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Rückblick: Online-Fachkonferenz „Was uns Mut macht. Kinder und Jugendliche persönlich wertschätzen!“

Bild: DKJS/Sandra Bach
Bild: DKJS/Sandra Bach

Am 24. und 25. Juni 2020 hat die landesweite Koordinierungsstelle Schulerfolg sichern Fachkräfte aus Schule, Jugendhilfe und Kommune zur Online-Fachkonferenz „Was uns Mut macht. Kinder und Jugendliche persönlich wertschätzen!“ eingeladen. Die ca. 300 Teilnehmenden hatten an den beiden Veranstaltungstagen die Möglichkeit, die Keynotes von Helmut Hochschild, Eva-Lotta Bueren sowie Susanne Linde und Klaus Linde-Leimer zu verfolgen sowie Foren und Workshops zahlreicher Referierender zu besuchen. Dabei sind Lern-Räume entstanden, in denen sich ausgetauscht, inspiriert und reflektiert sowie sich gegenseitig ermutigt wurde. An dieser Stelle bedankt sich die landesweite Koordinierungsstelle Schulerfolg sichern recht herzlich bei allen Mitwirkenden für die Unterstützung, Kreativität, Flexibilität und den Mut zur Gestaltung der ersten Online-Fachkonferenz. Gemeinsam wurde den Fragen nachgegangen, was Kinder und Jugendliche für ihren Lernprozess benötigen, wie (sozial-) pädagogische Fachkräfte durch individuelle Anerkennung und Wertschätzung positiven Einfluss darauf nehmen und welche Entwicklungsschritte Schule, Jugendhilfe und Kommune dafür gehen können.

Die Innovationsfähigkeit der Menschen in der Pandemie, z.B. die Gestaltung kreativer Austauschplattformen, macht Eva Feußner, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt, Mut. In Ihrem Grußwort zu Beginn des ersten Veranstaltungstages hebt sie die Bedeutung von Schulsozialarbeit als wichtiges Bindeglied im Gesamtsystem von Erziehung, Beratung und Betreuung in Sachsen-Anhalt hervor. Für die Zukunft möchte Eva Feußner Mut machen: Die Verstetigung von Schulsozialarbeit und die Gewährung der Mittel werden auf Landesebene angestrebt. „Wir brauchen die Schülerinnen und Schüler, die Jugendhilfe und wir brauchen Sie! Gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie wird deutlich, wie wichtig ihre Arbeit ist. Vielen Dank für das Meistern der Situation.“

Die Keynote Speaker Helmut Hochschuld, Eva-Lotta Bueren sowie Susanne Linde und Klaus Linde-Leimer haben deutlich gemacht, dass Schule gemeinsam zu einem Ort entwickelt werden kann, an dem sich Kinder und Jugendliche angenommen und bestärkt fühlen. Die Zusammenarbeit von Schule, Jugendhilfe und Kommune, das Öffnen der Schule in den Sozialraum sowie Wertschätzung und Akzeptanz der Schülerinnen und Schüler und der unterschiedlichen Professionen innerhalb der Schule wurden dabei als Gelingensbedingungen für den Bildungserfolg aller Kinder und Jugendlichen herausgearbeitet. Im Folgenden haben wir für Sie die inhaltlichen Schwerpunkte der Keynotes zusammengefasst. Das Graphic Recording und die Audio-Mitschnitte werden jeweils donnerstags im Juli hier auf dem Programmportal veröffentlicht.

