes Mobiliar, wenig Ausstattung für das Personal, alles war etwas gruselig.“ Schulleitung und Lehrkräfte haben Konzepte und Strategien entwickelt, welche die Schule heute zu einem beliebten Lernort machen. „Wir haben viel probiert, mal schneller, mal langsamer.“ Es wurden drei Leitbegriffe initiiert: Lachen – Leisten – Lesen. Angst sei, so Frank Wagner, das größte Lernhindernis. „Begeisterung und Humor macht das Gehirn frei zum Lernen.“ Dazu gehört unter anderem die morgendliche Musik, die im ganzen Schulgebäude abgespielt wird. Kinder lädt sie dazu ein, sich gegenseitig Tänze beizubringen. Darüber hinaus werden an der Schule Kinder, die ihre Ziele erreichen, mit Lobbriefen ausgezeichnet. „Alle Schülerinnen und Schüler bekommen 2-3 Lobbriefe im Schuljahr. Die Lobbriefe hängen bei den Kindern an der Wand, das Zeugnis nicht.“ Die Lobbriefe enthalten kleine individuelle Geschichten. Die Sorgeberechtigten sehen dadurch nicht nur die schulischen Leistungen im Zeugnis, sondern auch kleine Ziele, die erreicht wurden. „Die Schulkultur hat sich geändert. Wertschätzung ist bei uns die Grundlage zum Lernen.“ 2019 wurde die Schule mit dem deutschen Schulpreis ausgezeichnet.

Selbstständiges Lernen von Anfang an fördern:
„Was müssen Kinder können, um an weiterführenden Schulen zu bestehen?“ Diese Frage wurde im Kollegium diskutiert, um daraufhin Trainingskurse zu entwickeln, die 1x am Tag jahrgangsübergreifend stattfinden. „Die Kinder müssen Schreibschrift beherrschen, Lesekompetenz erlangen sowie das 1x1 auswendig können.“ Die Kinder können sich selbst zuordnen, ob sie den Kurs beispielsweise in Lesen oder Rechnen besuchen. Ergänzend dazu wurde in der Schule durch einen räumlichen Anbau ein Lernkaleidoskop entwickelt, in dem Kinder bestimmte Themenecken vorfinden und dort selbst lernen können. Im Kaleidoskop gibt es immer eine Aufsicht und kreative Arbeitsaufträge, die Kinder eigenständig lösen können. „Wir schauen immer, ob das wirklich bei den Kindern ankommt. Wir haben den Lehrplan in Kindersprache umformuliert und gekürzt. Die Kinder haben so den Überblick, was die Ziele in den Kursen sind. Viele Schulen in Nordrhein-Westfalen übernehmen Teile der Konzepte von uns.“

Ulrike Handke, Bildungsexpertin, stellt die Zuversicht der jungen Menschen heraus, die es zu fördern gilt. Sie betont den Aspekt der Stärkung der Freude und Begeisterung im Konzept der Grundschule Hamm. „Bildung hat eine persönliche, eine praktische und eine politische Dimension. Es geht darum, die Zuversicht der jungen Menschen zu erhöhen, sie in ihrer Urteilsfähigkeit zu üben und sie Freude am Lernen empfinden zu lassen.“ Anknüpfend daran geht sie in ihrem Impuls-Vortrag auf die Selbstbestimmungstheorie ein.