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Schlaglicht Netzwerkstelle Dessau-Roßlau

Illustration einer Miniaturstadt. Auf eines der Häuser ist ein Scheinwerfer gerichtet.
Bild: DKJS/Sandruschka

Was genau sind die spezifischen Bedarfe und Besonderheiten Eurer Region? Wie reagiert Ihr als NWST darauf?
Die spezifischen Bedarfe und Besonderheiten unserer Region befinden sich in einem steten Wandel und richten sich dabei ein Stück weit nach den aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten. Nachdem wir 2019 als „neue“ Netzwerkstelle starteten und das Jahr nutzen konnten, um uns in die spezifischen Bedarfe der Region einzuarbeiten, sollte das Jahr 2020 von einer Vielzahl neuer dazugekommener Gremienarbeiten und Arbeitskreise geprägt sein, die wir anhand der erfassten Bedarfslage und in der Zusammenarbeit mit den verschiedensten Akteur:innen herausarbeiteten.

Als Beispiele sind hier die Umsetzung der sogenannten „Expert:innenteams“, der Arbeitskreis ASD-SSA sowie der Aus- und Aufbau der Schüler:innenvertretung zu nennen. Die Expert:innenteams entstanden im Zuge der Überarbeitung des Handlungsleitfadens von Jugendhilfe und Schule. Hierzu erarbeitete die Netzwerkstelle gemeinschaftlich mit Schulsozialarbeiter:innen aus der Stadt, landesschulfachlichen Referent:innen in Dessau-Roßlau, Polizeimitarbeiter:innen aus dem Präventionsbereich und Mitarbeiter:innen des Kinderschutzes aus dem Jugendamt, eine Konzeption zur Umsetzung des oben genannten Gremiums. Zielleitend hierfür waren die gesteigerte Sensibilisierung und eine engere Kommunikation aller wichtigen Akteur:innen untereinander zur frühzeitigen Erkennung und Verhinderung von Kindeswohlgefährdungen. In regelmäßigen Abständen sollten die Expert:innenteams, moderiert und organisiert durch die Netzwerkstelle zusammenkommen und anonymisierte vergangene und aktuelle Fälle besprechen, gegenseitige Hinweise, Tipps und nicht zuletzt auch Erfahrungen austauschen sowie sich gegenseitig beratend zur Seite stehen. Die Expert:innenteams würden sich im Kern maßgeblich aus Lehrkräften, Schulsozialarbeiter:innen, Mitarbeiter:innen des Kinderschutzes und der Erziehungshilfe zusammensetzen. Je nach Bedarf können verschiedene weitere Fachkräfte hinzugeladen werden. Dies könnten ggf. Horterzieher:innen, Mitarbeiter:innen des Gesundheitsamtes oder verschiedene Beratungsstellen sein. Der ebenfalls neuanvisierte und geplante Arbeitskreis ASD-SSA setzt sich aus Mitarbeiter:innen der Hilfen zur Erziehung und den Schulsozialarbeiter:innen zusammen. Für diesen Arbeitskreis sind der fachliche Austausch, gegenseitige Erwartungshaltungen, eine gesteigerte Kommunikation sowie die gegenseitige Kenntnisnahme zielführend. So können in der Kommunikation bestehende Barrieren abgebaut und eine engere Zusammenarbeit befördert werden.

Die mit Beginn des letzten Jahres eintretende Pandemie stellte die Netzwerkstelle vor neue Herausforderungen. Schlagartig änderten sich die Gegebenheiten, welche ein Stattfinden der geplanten Umsetzungen verhinderte. Auch die akuten Bedarfe aller Akteur:innen waren völlig verändert. Es mussten neue Kommunikationswege zu Sorgeberechtigten, Lehrer:innen und vor allem den Schüler:innen gefunden werden. Es gab neue Problemlagen und zu alledem mussten technische Hürden angepasst werden, um überhaupt auf Bedarfe reagieren zu können. Das betraf sowohl die Akteur:innen der verschiedenen Bereiche in der Zusammenarbeit mit Schüler:innen, Kindern und Jugendlichen, Fachkräften und Sorgberechtigten als auch uns in unserer Netzwerkstellentätigkeit.  Somit wurden Umstrukturierungen sowie die Fokussierung auf völlig neue Aufgabenbereiche erforderlich, die stark different zur eigentlichen Jahresplanung gewesen sind. Es mussten bereits laufende Gremien wie z.B. die Klausur der Schulsozialarbeiter:innen, der Stadtschüler:innenrat usw. von analogen Treffen auf digitale Meetings umgestellt werden. Auch hierbei traten insofern Schwierigkeiten auf, als dass die Geschwindigkeit in der jede:r Akteur:in vollends ausgestattet gewesen ist, sehr unterschiedlich war. Für uns als Netzwerkstelle bedeutete dies, den Akteur:innen zeitnah Angebote, ihrem gemeldeten Bedarf entsprechend, wie z.B. Fortbildungen, Supervisionen und Workshops zu unterbreiten.