Schule benötigt ein Netzwerk nach außen und eine wertschätzende Kommunikation nach innen
In der Keynote mit dem Titel „Braucht Schule einen Klimawandel? Haltung und anerkennender Umgang in und um Schule“ arbeitet Helmut Hochschild heraus, dass „Schule mehr kann.“ Nach 40 Jahren Erfahrung im Schuldienst macht Helmut Hochschild auf defizitäre Strukturen in und um Schule aufmerksam. „Die deutsche allgemeinbildende Schule ist immer noch geprägt von institutionellen Strukturen aus dem letzten Jahrhundert […] – dies musste ich in fast 40 Jahren […] erleben.“ Um Schule zu einem Ort zu entwickeln, an dem sich pädagogische Fachkräfte ebenso angenommen fühlen wie Kinder und Jugendlichen, hat Helmut Hochschild als Hauptschullehrer und Schulleiter Spielräume genutzt, um abgeschlossene Schulen näher an die gesellschaftliche Realität zu bringen. „Schule öffnen - das ist das, was ich in den letzten 40 Jahren getan habe.“ In seiner Keynote macht er deutlich, dass Schule starke Beziehungen sowohl innerhalb als auch nach außen benötigt. „Schule hat vor allem gewonnen, wenn Netzwerke auch nach außen gebildet werden und – nach innen – wenn alle Beteiligte transparent und auf Augenhöhe miteinander sprechen können.“ Ein wichtiger Aspekt ist für Helmut Hochschild einerseits die Anerkennung und Wertschätzung der unterschiedlichen Professionen an Schule sowie andererseits der respektvolle Umgang mit den Schülerinnen und Schülern. „Wir müssen den Kindern und Jugendlichen etwas zutrauen.“ Anhand von Beispielen geht er in seiner Keynote darauf ein, wie eine Öffnung der Schule und ein wertschätzender Umgang realisiert werden können. Gemeinsam in der Zusammenarbeit nach Lösungen suchen, hält er für sehr wichtig. „Schule ist weiterhin, wie alle gesellschaftlichen Institutionen, eine lernende Institution. Wir lernen am meisten, wenn wir voneinander lernen.“ Der Mitschnitt des gesamten Vortrages sowie weitere Inhalte finden Sie am nächsten Donnerstag (16.07.2020) auf dem Programmportal.

Eine starke Zusammenarbeit von Schule, Jugendhilfe und Kommune für den Bildungserfolg aller Kinder und Jugendlichen
Eva-Lotta Bueren, Referentin der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) zeigt in ihrem Vortrag „Wie geht’s gemeinsam? Schule und Jugendhilfe in Kooperation für starke Kinder und Jugendliche“ auf, dass sozialpädagogische Handlungskompetenzen eine Schlüsselqualifikation an Schulen sind und diese zur Zukunftsfähigkeit des Bildungswesens beitragen. „Wir finden, Kinder- und Jugendhilfe gehört an und um Schule und ist wahnsinnig wichtig.“. Die AGJ, vertreten durch Eva-Lotta Bueren, geht davon aus, dass Kinder und Jugendliche in jeder Schulform und zu jedem Zeitpunkt ihrer Bildungsbiografie eine optimale Förderung ihrer kognitiven, sozialen, kreativen und emotionalen Kompetenzen benötigen. Eine solche Förderung bedarf sowohl des Professionswissens von Lehrkräften als auch der Angebote der Kinder- und Jugendhilfe. „Das heißt, es geht nur zusammen.“ Am Ort Schule ist Schulsozialarbeit sehr wichtig, da sie Brücken zu anderen Akteuren im Sozialraum baut. „Schule und Jugendhilfe haben nicht nur die gleiche Zielgruppe. Auch die Funktionen und Aufgaben weisen in die gleiche Richtung: Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche ermöglichen.“ Für die AGJ gibt es unter anderem drei Bedingungen für das Gelingen von ganzheitlicher Bildung:

1) Partnerschaftliche Kooperation zwischen Fachkräften aus Schule sowie Kinder- und Jugendhilfe
2) Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner gewinnen und in den Sozialraum vernetzen
3) Fachlichkeit gemeinsam fortentwickeln

Eine Ausführung der Inhalte und den Mitschnitt finden Sie am 23.07. hier auf dem Programmportal.

