Schulsozialarbeit – deren Wirkungen und Leistungen in den Blick nehmen, ins Gespräch kommen, Brücken bauen, das Verständnis für die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen vergrößern – so lässt sich der Fachdialog „Blickpunkt: Schulsozialarbeit“ am 28.10.2025 in Magdeburg beschreiben. Auf Einladung der landesweiten Koordinierungsstelle Schulerfolg sichern kamen Politik, Fachkräfte der Schulsozialarbeit und Schulleitungen zusammen, um im Dialog auf aktuelle Herausforderungen in Schule zu schauen und über die multiprofessionelle Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe zu diskutieren.
Warum braucht es Schulsozialarbeit?
In der politischen Verhandlung von Schulsozialarbeit wird diese Frage immer wieder gestellt. Antwort darauf gab der Kurzimpuls der Koordinierungsstelle „17 Jahre Schulerfolg sichern“, der u.a. die Bedeutung und die Wirkungen der Schulsozialarbeit aufzeigte. Schulsozialarbeit, als etabliertes Angebot der Jugendhilfe am Ort Schule, ist vor dem Hintergrund wachsender sozialer Herausforderungen notwendig, um Kinder – unabhängig von ihrer Herkunft – bestmöglich in ihrer Entwicklung zu fördern und zu mehr Bildungserfolg beizutragen. Schulsozialarbeit unterstützt Schulen in der Wahrnehmung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags und ist deshalb integraler Bestandteil des schulischen Lebens geworden. Schulsozialarbeitende unterstützen Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte auf ganz verschiedenen Ebenen und mit sehr vielfältigen Angeboten und Leistungen.
40 Prozent der Schulen, die über Schulsozialarbeit im Rahmen von „Schulerfolg sichern“ verfügen, sind Grundschulen. Ihre zentrale Aufgabe ist es, die Identität- und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern umfassend zu stärken und Entwicklungsherausforderungen frühzeitig zu erkennen und zu diesen begegnen, um Bildungsbenachteiligungen abzubauen. Schulsozialarbeit ist aber auch für weiterführende Schulen elementar. Um Schüler:innen in herausfordernden Lebenssituationen zu unterstützen. Um Perspektiven zu öffnen. Um Bildungserfolge zu ermöglichen. Schulsozialarbeit wirkt: So nehmen etwa individuelle Bildungserfolge von Schüler:innen zu, Fehlzeiten verringern sich, das Schul- und Klassenklima verbessert sich, Lehrkräfte werden entlastet und Eltern besser erreicht. Das zeigen die wissenschaftliche Begleitung und Evaluationen im Rahmen des Programms „Schulerfolg sichern“. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die anschließenden fachlichen Tischgespräche im Rahmen der Veranstaltung.
Einblicke ermöglichen, Perspektiven teilen
Nachhaltige Lösungen können nur durch persönliche Begegnung, Dialog und das Teilen verschiedener Perspektiven entstehen. In den Tischgesprächen kamen deshalb jeweils an einem Tisch 15 Tandems aus Schulleitung und Schulsozialarbeit verschiedener Schulformen mit jeweils einer Vertreterin bzw. einem Vertreter der Landes- und Kommunalpolitik – insgesamt waren es 30 Politiker:innen – zum Austausch zusammen. Über die Herausforderungen, die Schulen vor Ort bewegen, über die Rolle und die Arbeit von Schulsozialarbeit in und um Schule sowie das Zusammenwirken im multiprofessionellen Team. Praxisbeispiele, Persönliches, Fachliches, kleine und große Geschichten aus dem schulischen Alltag, aber auch Fragen und kritische Analyse. Unmittelbar. Transparent. Ganzheitlich. Das wovon ein Dialog lebt. So ergab sich für alle Beteiligten ein klares Bild der bestehenden Herausforderungen und Rahmenbedingungen, aber ebenso der Potenziale, die durch Schulsozialarbeit entstehen.
Sieben Köpfe. Eine Stimme.
