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Rückblick: Online-Impulstage „Starke Schulen – starke Kinder und Jugendliche“

Illustration dreier Personen auf einem Segelboot
Bild: DKJS/Sandra Bach

Schule ist ein bedeutender Impulsgeber. Die Impulse, die von Schule ausgehen, wirken wie Tropfen, die auf die Wasseroberfläche fallen und Wellen auslösen, zu allen möglichen Seiten. Manchmal sacht, manchmal kräftig, aber immer folgt eine Reaktion. Ein starker Impuls ruft eine starke Wirkung hervor – eine starke Schule bringt starke Kinder und Jugendliche hervor.

Daran knüpften die Online-Impulstage vom 29.09. bis 01.10.2020 an und die landesweite Koordinierungsstelle Schulerfolg sichern lud am zweiten Tag der Reihe die Kurfürst-Moritz-Schule, Oberschule Moritzburg ein, um Beispiele gelingender Schulentwicklung und partizipativer Unterrichtsgestaltung kennenzulernen. Neben der Vorstellung dieser Beispiele erfolgte im Anschluss nochmals eine fachliche Rahmung durch die Bildungsexpertin Ulrike Handke.

Kernaussagen, Details zu Konzepten und vorgestellten Prozessen können Sie im Live-Mitschnitt der Veranstaltung nachvollziehen.

Gleichklang trotz verschiedener Töne
Die Kurfürst-Moritz-Schule liegt in einer ländlichen Region. Für Schülerinnen und Schüler aus den umliegenden Gemeinden ist sie auch aus räumlicher Notwendigkeit die Schule der Wahl. Auch! Denn die Oberschule aus Moritzburg, die 2019 den deutschen Schulpreis und 2020 den sächsischen Schulpreis für digitale Schule erhalten hat, steht für den Anspruch, „die Kinder zu interessieren, dass sie das Maximale aus sich herausholen“, wie Schulleiter Heiko Vogel betont.

Dazu gehört beispielsweise die Förderung von Talenten, die im Regelstundenplan im Schnitt eher unterrepräsentiert sind. „Wir sind eine musische Schule, eine musisch profilierte Schule seit sehr vielen Jahren“, sagt Heiko Vogel und verweist darauf, dass Musik in der Kurfürst-Moritz-Schule ein Taktgeber ist. So gibt es Bandklassen, die in den Klassenstufen 5-7 fester Bestandteil des Lehrplans sind und in deren Folge nicht nur alle der insgesamt 500 Schülerinnen und Schüler das Spielen eines Instruments erlernen, sondern gleichsam Bands gründen, die vielfach bis in die Oberstufen Bestand haben. Das fördert Beziehungen, Vielfalt und kreative Entwicklung unter- und miteinander.

Alle beteiligen, selbst organisieren
Die Förderung individueller Interessen und Talente ist ein wesentlicher Aspekt. Gleichzeitig werden Differenzierung und Erfahrungen von Selbstwirksamkeit durch die Übernahme von Verantwortung gestärkt. Praktisch bedeutet dies an der Oberschule aus Sachsen, dass beispielsweise im Rahmen einer Projektwoche, alljährlich ein Theaterstück entwickelt wird, an dem jeder und jede der 500 Schülerinnen und Schüler mitwirkt. So befassen sich einzelne Projektgruppen z.B. mit dem Einstudieren historischer Tänze, während andere sich im Hintergrund mit technischen oder organisatorischen Fragen auseinandersetzen. Entscheidend aber ist, wie Heiko Vogel sagt, „dass alle dabei sind. Das ist eigentlich der Knackpunkt. So wie bei vielen anderen Geschichten auch.“

Dieses Prinzip schlägt sich auch im Unterrichtsalltag nieder. Lernen als Prozess wird an der Kurfürst-Moritz-Schule aus vier Perspektiven betrachtet. Jede Lehrkraft weiß, dass Schülerinnen und Schüler nach Lernzielen arbeiten. Für jede Lehrkraft ein selbstverständlicher Aspekt. Gleichrangig damit sind aber auch die Dimensionen der Ergebnisse, Persönlichkeitsentwicklung und Schaffung eines positiven Lernklimas. Schülerinnen und Schüler erarbeiten Ergebnisse. Es ist wichtig für sie zu wissen, was sie bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erledigen haben. Ebenso müssen Schülerinnen und Schülern wissen, wie ein positives Lernklima geschaffen werden kann, ob sie etwa anderen helfen können und in welcher Form. Abschließend steht die Arbeit der Kinder und Jugendlichen an sich selbst, eine Aufgabe die ebenso wichtig wie komplex ist.

Selbstorganisation bedeutet nicht Dinge allein zu tun
Ulrike Handke, Bildungsexpertin, rahmte den Impuls-Vortrag von Schulleiter Heiko Vogel zum Abschluss der Veranstaltung ein und bringt besonders einen Aspekt gelingender Binnendifferenzierung hervor: „Das Individuum achten und in der Gemeinschaft arbeiten.“ Ein mehrdimensionales und dadurch aufwendigeres Bestreben, denn „neben den Unterschieden in Lerntempo, Lernleistung in Bildungshintergrund oder auch kulturellem Hintergrund gibt es auch persönliche Lernpräferenzen.“ Hilfreich dabei kann vor allem Selbstorganisation sein, die auch Lehrkräften Entlastung verschafft, können diese sich in den Arbeitsphasen mit Beobachtungsdiagnostik befassen. Wie kommen die Kinder und Jugendlichen mit den Aufgaben zurecht? Wer arbeitet mit wem? Einen letzten Fürspruch und gleichzeitig Impuls für das selbstorganisierte Lernen fasste Ulrike Handke so zusammen: „Selbstorganisierte Lernen muss nicht heißen, dass man alles alleine tut.“