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Schulbarometer

Illustration eines Klemmbretts und eines Stiftes auf blauem Grund
Bild: mcmurryjulie/pixabay.com/CC0

Wie sehen die Lehrkräfte die schulische Entwicklung in der Corona-Pandemie? Wo bestehen Herausforderungen, wo Potenziale? Just dazu sind im Dezember 2020 im Zuge des Deutschen Schulbarometers 1.015 Lehrer:innen online zu verschiedenen Feldern des schulischen Alltags befragt worden.

In einem ersten Schritt der Umfrage wurden die Lehrer:innen zunächst offen und ohne jede Vorgabe um eine Einschätzung gebeten, welches zur Zeit die größten Herausforderungen und Probleme sind, die für sie im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bestehen. Hierbei kristallisierten sich fünf Bereiche heraus, die von den pandemiebedingten Schutzmaßnahmen über die Unterrichtsorganisation, den politischen Beschlüssen und deren Kommunikation bis hin zu Problemlagen technischer oder sozialer Natur reichen. Wie die Lehrer:innen im Bundesgebiet die Situation der Schulen genau sehen, erfahren Sie auszugsweise im Folgenden.

Planbarkeit, Arbeitspensum, Entgrenzung
Mit diesem Dreiklang lassen sich die Belastungsfaktoren der Lehrer:innen in Deutschland subsummieren. So gaben 79 Prozent in der Umfrage an, dass sie die fehlende Planbarkeit als starke (39 %) oder sehr starke (40 %) Belastung empfinden. Drei Viertel (74 %) empfinden durch erhöhte Aufgabendichte, komplexere Aufgaben oder fehlende Routinen eine erhöhte Arbeitslast. Hier hinein spielt auch die zunehmende Entgrenzung von Arbeit und Freizeit, die 66 Prozent der befragten Lehrkräfte bei sich sehen. Lehrer:innen an Förderschulen vermissen zudem überdurchschnittlich häufig Unterstützung bei der Organisation und Gestaltung von Hybrid- und Fernunterricht.

Ansteckungssorge
Wesentlich bestimmt wird das Erleben des schulischen Alltags auch durch die Sorge vor Ansteckung, und dies in beide Richtungen. 72 Prozent der Befragten fürchten um ihre Gesundheit oder die des Kollegiums bzw. der Schüler:innen. Konkret machen sich 56 Prozent der Lehrkräfte große (36 %) oder sogar sehr große (20 %) Sorgen, sich an ihrer Schule mit dem Corona-Virus anzustecken.
Optimistischer sind die Angaben hinsichtlich der Zusammenarbeit im Kollegium. So berichten zwei Drittel (68 %) der befragten Lehrkräfte, dass nach ihrem Empfinden die Kolleg:innen an den jeweiligen Schulen während der Pandemie weitgehend an einem Strang ziehen.

Verbesserungsbedarf bei der technischen Ausstattung
Bei bei der Debatte um Schule und Unterrichtsgestaltung während der Pandemie war vor allem der Aspekt der technischen Ausstattung steter Begleiter. So sind im Dezember 2020 38 Prozent der befragten Lehrkräfte der Meinung, dass ihre Schule gut oder sehr gut mit digitalen Medien ausgestattet ist bzw. die technischen Voraussetzungen für adäquaten Fernunterricht erfüllt. 61 Prozent der Schulen sind hier den Angaben nach weniger gut (32 %) oder sogar schlecht (29 %) darauf vorbereitet.

Auffallend ist dabei, dass Gymnasien nach Einschätzung der Lehrer:innen häufiger gut bis sehr gut mit digitalen Medien ausgestattet sind als andere Schulformen. So wird an Förder- und Grundschulen die Ausstattung deutlich unterdurchschnittlich gesehen. Lediglich 18 Prozent bezeichnen ihre Schule als (sehr) gut auf den Fernunterricht vorbereitet. Dabei wird die technische Ausstattung nicht nur auf Seiten der Schulen kritisch gesehen, sondern auch die der Schüler:innen zu Hause, die von 80 Prozent der Lehrkräfte als verbesserungswürdig betrachtet wird.

Lücken vermutet
Vielfach diskutiert wurden und werden hinsichtlich der schulischen Situation in der Pandemie auch etwaige Lernrückstände. Dazu befragt, inwiefern die pandemiebedingten Maßnahmen seit März 2020 zu messbaren Lernrückständen bei den Kindern und Jugendlichen geführt haben, meinen 27 Prozent der Lehrkräfte dass mehr als die Hälfte der Schüler:innen messbare Lernrückstände aufweist. 29 Prozent gehen davon aus, dass weniger als die Hälfte der Schüler Lernrückstände aufweisen. 21 Prozent glauben, dass dies nur sehr wenige Schüler betrifft.

Wie auch in anderen Bereichen der Umfrage zeigen sich Unterschiede in der Einschätzung zwischen den Schulformen. So sehen 32 Prozent der Lehrkräfte an Gymnasien bei mehr als der Hälfte ihrer Schüler:innen messbare Lernrückstände, wohingegen an Förderschulen 56 Prozent der Lehrer:innen Lernrückstände bei den Kindern und Jugendlichen sehen.

Unterstützung der Schüler:innen als größte Herausforderung
Als eine der größten, vielleicht sogar die größte Herausforderung im Zuge der Pandemie sehen die befragten Lehrkräfte die Unterstützung der Schüler:innen. 86 Prozent schätzen als es eine mittlere bis große Herausforderung ein, die Schülerinnen und Schüler (emotional) zu unterstützen, zu motivieren und ihnen individualisiert Rückmeldungen zu geben. Damit einher geht auch die Anpassung an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der einzelnen Schüler:innen. 83 Prozent der Lehrkräfte haben Schwierigkeiten damit, Schüler:innen individualisierte Arbeitsaufträge bereitzustellen, während 73 Prozent es generell schwierig finden, die Kinder und Jugendlichen zu erreichen. Insbesondere wenn es um die Sicherstellung von Unterstützung für Schüler:innen in Problemlagen geht, spricht die Mehrheit der Lehrkräfte (58 %) von großen Herausforderungen. An dieser Stelle wird auch der besondere Wert von Unterstützungsangeboten wie der Schulsozialarbeit deutlich, die Lehrkräfte gezielt in der Kommunikation mit Schüler:innen und Sorgeberechtigten unterstützen kann.

Die vollständigen Umfrageergebnisse sowie weitere Informationen dazu finden Sie hier. Artikel dazu, wie Schulsozialarbeit den Herausforderungen der Pandemie begegnet, finden Sie in unserer #hingucker-Reihe.