Unabhängig der pandemischen Situation konnten wir bereits zu Beginn unserer Einarbeitung feststellen, dass unsere Region grundsätzlich gut miteinander vernetzt ist. Die vorhandenen Vernetzungsstrukturen sind recht vielfältig. In vereinzelten Netzwerken bedarf es lediglich einer Widerbelebung oder auch Erweiterung.

Beispielhaft für die Vernetzungsstruktur zu benennen sind einige verschiedene Teams am Übergang von Kindertageseinrichtung in die Grundschule, die sogenannten „Übergangsteams“ oder am Übertritt von Schule in den Beruf sowie in andere weiterführende schulische Ausbildungswege. Ebenfalls sind seit einigen Jahren sehr gut die sogenannten „Planungsraumnetzwerke“ implementiert, die sich aus den verschiedensten Akteur:innen im Bereich der Jugendhilfe und entsprechend der jeweiligen Planungsräume der Stadt zusammensetzen. Das Ziel der Netzwerkstelle ist es, die vorhandenen Netzwerke inhaltlich zur Bedarfserfassung zu nutzen, einige ggf. auszubauen und neue Kommunikationswege zu verknüpfen.

Einen wie eingangs bereits genannten und bedeutenden Themenschwerpunkt stellt dabei die Arbeit mit dem Stadtschüler:innenrat und den Schüler:innenvertretungen der einzelnen Schulstandorte in der Stadt Dessau-Roßlau dar. Einmal pro Monat findet eine Stadtschüler:innenratssitzung statt, in welcher aktuelle Themen der jeweiligen Schulen besprochen und Impulse für die ehrenamtliche Tätigkeit gegeben sowie umgesetzt werden. Hierbei bewegen die Schüler:innen Themen wie die Nutzung von bisher unberührten öffentlichen Plätzen zu ihrer Freizeitgestaltung, wobei es ihnen dabei nicht nur um den eigenen Mehrwert hinsichtlich ihrer freien Zeit geht sondern auch um die Verschönerung des Stadtbildes durch Erschließung von unberührten Plätzen. Zudem sind Themen die den öffentlichen Nahverkehr betreffen von großer Relevanz oder auch der Ausbau schulischer digitaler Strukturen. Darüber hinaus organisieren wir themenspezifische Workshops und leisten Unterstützung hinsichtlich einer überregionalen Vernetzung mit anderen Schüler:innenräten bzw. Schüler:innenvertretungen.

Ein weiterer wichtiger Arbeitsschwerpunkt, welcher sich aktuell im Aufbau befindet, ist die Umsetzung der Schüler:innenvertretungsworkshops. Als Auftakt fand der erste Workshop mit den Stadtschüler:innenräten statt. Bereits gefolgt von den Gymnasien und Sekundar-/Gemeinschafts- und Ganztagsschulen, sind die Planungen zur Umsetzung weiterer Workshops an den Förderschulen sowie der Berufsschule in vollem Gang. Die Schüler:innen lernen in Form eines Workshops ihre vielfältigen Möglichkeiten, Potenziale, Rechte und Pflichten kennen und erhalten Impulse zur Umsetzung und Aufbau des jeweiligen Gremiums. Somit legt die Netzwerkstelle den Grundstein und födert weiteren Ausbau für eine perspektivisch sinnstiftende, gelingende und gestärkte Schüler:innenvertretung in Dessau-Roßlau.

