Die Netzwerkstelle für Schulerfolg erhielt Rückmeldungen von Lehrkräften und Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern über die starke Präsenz von AD(H)S an Schule. Daher organisierte sie eine zweiteilige Fortbildung zum Thema „AD(H)S in der Schule“, zu der Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter in Kombination mit einer Lehrkraft der jeweiligen Schule eingeladen wurden. Zu vergeben waren 10 Tandemplätze, die aufgrund der sehr hohen Nachfrage schnell belegt waren. Die erste Veranstaltung stellte ein Grundverständnis über das Störungsbild her und brachte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einen einheitlichen Wissensstand. Darauf aufbauende Hinweise und Anleitungen bilden den Schwerpunkt des zweiten Teils der Fortbildung.
Die Netzwerkstelle für Schulerfolg wählte als Referentin für die Veranstaltungen Frau Doris Morszeck-Groten, die freiberuflich in der Erwachsenenbildung tätig ist und sich auf die Stärkung der Erziehungskompetenz mit Schwerpunkt ADS spezialisiert hat. „ADS bedeutet nicht, dass Kinder zuhause nie Aufmerksamkeit bekommen – und es heißt auch nicht, dass sie dieses Verhalten zeigen, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken“, so Frau Morszeck-Groten zu Beginn der Fortbildung.
Im weiteren Verlauf beleuchtete die Referentin Hauptmerkmale der Symptomatik und gab Tipps, wie in der Schule darauf eingegangen werden kann. Beispielsweise haben Kinder mit ADS ein deutliches Gespür dafür, mit welchen Menschen sie sich arrangieren können und mit welchen nicht. Wird eine Lehrerin oder ein Lehrer von einem betroffenen Kind nicht akzeptiert, wird sich die Zusammenarbeit als sehr schwierig gestalten. Zudem reagieren Kinder mit einer ADS empfindlich auf Gerüche, Geräusche und Berührungen. Sie können beispielsweise die Stimme einer Lehrkraft als so unangenehm empfinden und sich immer weiter hineinsteigern, bis sie es kaum mehr aushalten. Zwar können sich Kinder mit ADS grundsätzlich konzentrieren, allerdings nur auf das, was sie interessiert, so die Referentin. Außerdem seien sie dauerhaft auf der Suche nach neuen, stärkeren Reizen. Für die Schule bedeutet das, dass eine Lehrkraft ständig neue Reize schaffen müsse. Weitere Merkmale verglich Frau Morszeck-Groten mit der Geschichte vom „Struwwelpeter“ und verdeutlichte, dass ADS keine Modeerscheinung sei.
Die Referentin gab den Lehrkräften sowie Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern den Hinweis, auf Gespräche zu achten, die sie mit ADS-Kindern führen. Um zu gewährleisten, dass alle wichtigen Informationen weitergegeben werden, muss die Sprache kurz und knapp, präzise und ruhig sein. An einem Beispielsatz erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Sicht eines betroffenen Kindes die geeignetere Formulierung: „Geh mal bitte in das Sekretariat und hole das Klassenbuch. Ich habe es heute Morgen vergessen.“ – zusammenfassend nimmt ein Kind mit einer ADS die Information mit, dass es raus gehen soll, denn für das Kind ist nur wichtig, was interessant ist. Der Rest der Aussage geht verloren. Besser wäre in diesem Fall: „Hol bitte das Klassenbuch. Jetzt.“ –so wird ein klarer Reiz gesetzt und das Kind weiß, was es tun soll. Frau Morszeck-Groten veranschaulichte dies, indem sie die Sprache mit einem Navigationsgerät verglich. Dieses beschränkt sich auch ausschließlich auf die notwendigen Informationen und vermittelt diese kurz und präzise.
Kinder mit ADS bräuchten Automatismen, die durch das ständige Wiederholen von Informationen oder Vorgängen entstehen. Durch diese Struktur entstehe eine gewisse Sicherheit für die Kinder und steigere letztendlich ihr Selbstbewusstsein. Dies als Grundlage für jegliche Zusammenarbeit zu nehmen, könne den Schulalltag stark entlasten. Allgemein sollte das oberste Ziel sein, den Selbstwert zu bewahren, indem die Kinder nicht beschuldigt oder vorschnell in neue Situationen geschickt werden. ADS-Kindern hilft es, Neues vorher zu besprechen und sie bis ins Detail darauf vorzubereiten. Nicht nur ihnen hilft diese Umgangsweise: „Das was dem Schwachen hilft, vervollkommnet den Starken.“ (Maria Montessori). Frau Morszeck-Groten bat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darum, bis zur nächsten Veranstaltung über die Kinder nachzudenken, die die größte Herausforderung darstellen. Welche positiven Eigenschaften haben sie? Welche Spezialkenntnisse besitzen sie? Wofür interessieren sie sich besonders? Sind die Leistungsinseln bekannt, können Begabungen gefördert werden und das Kind erkennt: „Ich kann was.“
Zusammenfassend definierte Frau Morszeck-Groten ADS als eine „genetisch bedingte, hirntechnische Störung der Informationsaufnahme, Informationsbearbeitung und Informationsweiterleitung mit den Hauptmerkmalen Unaufmerksamkeit, Impulssteuerstörung und Motorik in allen Lebensbereichen“.
Organisiert und finanziert hat die Veranstaltung das Team der Netzwerkstelle für Schulerfolg im Landkreis Mansfeld-Südharz im Rahmen des ESF- und Landes-Programms Schulerfolg sichern.
