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Bericht zum Fachtag „Demokratiebildung an Schulen“

Handlungsfelder der Schulsozialarbeit
#Partizipation #Schulentwicklung #Kooperationen
Leitziele der Koordinierungsstelle
Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe

Rückblick auf den Fachtag „Demokratiebildung an Schulen“ am 13. Mai in Magdeburg 2026

Schule ist mehr als nur ein Ort der Wissensvermittlung. Sie bietet jungen Menschen jeden Tag Räume und Gelegenheiten, demokratische Werte zu erfahren, Verantwortung zu übernehmen und das Miteinander zu gestalten. Demokratiebildung ist deshalb ein zentraler Auftrag von Schule. Bei diesem Auftrag wollte die AG Demokratie – ein Zusammenschluss von regionalen Netzwerkstellen für Schulerfolg und der landesweiten Koordinierungsstelle im ESF+-Programm „Schulerfolg sichern“ – unterstützen und lud deswegen zu einer Fachveranstaltung nach Magdeburg ein.

Der Fachtag „Demokratiebildung an Schulen – Politische Sozialisation und Demokratieförderung bei jungen Menschen im Kontext Schule“ hatte zum Ziel, Fachkräfte aus Schule und Jugendhilfe darin zu bestärken, Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe im pädagogischen Alltag zu verankern und junge Menschen in demokratischen Lernprozessen professionell zu begleiten und zu beteiligen. 

Über 130 Akteurinnen – aus Schule, Jugendhilfe, Kommune und Politik aus ganz Sachsen-Anhalt kamen am 13. Mai 2026 in der IHK Magdeburg zusammen, um sich über Ursachen demokratiefeindlicher Haltungen, Lösungsstrategien und Hilfsangebote zu informieren. Darunter waren Schulsozialarbeitende, Lehrkräfte und Schulleitungen, Vertreter:innen der Landespolitik, darunter auch bildungspolitische Sprecher:innen der demokratischen Parteien. Den Blick dabei stets auch auf die Vorstellungen und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen gerichtet, ging es gleichsam um die Entstehung neuer Ideen sowie die Förderung von Kooperationen.

Demokratiebildung als Fundament schulischer Bildung
Im März 2025 veröffentlichte das Ministerium für Bildung die zweite Auflage der „Handreichung zur Demokratiebildung in der Schule“, um Demokratiebildung als zentrale und verbindliche Aufgabe schulischer Bildungsarbeit in Sachsen-Anhalt zu stärken. Dieses Ziel wurde vonseiten des Ministeriums für Bildung in diesem Jahr mit dem Erlass zu politischer Bildung und Rechtssicherheit für Schulen bekräftigt. Staatssekretär Böhm unterstrich in seinem Grußwort auf dem Fachtag: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt davon, dass Menschen sie erfahren, verstehen, mitgestalten und auch kritisch hinterfragen können. Schulen und außerschulische Lernorte sind dabei zentrale Erfahrungsräume, in denen junge Menschen Demokratie nicht nur theoretisch kennenlernen, sondern praktisch erleben. Es werden Haltungen geprägt, Beteiligung eingeübt und Konflikte ausgehandelt. Demokratiebildung ist Querschnittsaufgabe im pädagogischen Alltag. Demokratiebildung bedeutet auch, stereotype oder defizitorientierte Perspektiven zu hinterfragen und junge Menschen ernsthaft an Entscheidungen zu beteiligen, die ihren Lebens- und Lernalltag betreffen.“

Ausgehend davon vermittelte der Fachtag mit Fachvorträgen und Workshops Hintergrundwissen und Handlungssicherheit für Fachkräfte aus Schule und Jugendhilfe. Der am Veranstaltungstag kurzfristig verhinderte Dr. Frank Greuel vom Deutschen Jugendinstitut ordnete in einem spontan bereitgestellten Videovortrag ein, warum antidemokratische, rassistische und rechtsextreme Haltungen unter Jugendlichen so präsent sind. Ein Aspekt sei, dass junge Menschen häufig das Gefühl hätten, von Politik nicht gesehen zu werden. Ihre Perspektiven auf gesamtgesellschaftliche Fragen wie Wehrpflicht oder die Zukunft des Rentensystems würden kaum systematisch einbezogen, obwohl sie selbst betroffen seien. Populistische und extremistische Parteien knüpften hier an und stellten Demokratie als solches in Frage.

