Unter dem Motto „Bildung-Chancen-Gerechtigkeit“ fand am 10. und 11. Oktober der diesjährige Bundeskongress Schulsozialarbeit in Jena statt. Fast 600 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet fanden sich ein und besuchten verschiedenste Austauschformate zu gesellschaftspolitischen Fragen, Konzepten, Handlungsansätzen sowie aktuellen Herausforderungen in der Schulsozialarbeit. Neben den Inputs der 120 Referierenden stand vor allem das Gespräch zwischen den Fachkräften aus Praxis, Verbänden, Verwaltung, Lehre und Forschung im Mittelpunkt.
Großes Programm mit vielen Aspekten
Um gleichermaßen umfassend und spezifisch auf das komplexe Feld der Schulsozialarbeit eingehen zu können, wurden die ca. 100 Vorträge, Workshops und Foren an den Säulen „Bildung“, „Chancen“ und „Gerechtigkeit“ ausgerichtet. Bei „Bildung“ wurden insbesondere Aspekte wie etwa der Beitrag von Schulsozialarbeit für die Bildungsprozesse junger Menschen im thematisiert. „Chancen“ betrachtete den Einfluss von Schulsozialarbeit zur Verbesserung der Startbedingungen von Schülerinnen und Schülern. „Gerechtigkeit“ schließlich setzte sich mit dem Spannungsfeld „soziale Herkunft – Bildungserfolg“ auseinander und der Frage, wie Schulsozialarbeit dazu beiträgt, Benachteiligungen zu erkennen und auszugleichen.
Um Verbindungen zu schaffen und Impulse zu ermöglichen, wurden einerseits den Workshophasen zentrale Vorträge vorgelagert. „Was trägt Schulsozialarbeit zu Gerechtigkeit bei?“, „Schule als Resonanzraum und als Entfremdungszone: Überlegungen zu Schulsozialarbeit“, „Aufgaben der Schulsozialarbeit am Übergang Schule-Beruf: Kernherausforderungen der Jugendphase“ waren dabei nur einige der zahlreichen Themen.
Andererseits wurden durch die Begegnung von Praxis und Wissenschaft, Reizpunkte für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesetzt, indem vielfach aktuelle Praxisprojekte und Forschungsvorhaben der Schulsozialarbeit vorgestellt wurden.
Jenaer Erklärung
Anknüpfend an den fachlichen Austausch aber auch die Diskussion gegenwärtiger Entwicklungen und Herausforderungen für die Schulsozialarbeit im Bundesgebiet ging es am Schlusstag der Veranstaltung auch darum, Zielstellungen und notwendige Rahmenbedingungen zu definieren, die für nachhaltige Schulsozialarbeit unabdingbar sind. Denn vielerorts – so der allgemeine Tenor – ist die fehlende rechtliche und finanzielle Absicherung, die eine qualitativ hochwertige Schulsozialarbeit mit guten Arbeitsbedingungen gewährleistet, zu beklagen. In zu hohem Maße seien Qualität und Professionalität in der Schulsozialarbeit derzeit von einzelnen Fachkräften vor Ort und ihren Trägerinnen und Trägern abhängig.
Daraus folgend wird in der Jenaer Erklärung die Absicherung und systematische Weiterentwicklung gefordert. Um dies zu gewährleisten, sind u.a. die jeweiligen Rollen der Bildungs- und Jugendhilfesysteme für die Schulsozialarbeit zu definieren, Mindeststandards für die Umsetzung von Schulsozialarbeit zu vereinbaren sowie umzusetzen und Schulsozialarbeit rechtlich klar zu verankern.
Damit stehen am Ende sowohl die Jenaer Erklärung als auch der Bundeskongress unter dem Vorzeichen der Veränderung. Positive Entwicklungen sind zu beobachten, um diese jedoch fortzusetzen, bedarf es sowohl der Kooperation aller Beteiligten als auch langfristig ausgerichteter, klarer Strukturen.
Hinweis: Die vollständige Jenaer Erklärung finden Sie hier.
