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Graphic Recording für „Liken. Teilen. Teilhaben.“

Illustration von Kindern, die gemeinsam mit Erwachsen die Arbeit mit verschieden Medien erlernen.

Bild: DKJS/sandruschka

Die zentralen Botschaften der Fachveranstaltung stehen jetzt als Visualisierung zum Download bereit

In einer medial komplexer werdenden Welt bedeutet (sozial)pädagogische Arbeit heute, eigene Medienkompetenzen zu reflektieren und weiterzuentwickeln, um Kinder und Jugendliche bestmöglich unterstützen zu können. Worauf jedoch ist dabei zu achten? Wieviel ist über die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen bekannt und welche Auswirkungen hat sie? Dieser Frage ging der Online-Fachtag „Liken. Teilen. Teilhaben.“, auf den Grund. Unterstützt von der Künstlerin Miriam Tölgyesi wurden dabei die Inhalte der Veranstaltung in einem Graphic Recording verdichtet und neue Perspektiven auf die digitale Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen eröffnet.

Dazu gehört zunächst die Erkenntnis, dass die digitale Welt der Kinder und Jugendlichen für sie vollkommene Normalität ist. Ohne hier konkret zwischen analog und digital zu unterscheiden, sind Smartphones, Apps und digitale Inhalte wichtige Bestandteile ihres Alltags und damit ihres Sozialisationsprozesses. In der digitalen Welt finden Kinder und Jugendliche Vorbilder, entwickeln Interessen und bilden Identitäten aus. Zudem gelingt es ihnen durch Medien unter anderem, neue Formen des Lernens auszuprobieren, sich mit anderen auszutauschen und zu vernetzen, kulturelle Teilhabe zu erlangen oder flexible Zugänge zu Informationen zu erhalten.

Vorbehaltlos und verständnisvoll
Neben den Potenzialen dieser Welt, gehört es aber auch zur digitalen Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen, Risiken ausgesetzt zu sein. Sie kommen in Berührung mit Gewaltdarstellungen, Hetze und Extremismus oder pornografischen Inhalten oder sind selbst betroffen, weil ihre persönlichen Daten missbraucht oder sie Opfer von Cybermobbing werden. Damit dies nicht geschieht, darf das digitale Leben der Kinder und Jugendlichen nicht unbegleitet bleiben. (Sozial)Pädagogische Fachkräfte sind kontinuierlich gefordert, die digitale Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen so gut wie möglich zu kennen und Orientierung zu geben.

Dafür sollten sie eine wertfreie und verständnisvolle Haltung gegenüber der medialen Welt der Kinder und Jugendlichen vermitteln, Vertrauensperson sein und Hilfestellungen leisten, wenn es zu digitalen Notfällen, wie zum Beispiel Beschimpfungen und Angriffen, kommt. Besser noch, wenn diese Notfälle durch präventive Maßnahmen der Aufklärung und Sensibilisierung gezielt durch die Fachkräfte verhindert werden. Das kann beispielsweise durch Projekte, Medienkompetenztrainings oder Austauschformate erfolgen, in denen sich Kinder und Jugendliche gezielt mit Inhalten und Möglichkeiten der digitalen Welt auseinandersetzen. Ziel sollte es sein, Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, selbstbestimmt und verantwortungsbewusst die vielfältigen Potenziale der digitalen Welt auszuschöpfen und Erfahrungen der Selbstwirksamkeit sowie Teilhabe zu erleben. Deshalb können restriktive Maßnahmen wie die eingeschränkte oder gar ausgeschlossene Nutzung von bestimmten Apps oder Plattformen nicht Teil der Lösung sein. Ebenso ist die Betrachtung der Kinder und Jugendlichen als weniger mündig in Bezug auf Risiken oder Konsequenzen eine irrige Annahme.

Was ist eigentlich mit den Erwachsenen?
Alle Erwachsenen – und damit auch Pädagog:innen – leben ihrerseits in einer digitalen Welt, in der Anwendungen und Plattformen variieren mögen. Doch nutzen sie nicht ebenso häufig Social Media? Wissen sie mit Sicherheit, was mit ihren Daten geschieht oder wie ein neues digitales Werkzeug, etwa ChatGPT, funktioniert? Gleichsam wie Kinder und Jugendliche müssen sich auch Pädagog:innen immer wieder neu herantasten, dazulernen. Ein Prozess, in dem sie, wie auch Kinder und Jugendliche, bei null beginnen und mit jedem Schritt Erfahrung wachsen. Das führt einerseits zu einer Veränderung von Rollen – von der ratgebenden zur mitlernenden Person. Andererseits mindert es Distanz, erhöht Erkenntnisgewinne für alle und stärkt das Vertrauen in die eigene Kompetenz – hier die Medienkompetenz. Sie ist für gelingende Bildungsbiografien, aber auch das digitale Wachsen aller, die zentrale Fähigkeit – doch sie bedarf kontinuierlicher Förderung und Aufgeschlossenheit. Sowohl der (sozial)pädagogischen Fachkräfte als auch der Kinder und Jugendlichen.

Wir alle müssen dafür gemeinsam lernen und dabei über unsere bisherige Welt hinauswachsen, um neue Welten zu entdecken. Welten, die unserer womöglich recht ähnlich sehen, in denen wir Gleichgesinnte und Wissen finden, und die uns Schritt für Schritt einen ganzen (digitalen) Kosmos entdecken lassen.