Welchen positiven Einfluss hat es, wenn die Trägerschaft der NWST durch die Kommune übernommen wird und die NWST an das Jugendamt angegliedert ist?
Das große und vielschichtige Stichwort lautet an dieser Stelle „Kurze Wege! – Enge Verbindung!“. Mit der Trägerschaft der Netzwerkstelle „Schulerfolg für Dessau-Roßlau“ bei dem öffentlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe ergeben sich viele effiziente Kontakte und ein umfassender Blick auf die vorgehaltenen Angebote in der Stadt. Zu nennen ist hier der gute Draht auf kollegialer Ebene zu den anderen Fachbereichen des Jugendamtes, wie z.B. dem Allgemeinen Sozialen Dienst oder dem Sachgebiet „Kita und Tagesbetreuung“. Darüber hinaus sind ämterübergreifend, wie z.B. mit dem Amt für Bildung und Schulentwicklung oder dem Bildungsbüro sowie auch dem Sozialamt unkomplizierte sowie zeitnahe Absprachen zu relevanten Themen möglich, die dadurch schnellere Erfassung und Bearbeitung finden. Durch den zügigen Kontakt zueinander waren bereits kurzfristige Terminabsprachen wie bspw. mit dem Sozialamt möglich. Somit konnten wir die zuständige Amtsleitung schnell und unkompliziert zu einer nächsten Klausursitzung einladen, da für vielzählige Schulsozialarbeiter:innen das „Bildungs- und Teilhabepaket“ von großer Relevanz gewesen ist. Der zu Beginn genannte AK ASD– SSA entstand aus der kurzfristigen Anfrage in der Klausur der Schulsozialarbeiter:innen, den:die zuständige Mitarbeiter:in aus dem genannten Bereich für wichtige Fragen miteinzuladen. Auch dies war schnell und unkompliziert möglich. Vielzählige Möglichkeiten ergeben sich ebenso hinsichtlich der Pressearbeit. Hiermit gemeint ist die schnelle Planung und Anberaumung von Pressegesprächen, Veröffentlichungen auf der stadteigenen Facebookseite sowie dem Amtsblatt.

Wo greifen die Arbeit der NWST und die Arbeit des Jugendamtes ineinander?
Die Arbeit der beiden Tätigkeitsfelder greift an vielen Stellen ineinander. So pflegen wir als Netzwerkstelle sowohl einen sehr engen inhaltlichen und gegenseitig beratenden Austausch zu dem Fachbereich des Allgemeinen Sozialen Dienstes als auch zu unserem Haushaltsbereich. Wie oben beschrieben haben sich daraus bereits Synergien entwickelt die in größere Zusammenarbeiten mündeten. Aber auch kurzfristige Absprachen werden regelmäßig durchgeführt. So können wir gegenseitig Bedarfe rückkoppeln und ggf. neue Beratungstermine mit anderen Akteur:innen anberaumen. Durch unsere direkte Angliederung an die Abteilung Jugendförderung sind wir des Weiteren fester Bestandteil im Bereich der Jugendarbeit nach §11 sowie der Jugendsozialarbeit nach §13. Darin inbegriffen sind ebenfalls die Jugendberufshilfe sowie die hier angegliederte rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit mit dem Programm RÜMSA. Auch hier sind wir durch unsere Angliederung fester Bestandteil interner Arbeitsgremien und sind somit immer engstens verknüpft und gegenseitig auf dem aktuellen Stand was fachliche Inhalte, aktuelle Projekte und Bedarfe anbelangt.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit in der Region – auf steuernder Ebene (Kommune) und pädagogischer Ebene (Träger, Schulen, Schulsozialarbeit)?
Nachdem die Netzwerkstelle „Schulerfolg für Dessau-Roßlau“ im Jahr 2019 von einem anerkannten Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe zu dem öffentlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe wechselte, fühlen wir uns nach nunmehr zwei Jahren sowohl angekommen als auch angenommen. Der Austausch sowie gewisse steuernde Funktionen, wie z.B. die Implementierung von Gremien oder dem Bedarf entsprechend kurzfristigeren Zusammenkünften, laufen gut und werden zunehmend besser. Wir pflegen möglichst enge Kontakte in alle Richtungen und Ebenen, die bedarfsgerecht für diese Region sind. Hierzu zählen, um dies einmal beispielhaft zu benennen, die landesschulfachlichen Referent:innen, die regelmäßigen Rücksprachen zu verschiedenem Schulpersonal, zu Kolleg:innen, den unterschiedlichsten Dezernaten, Ämtern und Fachabteilungen der Stadtverwaltung und vielen anderen Fachakteur:innen aus dem Stadtgebiet. Die Initiierung von Gremien seitens der Netzwerkstelle, wie beispielsweise die Klausurtagung mit den Schulsozialarbeiter:innen der Stadt Dessau-Roßlau oder die Trägerrunde, spielen dabei eine bedeutende Rolle.