Schule als resiliente Organisation
In der Keynote von Susanne Linde und Klaus Linde-Leimer „Ist das auch was für mich? Schule weiterentwickeln als positiven Lebensort für alle“, werden Ergebnisse aus einem EU-Projekt vorgestellt, in dem Unterstützungsmöglichkeiten von abbruchsgefährdeten Schülerinnen und Schülern erarbeitet wurden. Das EU-Projekt hat deutlich gezeigt, dass die Schule selbst einen wichtigen Einfluss auf die Prävention von Schulabbrüchen („Dropouts“) hat. „Nicht nur die Schülerinnen und Schüler brauchen Unterstützung, sondern ebenso die Lehrkräfte und Schulleitungen, die immer wieder auch vor großen Herausforderungen stehen, die sie an ihre Grenzen und darüber hinausbringen.“ Aus dem Projekt ist eine Datenbank entstanden, die Beispiele gelingender Methoden sowohl auf der pädagogischen Ebene als auch auf der Ebene der Schulorganisation zeigt. Auf Grundlage dessen wurde ein Handbuch entwickelt, welches sich mit Schulentwicklung auseinandersetzt. Informationen zur Datenbank und zum Handbuch finden Sie hier. „Bei dem Projekt ging es uns nicht um Eliteschulen. Es ging uns auch nicht darum, Hochbegabte zu finden. Uns ging es darum, Schulen zu finden, die ein positiver Lebensort für alle sind. Und für alle bedeutet eben nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte, Schulleitungen und all jene, die sich von Extern einbringen können.“ Kriterien, die Schule zu einem positiven Lebensort machen, waren dabei der konstruktive Umgang mit Diversität, Persönlichkeitsentwicklung und die Förderung sozialer Kompetenz. „All das Genannte läuft aber auf einen entscheidenden Punkt hinaus: Struktur! Wenn wir über eine Willkommenskultur reden, müssen wir über eine Willkommensstruktur reden. Wenn etwa wichtige Personen aus so einem Geflecht herausfallen, sind gute Projekte meist sehr schnell vorbei.“. Susanne Linde und Klaus Linde-Leimer machen drei wesentliche Schritte in Schulentwicklungsprozessen aus:

1) Das Problem wird als solches erkannt und es gibt eine Absicht, eine positive Wandlung herbeizuführen.
2) Die Absicht muss von der Schulleitung mitgetragen und unterstützt werden.
3) Es muss zur Bildung von Steuerungsgruppen kommen, die strukturiert und organisiert sind sowie Schnittstellen mit dem Kollegium und der Schulleitung aufweisen, sodass Transparenz gewährleistet ist.

„Insgesamt darf es an einer Schule nicht nur um Haltung gehen. Diese Haltung muss sich auch in den Strukturen widerspiegeln und auf eine breite Basis gestellt werden.“ Weitere Inhalte und den Mitschnitt der Keynote finden Sie am 30.07. auf dem Programmportal.

Kinder und Jugendliche persönlich wertschätzen
Neben den Keynotes wurden an beiden Veranstaltungstagen vielfältige Foren und Workshops angeboten, in denen die Teilnehmenden dazu eingeladen waren, sich mit ausgewählten Themen intensiv auseinanderzusetzen. Zum Beispiel ging es im Forum des Oberbürgermeisters Dr. Thomas Nitzsche um die kommunale Verantwortungsübernahme im Ausbau und der Qualitätssicherung von Schulsozialarbeit, welche am Beispiel der Stadt Jena gezeigt wurde. In einem Workshop konnten die Teilnehmenden das Konzept „MOVE“ zur motivierenden Gesprächsführung kennenlernen. Jana Valentin (Fachstelle für Suchtprävention bei DROBS Magdeburg) hat diesen Workshop gestaltet. Die Übersicht bietet Informationen zu den Themen der Foren und Workshops sowie zu den Referierenden. Wenn Sie Fragen zu den Inhalten in den Workshops und Foren haben, können Sie gern die Referierenden direkt kontaktieren. Die entsprechenden Kontaktdaten können Sie auf den jeweiligen Internetseiten einsehen, die hier verlinkt sind.

Von Mutmachenden für Mutmachende
Mut machen, Rückhalt geben, sich gegenseitig wertschätzen und zuhören – so trägt jede und jeder einen Teil dazu bei, dass sich Schulen zu einem positiven Lebens- und Lernort entwickeln können. Bei der Online-Fachkonferenz wurde deutlich, dass es nur gemeinsam gelingen kann und es kooperative Lösungen braucht, um Kinder und Jugendliche bestmöglich in ihrem Bildungsweg zu begleiten.