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Handlungsleitfaden zur Demokratiebildung in der Schule

Bild: DKJS/Sandra Bach

Bild: DKJS/Sandra Bach

Herausforderungen, Handlungsoptionen sowie Material für die pädagogische Praxis in Sachsen-Anhalt

 

Demokrat:in zu sein muss gelernt werden. Durch die Demokratiebildung werden Verfassungsprinzipien im Grundgesetz und deren Bedeutung für ein freies und gerechtes Zusammenleben vermittelt. Nur wenn Kinder und Jugendliche ihre Mitgestaltungsmöglichkeiten in Gesellschaft und Politik sowie die Grundrechte kennen, können sie ein selbstbestimmtes Leben in unserer Demokratie führen und solidarisch in der Gesellschaft handeln.

Der Handlungsleitfaden stellt Rahmenbedingungen, Empfehlungen, Herangehensweisen sowie eine Fallsammlung aus der pädagogischen Praxis zur Demokratiebildung in der Schule und im außerschulischen Bereich vor. Darüber hinaus sind dort Links oder Kontakthinweise zu Partner:innen, Netzwerken, aber auch zu Positions- und Grundlagenpapieren der Demokratiebildung aufgeführt. Das Ministerium für Bildung Sachsen-Anhalt entwickelte diesen mit der Landeszentrale für politische Bildung, dem Landesschulamt und dem Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung des Landes Sachsen-Anhalt.

Der Handlungsleitfaden zur Demokratiebildung in der Schule steht hier als PDF zum Download bereit. Im Folgenden finden Sie eine kurze Zusammenfassung.

Beutelsbacher Konsens

  1. Überwältigungsverbot: Im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist es Lehrkräften nicht erlaubt, ihren Schüler:innen ihre Meinung aufzuzwingen und sie somit am Bilden eines selbstständigen Urteils zu hindern.

  2. Kontroversitätsprinzip: Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen und vermittelt werden. Die Grund- und Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Aus dem Prinzip der Kontroversität kann nicht abgeleitet werden, dass rassistische oder andere menschenverachtende Positionen als legitim und gleichberechtigt zu betrachten sind. Hier müssen Lehrkräfte darauf hinwirken und vermitteln, dass diesen Positionen nicht gefolgt wird.

  3. Die/Der Schüler:in muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine/ihre eigene Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen. Die kritische Auseinandersetzung von Schule mit Rassismus, Diskriminierung, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Angriffen auf die demokratische Grundordnung widerspricht nicht dem Neutralitätsgebot, sondern ist eine der zentralen Aufgabe.

Weiterführend: „Demokratie als Ziel, Gegenstand und Praxis historisch-politischer Bildung und Erziehung in der Schule“Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 06.03.2009 i. d. F. vom 11.10.2018 

Demokratiebildung als fächerübergreifendes Prinzip in den Lehrplänen
Gemäß Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 1, sind alle Schulen angehalten, politische Bildung und Demokratieerziehung in den Mittelpunkt des pädagogischen Handelns zu stellen. In den Lehrplänen ist Politische Bildung bzw. Demokratiebildung als fächerübergreifendes und handlungsorientiertes Prinzip demokratischer Schul- und Unterrichtskultur verankert. Darüber hinaus ist Demokratiebildung expliziter Gegenstand des Sozialkundeunterrichts und weiterer Unterrichtsfächer.

Interkulturelle Bildung
Schulen haben unter anderem den Auftrag, die Integration von Schüler:innen mit Migrationshintergrund durch die Vermittlung interkultureller Kompetenzen und wechselseitigen Respekts zu unterstützen und möglichen fremdenfeindlichen Tendenzen entgegen zu treten. Die interkulturelle Bildung und Erziehung ist fest in den Lehrplänen verankert und findet sich in den Schulprogrammen vieler sachsen-anhaltischer Schulen bzw. in den Ganztagsangeboten wieder. Jede Schule im Land soll in ihre Schulkonzepte interkulturelles Lernen als Teil einer schulformübergreifenden Leitlinie für die inhaltliche und methodische Gestaltung der Arbeit aufnehmen. Schule nimmt Vielfalt zugleich als Normalität und als Potenzial für alle wahr, sie trägt zum Erwerb interkultureller Kompetenzen im Unterricht aller Fächer und durch außerunterrichtliche Aktivitäten bei, gestaltet aktiv Bildungs- und Erziehungspartnerschaften mit Eltern und ist zentraler Ort für den Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen. Weiterführend: „Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule“ Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 06.03.2009 i. d. F. vom 11.10.2018  

Netzwerk für Demokratiebildung
Neben der Verankerung in den Lehrplänen findet Demokratiebildung an Schule auch in Kooperation mit externen Partner:innen im Rahmen von Netzwerken, Demokratieprojekten oder Schüler:innenwettbewerben wie „Jugend debattiert“ statt.
Weiterführend: "Schule ohne Rassismus -Schule mit Courage"

Demokratiebildung an außerschulischen Lernorten
Die Erinnerungskultur ist Teil historisch-politischer Bildung und somit auch Gegenstand des schulischen Lernens. Ein wichtiger Partner für Schulen im Bereich der Erinnerungskultur ist die „Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt“. Ihre Gedenkstätten bieten die Möglichkeit, geschichtliche Entwicklungen an authentischen Orten kennenzulernen. Gedenkstättenbesuche werden als Teil der politisch-historischen Bildung und der Erinnerungskultur sowohl im Themenfeld des Nationalsozialismus als auch in der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit explizit im Lehrplan des Faches Geschichte an den weiterführenden Schulen empfohlen. Die Landeszentrale für politische Bildung fördert seit 2019 die Fahrtkosten der Schüler:innen sowie der pädagogischen Begleiter:innen der allgemeinbildenden und der berufsbildenden Schulen als Vollfinanzierung.
Weiterführend:stgs.sachsen-anhalt.de

Fortbildung für Lehrkräfte
Das LISA hält auch für das Schuljahr 2020/2021 ein umfangreiches Fortbildungsangebot für Lehrkräfte an allgemein- und berufsbildenden Schulen zum Thema Demokratiebildung und anderen hierzu in engem inhaltlichem Zusammenhang stehenden Themen, wie bspw. kulturelle und interkulturelle Bildung, bereit. Es wird darüber hinaus erneut Angebote geben, die der Vorbereitung einer Teilnahme an Schüler:innenwettbewerben im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld oder am Wettbewerb im Debattieren dienen.
Weiterführend: lisa.sachsen-anhalt.de