Ebenso nehmen wir als Netzwerkstelle an den Planungsraumtreffen der Stadt Dessau-Roßlau teil, welche von der Abteilung Jugendförderung des Jugendamtes organisiert und inhaltlich/fachlich geleitet werden. Diese dienen nicht nur dem Aufbau eines dichten Netzwerkes, sondern vor allem auch dem Fachaustausch aller Teilnehmer:innen. Zu diesen gehören Schulsozialarbeiter:innen, Straßensozialarbeiter:innen, Mitarbeiter:innen der Horte, Jugendclubs und Freizeiteinrichtungen sowie weitere freizeitpädagogische Akteur:innen. Die Netzwerkstelle „Schulerfolg für Dessau-Roßlau“ nutzt dieses Gremium, um gemeinsame Schnittstellen zwischen den Akteur:innen zu finden und Ideen für eine mögliche Zusammenarbeit zu entwickeln. Hieraus konnten sich bereits sinnhafte Verknüpfungen von Schule und Jugendarbeit finden, insbesondere an Schulen die nicht über Schulsozialarbeit verfügen. So ergab sich bereits der Bedarf aus einem Schulstandort heraus, die offene Arbeit der Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt besser kennenzulernen, Angebote und Umsetzungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit greifbarer für Schüler:innen zu machen, die dieses ausgedehnte Angebot im freizeitpädagogischen Bereich bisher nicht für sich nutzten, weil ihnen genauere Informationen dazu fehlten. Auch Barrieren, auf ein derartiges Angebot zurückzugreifen, konnten somit abgebaut werden. Zudem kann die Netzwerkstelle aufgrund ihrer umfassenden Tätigkeit gut abschätzen, welche Bedarfe in der Region Aktualität haben und entsprechend reagieren.

Aus unserem eigenen Amt heraus, pflegt die Netzwerkstelle einen direkten Draht zu einer Vielzahl von ortsansässigen Schulen, insbesondere denen, die noch nicht auf Schulsozialarbeit zurückgreifen können. Hierbei ist es der Netzwerkstelle besonders wichtig diese Schulstandorte in das Netzwerk und den Austausch miteinzubinden, sie teilhaben zu lassen und auch bestimmte Vorhaben und Projekte, die dem Bedarf entsprechen, umzusetzen, z.B. über bildungsbezogene Angebote.

An welchen Themen arbeitet Ihr (innerhalb des Programms)? Könnt Ihr ein herausragendes Vorhaben vorstellen, insbesondere hinsichtlich der Aspekte Vernetzung, Verstetigung oder Qualifizierung?
Aufgrund unserer „erst“ zweijährigen Tätigkeit, wovon wir nunmehr ein Jahr einer pandemischen Situation unterlegen sind, können wir von einigen „Startlöchern“ berichten, für welche die Wege geebnet sind und die nur noch auf ihre Umsetzung warten. Zu ihnen gehören u.a. die enge Zusammenarbeit mit dem Stadtschüler:innenrat, die Entwicklung eines festen Facharbeitskreises zwischen Schulsozialarbeit und dem Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes der Stadt Dessau-Roßlau sowie die Implementierung von sogenannten „Expert:innenTeams“, auf welche wir folgend intensiver eingehen wollen. Gemeinsam mit einigen Akteur:innen aus den Bereichen Jugendhilfe, Schule und Polizei entwickelten wir Ideen zur besseren Zusammenarbeit und starteten mit einem groß angelegten Fachforum für interessierte Teilnehmer:innen, aus diesen drei Professionsebenen. Resultierend daraus erarbeitete die Netzwerkstelle gemeinsam mit den Partner:innen aus Jugendhilfe, Schule und Polizei –  hierin war auch Schulsozialarbeit inbegriffen – eine Konzeption zur Umsetzung von „Expert:innenTeams“, welche eine Sensibilisierung auf die jeweiligen Fachbereiche sowie deren Zusammenarbeit fokussiert. In der Realisierung treffen sich pro Quartal oder pro Halbjahr die jeweiligen Teams, bestehend aus Lehrer:innen, Schulsozialarbeiter:innen, Mitarbeiter:innen der Hilfen zu Erziehung und je nach Bedarf weitere Fachkräfte, wie z.B. Mitarbeiter:innen der Präventionsstellen der Polizei und beraten über anonymisierte Fälle im Schulalltag. Ziel ist die Steigerung von Handlungsoptionen, die rechtzeitige Verhinderung von möglichen Kindeswohlgefährdungen durch eine engere Verzahnung sowie ein noch breiteres Wissen um mögliche Ressourcen. Die Zusammensetzung der Treffen ist angelehnt an die in Dessau-Roßlau beschriebenen Planungsräume sowie die jeweiligen Einzugsgebiete. Die Netzwerkstelle wird die Treffen der „Expert:innenTeams“ organisieren und begleiten. Besonders herauszustellen ist auch, dass die erarbeitete Konzeption in den Handlungsleitfaden zur „Kooperation zwischen Schule und Jugendamt im Kinderschutz Dessau-Roßlau“ aufgenommen wurde, von allen übergeordneten Stellen mittels Unterschrift mitgetragen wird und somit entsprechende Relevanz erhält.

