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Schulerfolg sichern bei internationaler Konferenz zu Strategien gegen Schulabbrüche

Konferenz

Was tun gegen drohende Schulabbrüche? Diese Frage diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen einer international vergleichenden Konferenz des conseil national d’evaluation du système scolaire (cnesco) am 9. und 10. November in Frankreich. Aufgrund des ganzheitlichen und präventiven Ansatzes und der regionalen Vernetzung und Koordinierung von Schulerfolg sichern war die landesweite Koordinierungsstelle eingeladen, das Programm vorzustellen.

Eröffnet wurde die Konferenz mit Interviews von betroffenen Schülerinnen und Schülern. Sie schilderten, wie es dazu kam, dass sie die Schule ohne Abschluss verlassen haben. Dabei wurde deutlich, wie vielschichtig und individuell die Ursachen für Schulabbrüche sind: Bei einigen Jugendlichen spielte die empfundene Sinn- und Perspektivlosigkeit eine Rolle, anderen fehlte es an positiven Beziehungen zu den Lehrerinnen und Lehrern. Häufig litten sie unter Gewalt und Mobbing oder fühlten sich isoliert bzw. einsam an ihrer Schule. Einigen fiel es schwer, einen Zusammenhang zwischen den Lerninhalten und ihren eigenen Lebenswelten herzustellen.

Die zweitägige Konferenz ging auch auf die volkswirtschaftlichen Konsequenzen von Schulabbrüchen ein. Die Zusammenhänge zwischen Schulerfolg, Chancen auf dem Arbeitsmarkt, lebenslangem Einkommen und staatlichen Steuereinnahmen wurden deutlich. Zudem wurden die Mehrausgaben in den Bereichen Gesundheit, soziale Sicherung und Kriminalitätsbekämpfung am Beispiel Estland dargestellt. Der irische Beitrag betonte die Notwendigkeit, stärker auf die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse von jungen Menschen zu achten. Ausreichend Schlaf, physische, ökonomische und psychische Sicherheit, eine gesunde Ernährung und emotionale Stabilität seien für viele junge Menschen nicht selbstverständlich - aber eine Grundvoraussetzung, um erfolgreich lernen zu können. Hervorgehoben wurde auch die Bedeutung eines guten Schulklimas. Die Qualität der Beziehung zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern sei ein entscheidender Faktor für den Schulerfolg. Nachgewiesen ist auch, dass soziales und emotionales Lernen zur Vermeidung von Schulabbrüchen förderlich sei, weshalb einige Teilnehmende die Verankerung im Curriculum forderten.

Insgesamt herrschte unter den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Frankreich, Irland, England, Estland, Belgien, Italien, Spanien, Finnland, Kanada, Deutschland und den Niederlanden Einigkeit, dass es ganzheitliche und systemische Ansätze brauche, um allen Kindern und Jugendlichen zu einem Schulabschluss zu verhelfen. Angesichts der komplexen und individuellen Ursachen für Schulabbrüche seien zudem multidisziplinäre Teams nötig, um über vielfältige Handlungskompetenzen zu verfügen. Kinder und Jugendliche brauchen individuelle Unterstützung und tagtägliche Ermutigung sowie ein Schul- und Klassenklima ohne Mobbing und Gewalt, in dem sie sich wohl- und angenommen fühlen. Gleichzeitig sollten sie in der Schul- und Unterrichtsgestaltung gehört und beteiligt werden.

Schulerfolg sichern setzt an diesen Punkten an: Aufbau und Stärkung von multiprofessionellen Teams, vielfältige Angebote zur individuellen Förderung, soziales Lernen sowie eine gute sozialräumliche Vernetzung und Koordinierung.

Was die einzelnen Beteiligten - Politik und Verwaltung, Netzwerke und Kommunen, Einzelschulen, die Kinder- und Jugendhilfe und Eltern - in ihrer jeweiligen Rolle und Funktion leisten können, um Schulabsentismus und -abbrüchen in Sachsen-Anhalt vorzubeugen, fasst die Broschüre Unser Ziel: Ein Schulabschluss zusammen. Diese können Sie auf unserem Programmportal herunterladen oder per E-Mail in gedruckter Form anfordern.