Wie kann Demokratieförderung an Schule gut gelingen?
Mit dieser Frage setzte sich Marcel Müller, Schulsozialarbeiter an der Wartbergschule Niederndodeleben, in einem weiteren Vortrag auseinander. So sei Demokratiebildung nicht nur zentraler Auftrag von Schule und in schulrechtlichen Vorgaben sowie Lehrplänen aller Schulformen verankert, sondern sie durchziehe den gesamten Schulalltag – in Unterrichtssituationen, im Klassenleben, in schulischen Gremien, in Arbeitsgemeinschaften sowie in gemeinsamen Projekten und Aktivitäten. Das bedeute aber auch, dass es besonderer Sensibilität der Fachkräfte an Schule bedarf, um Kindern und Jugendlichen Räume zu eröffnen, in denen sie demokratische Werte erfahren, Mitbestimmung erleben und Verantwortung übernehmen könnten. Jede Stunde. Jeden Tag. Das müsse die Prämisse sein, um Schülerinnen und Schüler zu mündigen und handlungsfähigen Bürger:innen heranwachsen zu lassen.

Was es dazu braucht? Die Förderung politischer Urteilsfähigkeit, die Stärkung eines respektvollen und wertschätzenden Miteinanders sowie die nachhaltige Ermöglichung von Partizipation. Und Bindung. Denn, so der Schluss von Marcel Müller: „Keine Bildung ohne Bindung.“

Fachgespräch in der Fish-Bowl
Diese und andere Aspekte wurden in einer Fachdiskussion zwischen Wissenschaft, Schule und Politik reflektiert. Das Besondere hierbei: im Gegensatz zu regulären Podiumsdiskussionen konnten auch die Teilnehmenden direkt in die Diskussionen einsteigen, statt nur Impulse durch Fragen zu geben. Dadurch entstand ein reger Austausch, in dem Fragen zur Demokratiebildung nicht nur aus verschiedenen Perspektiven, sondern durchaus auch gegensätzlich zu bestehenden Vorstellungen erörtert wurden. So stellte ein Teilnehmer der Runde die Frage, wie wirksam Workshops oder Eintagesveranstaltungen in Schulen seien, die die Schüler:innen über Demokratie oder Rassismus aufklären wollen – und konstatierte, dass Dialog und Beziehungsarbeit weitaus wichtiger seien. 

Es braucht also kontinuierliche Arbeit am und für das demokratische Miteinander. Ein Schulleiter unterstrich in der Diskussion: „Demokratie ist etwas, das man jeden Tag verteidigen muss.“ Damit stand die Diskussion sinnbildlich für das, was Demokratie im Kern ist: vielfältig, streitbar, offen, konsens- und kompromissorientiert.

Demokratiework
Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie ist Ergebnis fortwährender gemeinschaftlicher Arbeit. Damit Schule aber demokratisch bleibt, braucht es Handlungswissen und Handlungssicherheit. Diese sollten in der zweiten Hälfte in vier Workshops vermittelt werden. Neben Inhalten zur pädagogischen Haltung im Schulalltag oder Strategien gegen rechtsradikale Tendenzen und diskriminierendes Verhalten im Schulalltag wurden auch ein Kreativworkshop und ein thematisch offener Workshop angeboten, um gemeinschaftliche Bildungsarbeit sprichwörtlich zu gestalten. Einblicke und Ideen in die Möglichkeiten sowie Netzwerke von Demokratiebildung konnten die Teilnehmenden zudem auf dem Markt der Möglichkeiten sammeln. Hier stand ein Dutzend Organisationen und Gremien – darunter die Landeszentrale für politische Bildung und der Jugendkreistag Börde – mit offenem Ohr bereit, über Angebote zu informieren und Schulen zur Zusammenarbeit einzuladen.

Im Ganzen ein Erfolg, wie Peter Hamann, Sprecher der AG Demokratie, betonte: „Wir haben so viel positive Resonanz auf den Fachtag erhalten, sowohl in den Gesprächen hier vor Ort, als auch durch die hohe Nachfrage. Das ist ein tolles Signal! In Sachsen-Anhalt sind so viele engagierte Fachkräfte in den Schulen und außerschulisch tätig. So viele, die sich jeden Tag für ein demokratisches Miteinander einsetzen. Der Fachtag war ein wichtiger Impuls, sich daran zu erinnern und gegenseitig zu stärken.“

Hinweis: Unter „Downloads“ können Sie den Bericht auch als PDF mit Fotos der Veranstaltung herunterladen.