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„Ich hab‘ ja nichts gegen Ausländer, ABER…“

Netzwerkstelle Schulerfolg Mansfeld-Südharz

"Anders" bzw. "ungleich" zu sein, ist eigentlich ganz selbstverständlich, das liegt in der Natur der Menschen. Zähle ich mich jedoch zu einer bestimmten Gruppe und distanziere mich bewusst von anderen sozialen Gruppen, indem ich sie pauschal abwerte oder ablehne, spricht man von "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" (GMF). Es erfolgt eine Kategorisierung in "wir" und "die" - "die Obdachlosen", "die Schwulen", "die Muslime". In diesem Moment wird ein "ungleich" zu einem "ungleichwertig". Den betroffenen Menschen wird nicht selten die Schuld der eigenen Unzufriedenheit zugeschrieben, man sieht sich von ihnen bedroht.

Das Thema der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit ist in Politik, im Alltag und somit auch in den Schulen leider sehr aktuell. Es begegnet Lehrerinnen und Lehrern sowie Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern auf ganz unterschiedliche Weise - z. B. durch das Schmieren von Symbolen an Wände oder durch offene Äußerungen von Schülerinnen und Schülern aber auch Erwachsenen. Häufig bleibt dann die Ungewissheit "Was soll ich tun? Wie reagiere ich richtig?".

Das Team der Netzwerkstelle für Schulerfolg im Landkreis Mansfeld-Südharz organisierte und finanzierte daher im Rahmen des ESF- und Landesprogramms Schulerfolg sichern eine Fortbildung, um mehr Handlungssicherheit in dieses Thema zu bringen. Am 30.08.2017 fanden sich interessierte Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter sowie weitere Partnerinnen und Partner in der Netzwerkstelle für Schulerfolg im Landkreis Mansfeld-Südharz zusammen.

Die Veranstaltung wurde von dem Schulsozialarbeiter Hr. Schönfelder mit einleitenden Worten zu Begriffen, der Entstehung von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und der Situation im Landkreis Mansfeld-Südharz begonnen. Dieser theoretische Input diente den beiden Referenten des Landesfilmdienstes Sachsen für Jugend- und Erwachsenenbildung e.V. als Grundlage für ein Argumentationstraining.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten aktuelle Fälle oder Sorgen in die Runde einbringen und mit den Referenten eine Strategie ausarbeiten, wie man möglichst richtig in einer solchen Situation reagiert. Fragen wie "Kann ich entsprechende politische Positionen der Schülerinnen und Schüler innerhalb der Schule zulassen? Wann und wie muss ich eingreifen?" oder "Wie ernst sollte ich Schmierereien von Schülerinnen und Schülern an Grundschulen nehmen?" konnten in dieser Runde beantwortet werden. Als Grundsatz für ein tolerantes Miteinander kann Schülerinnen und Schülern vermittelt werden, sich mehr darauf zu konzentrieren, wo die Gemeinsamkeiten zwischen Menschen liegen, anstatt andere aufgrund von Unterschieden abzuwerten.

Die Resonanz der Fortbildung war positiv, daher ist eine Fortsetzung angedacht. Mögliche Themen einer zweiten Veranstaltung könnten beispielsweise "Stammtischparolen" sein.

 

Text: Emily Reimann / Netzwerkstelle Mansfeld-Südharz