Um diesen wertvollen Austausch bereichert, ging es in den Schlussteil der Veranstaltung, die Podiumsdiskussion. Vertreter:innen aus Kommunen, Schulaufsicht, Schulpsychologie, Grundschulverband, Schulleitungsverband sowie der Landes- und Kommunalpolitik setzten sich aus ihrer fachlichen Expertise heraus mit der Relevanz von Schulsozialarbeit als Angebot der Kinder- und Jugendhilfe auseinander. Und obwohl in den Fachbereichen verschiedenen, waren sich alle einig: Schulsozialarbeit ist wertvoll und unverzichtbar. Für starke Kinder und Jugendliche. Für starke Schulen. So stellte etwa der schulfachliche Referent Dr. Sören Messerschmidt klar: „Schulsozialarbeit ist für mich untrennbarer Bestandteil der täglichen Arbeit an unseren Schulen und ein ganz wichtiger Partner bei der Umsetzung konkreter Schulentwicklungsprojekte.“
Regina-Dolores Stieler-Hinz, Bürgermeisterin und Beigeordnete der Landeshauptstadt Magdeburg schätzt vor allem die ganzheitliche Unterstützung von Kindern und Jugendlichen durch Schulsozialarbeit. Dabei geht es aus ihrer Sicht nicht nur um erfolgreiches Lernen, sondern auch deren ganz persönliche Entwicklung, damit diese „starke und selbstbewusste Zukunftsgestalter werden.“ Schulsozialarbeit ist aber auch wichtiges Bindeglied und Türöffner zwischen Schule und Gemeinwesen. Ohne Schulsozialarbeit würde diese wichtige Tür verschlossen bleiben und jungen Menschen fehlen, wie Antje Springer, Jugendamtsleitung im Saalekreis betonte: „Schulsozialarbeit ist ein wichtiger und unverzichtbarer Partner im Rahmen des gelebten Kinderschutzes, als vertrauensvoller Ansprechpartner im Sozialraum sowie Türöffner für niedrigschwellige Unterstützungsangebote an junge Menschen.“
Gesucht: klare Perspektiven
Nach Stunden intensiven Austausches und vielschichtiger Reflexion wurde im gemeinsamen Resümee deutlich:
- Schule von heute lässt sich nur gemeinsam gestalten: Es braucht das Zusammenspiel verschiedener Kompetenzen und Perspektiven im multiprofessionellen Team, damit Kinder und Jugendliche erfolgreich aufwachsen und Herausforderungen bewältigen können. Schulsozialarbeit mit ihrem sozialpädagogischen Know-how und ihrem ganzheitlichen Blick auf Kinder und Jugendliche ist essenzieller Bestandteil des schulischen Lebens.
- Die Anbindung der Schulsozialarbeit an die Strukturen der Jugendhilfe sichert die fachliche Qualität des Angebots und ist eine notwendige Voraussetzung für deren erfolgreiches Wirken. Diese klare Trennung der Zuständigkeiten ist entscheidend, damit Schulsozialarbeitende ihren pädagogischen Auftrag unter den Prinzipien der Neutralität und Vertraulichkeit bestmöglich erfüllen können. Zudem können komplexe Problemlagen schneller und passgenauer gelöst werden, weil eine enge Vernetzung mit Fachdiensten und anderen Unterstützungsstrukturen der Kinder- und Jugendhilfe besteht.
- Es braucht ein klares Zukunftsbild und eine klare Perspektive für die langfristige Verstetigung der Schulsozialarbeit – und das noch vor der nächsten Landtagswahl. Gefordert sind ein deutliches politisches Bekenntnis, gemeinschaftliches und ressortübergreifendes Handeln sowie lösungsorientierte Gespräche unter Einbindung aller Interessensgruppen, wie eine dauerhafte Finanzierung der Schulsozialarbeit und ihrer unterstützenden Netzwerkstrukturen im Land Sachsen-Anhalt gesichert werden kann.
Und noch etwas wurde deutlich: die allgegenwärtige Bereitschaft, im Dialog zu bleiben und weiter an gemeinschaftlichen und nachhaltigen Bildungskonzepten zu arbeiten. Für alle Kinder und Jugendlichen.