Welche Veränderungen habt Ihr durch Eure Arbeit wahrgenommen (gerne anhand eines konkreten Beispiels oder eines Prozesses)?
Im Verlauf unserer Arbeit konnten wir bereits eine verbesserte Kommunikation zwischen verschiedenen Akteur:innen aus dem Bereich Jugendhilfe und Schule wahrnehmen. Hier entstanden unter anderem direkte Verbindungen von Schule und offener Kinder- und Jugendarbeit. Auch dass es gelungen ist, ein:e Vertreter:in des Stadtschüler:innenrates für die regelmäßige Teilnahme an der Jugendhilfeausschusssitzung zu begeistern ist ein sehr guter Fortschritt. Ebenso nahmen wir gegenseitige Sensibilisierungsprozesse mittels regelmäßigen Austausches, hinsichtlich gewisser Verfahren, Abläufe und der Kommunikation auf unterschiedlichen Arbeitsebenen wahr, welche wiederum zu einer produktiveren Arbeitsatmosphäre führen. So haben sich beispielsweise die Stadtschüler:innenräte während ihrer gemeinsamen und intensiven Arbeitszeit zu einem sehr gefestigten Team entwickelt, welches auf gegenseitiger Unterstützung und Zusammenhalt basiert. Inzwischen engagieren sich sogar Schüler:innen ehrenamtlich und aus reinem Interesse in diesem Gremium, ohne selbigem offiziell zugehörig zu sein.

Wie seid Ihr mit der veränderten Situation durch die Corona-Pandemie umgegangen? Haben sich Hürden ergeben und wie habt Ihr diese überwunden? Gibt es Lösungen, die Ihr in der Pandemie entwickelt habt, die Ihr auch im „Normalfall“ einbringen/einsetzen werdet?
Mit Beginn der Pandemie ergaben sich für uns als Netzwerkstelle völlig neue Herausforderungen. Einige Gremienarbeiten, die neu ins Leben gerufen wurden, sowie auch geplante Veranstaltungen mussten kurz vor Start der analogen Umsetzung abgesagt werden. Da nach einigen Wochen klar wurde, dass ein reines Verschieben der geplanten Ansetzungen nicht funktionieren wird, war der Schritt in die digitale Welt unabdingbar und für uns komplettes Neuland. Der Fokus musste neu gesetzt werden. Denn auf einmal ergab die anfängliche Jahresplanung keinen Sinn mehr, aufgrund arger Beschränkungen hinsichtlich der Umsetzungsmöglichkeiten. Parallel dazu stellte sich schnell heraus, dass auch die Bedarfe innerhalb der Region sowie die der jeweiligen Akteur:innen im Zuge dessen einen Wandel vollzogen haben. Unsere Lösungen in dieser anfänglich sehr herausfordernden und neuartigen Zeit waren vor allem Kontakthalten, Nachfragen und Dranbleiben. Um den vorherrschenden Bedarfen gerecht zu werden, stellten wir uns digital neu auf und setzen seitdem viele Formate und Veranstaltungen online um. Hierzu zählen sämtliche Fortbildungen, Supervisionen und Workshops. Aber auch unsere regelmäßigen Klausurtagungen mit allen Schulsozialarbeiter:innen sowie die Treffen mit den Trägervertreter:innen, Steuerungsgruppen und die Stadtschüler:innenratssitzungen wurden auf Onlineformate umgestellt. Nicht zuletzt trafen wir uns auch digital zu Beratungsgesprächen mit einzelnen Akteur:innen. Wenngleich die digitale Welt die analogen Treffen nicht ersetzen kann, so ist es dennoch gut, dass nunmehr allen diese Möglichkeiten offenstehen und somit an verschiedenen Stellen eine größere Teilhabe garantiert ist.

Welches sind die drei wesentlichen „lessons learned“, die Ihr im Rückblick auf die Tätigkeit der NWST in den vergangenen zwei Jahren ziehen könnt?
Unsere „lessons learned“ beziehen sich aus beruflicher Sicht vor allem auf uns selbst und unseren eigenen Umgang mit verschiedenen Themenbereichen. Unser Blickwinkel hat sich durch die Arbeit maßgeblich erweitert. Wir stellten fest, dass die Arbeit einer Netzwerkstelle von vielschichtigem Interesse ist bzw. von verschiedenen Seiten beleuchtet wird, da viele Partner:innen und Fachakteur:innen aus den verschiedensten Arbeitsbereichen zusammenkommen und dabei unterschiedlichste Interessen vertreten. Dies war uns zu Beginn unserer Tätigkeit durchaus bewusst, jedoch überstieg der Umfang unsere vorherige Vorstellung. Grundsätzlich ist unser stetiges und oberstes Ziel, diesem mit Transparenz, Offenheit und möglichst viel Partizipation zu begegnen und somit alle bestmöglich „mitzunehmen“. Nicht zuletzt, da sich unsere Inhalte maßgeblich nach den Bedarfen der Region richten.

Welches sind die Ziele, die Ihr Euch als NWST für dieses Jahr gesetzt habt?
Getreu dem Motto „Aufgeschoben ist nicht gleich aufgehoben“ schauen wir mit der nötigen Flexibilität und den gesammelten Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr nach vorn. Zu den sogenannten „Leuchtturmprojekten“ für das Jahr 2021 gehören die Durchführung der Schüler:innenvertretungsworkshops an den einzelnen Schulen mit den entsprechenden Klassensprecher:innen und Schüler:innenvertretungen, die Implementierung des Facharbeitskreises der Schulsozialarbeiter:innen sowie den Mitarbeiter:innen des Allgemeinen Sozialen Dienstes und die Umsetzung der Zusammenkünfte der einzelnen „Expert:innenTeams“. Darüber hinaus stellt eine gelingende Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeiter:innen, den Trägervertreter:innen sowie den schulfachlichen Referent:innen oberste Priorität dar. Wir möchten auch weiterhin möglichst dicht am Bedarf der ganz verschiedenen Akteur:innen, Schüler:innen und Sorgeberechtigten im Stadtgebiet arbeiten und vielzählige Fort- und Weiterbildungen, Themenabende sowie weitere Formate anbieten.

Einige vorsichtige Planungen und Ideen gibt es bereits, jedoch sind diese maßgleich vom Verlauf der weiteren oder künftigen pandemischen Situation abhängig. Als ein Beispiel hierfür ist ein übergreifendes Kooperationsprojekt an zwei Schulen in den Sommerferien zu nennen, welches unter dem Motto „Fairplay Fun Park – bewegen, sich begegnen und lernen“, organisiert von verschiedenen Partner:innen, stattfinden soll. Die Planungen sind in vollem Gang, jedoch müssen wir uns immer anhand der aktuellen Situation orientieren. Generell richten sich die Bedarfe der Fachkräfte danach, in welcher aktuellen Lage wir uns befinden und andererseits hängt auch der Umsetzungsrahmen davon ab. Generell haben wir die Implementierung der digitalen Arbeitsweise als gewinnbringend empfunden. Wenngleich wir analoge Treffen, Facharbeitskreise und Fortbildungsveranstaltungen als unverzichtbar ansehen, soll die Umsetzung digitaler Angebote in einem angemessenen Rahmen mit entsprechendem Mehrwert, zu einem festen Angebot unsererseits werden.

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