„Zu welcher Uhrzeit kann ich am Besten arbeiten? Wie kann ich mich gut konzentrieren? Wann sollte ich Pause machen?“ Einige Schülerinnen und Schüler, die sich derzeit im Homeschooling befinden, kennen vielleicht diese Fragen. Der Unterricht findet online statt oder die Aufgaben werden digital übermittelt. Der Raum, der sonst Schlaf-, Wohn- oder Esszimmer war, muss nun eine Arbeitsatmosphäre bieten. Was, wenn Motivations- oder Konzentrationsschwierigkeiten auftreten? Wie kann ich mir selbst einen strukturierten Tagesablauf schaffen? Alexander Mittendorf, Schulsozialarbeiter an den Berufsbildenden Schulen „Conrad Tack“ im Jerichower Land, gibt hilfreiche Tipps über seinen Videokanal „Schulsozialarbeit – Aufbaukanal“. Für die Reihe #hingucker stellt uns Alexander Mittendorf seinen beruflichen Alltag in Zeiten von Corona vor und gibt uns Einblick in das Projekt, dass er dort gestartet hat, wo gerade auch viele Jugendlichen sind – auf YouTube.
Herr Mittendorf, wie kam es dazu, dass Sie den YouTube Kanal „Schulsozialarbeit-Aufbaukanal“ ins Leben gerufen haben?
Der YouTube Channel „Schulsozialarbeit – Aufbaukanal“ stellt eine innovative Form der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Partizipation von Schülerinnen und Schülern bei der Bearbeitung von speziellen Themen der Kinder und Jugendlichen dar. Dazu werden über den Kanal Inhalte veröffentlicht, die einerseits als sozialpädagogische Ergänzung der digitalen Unterrichtsangebote über Moodle auf der Schulhomepage dienen und andererseits eine Plattform für Kreativität und Diskussion bieten sollen.
Welche Ziele verfolgen Sie mit den YouTube Videos?
Der Gedanke der digitalen Interaktion und Partizipation von Schülerinnen und Schülern ist eines der Hauptanliegen des Kanals. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Vernetzung (Verfügbarkeit bei der Zielgruppe beträgt 94 Prozent) und aktuellen Notwendigkeit, ist eine Implementierung in den Arbeitsalltag der Schulsozialarbeit unabdingbar. Darüber hinaus sollen den Jugendlichen Inhalte vermittelt werden, damit sie ihren (Schul)Alltag im häuslichen Umfeld strukturierter gestalten können.
Wie sind die Rückmeldungen und das Feedback der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler?
Die wenigen Rückmeldungen fielen durchweg positiv aus. Der Kanal wird überwiegend als innovative Ergänzung der digitalen Unterrichtsangebote über Moodle wahrgenommen.
Was benötigen Schülerinnen und Schüler während der Schulschließungen für Unterstützung?
Die Schülerinnen und Schüler benötigen eine Ansprechperson außerhalb des eigenen Haushalts, für Gespräche über aktuelle Lebensthemen (Umgang mit Stress und Überforderungssituationen) sowie schulische Abläufe (Fristen für Hausarbeiten, Prüfungen).
Wie hat sich ihr Arbeitsalltag durch die Schulschließung verändert?
Meine „Kernarbeitszeit“ für Kontakte mit Lehrkräften, Schülern und Eltern hat sich in den Nachmittagsbereich und frühen Abend verlagert.
Welche Angebote der Schulsozialarbeit finden derzeit statt?
Einzelfallarbeit; Beratung in Krisensituationen; fortlaufende Beziehungspflege; Hilfen im Umgang mit Office – Anwendungen.
Welche Chancen und Grenzen Sehen Sie in der neuen Art und Weise mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu treten?
Den Bekanntheitsgrad der Schulsozialarbeit mit Hilfe des Mediums zu steigern und gleichzeitig den Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit zu bieten, sich anonym über die Arbeitsweise des Schulsozialarbeiters zu informieren und ebenfalls „unerkannt“ mit mir in Kontakt zu treten. Die Grenzen liegen selbstverständlich dort, wo ein „physischer“ Kontakt absolut notwendig ist, um die Jugendlichen über die „Schwelle“ (z.B. des Jugendamtes) zu begleiten und weiterführende Hilfen zu installieren.
Welche Herausforderungen treten in ihrer derzeitigen Arbeit auf? Was wünschen Sie sich für ihre derzeitige Arbeit? (Unterstützung? Rahmenbedingungen?) Zu bestimmten Tageszeiten sind Netzwerkpartnerinnen und -partner (z.B. Bundesagentur für Arbeit) nur eingeschränkt erreichbar, sodass eine Bearbeitung von Eltern- und Schüleranfragen sich über mehrere Stunden hinziehen kann. Die Rahmenbedingungen sind zwar suboptimal (Homeoffice), aber dennoch mit Einschränkungen zu bewerkstelligen.
Haben Sie Tipps oder Empfehlungen für Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern, die ebenfalls Videos für Schülerinnen und Schüler gestalten möchten? Am Anfang sollte ein Gesamtkonzept, mit einer klaren Benennung der Zielgruppe und Zielstellung stehen. Mein Anliegen war und ist es beispielsweise, Schülerinnen und Schülern Orientierungspunkte für die Strukturierung ihres Alltages zu vermitteln. Ausgehend von diesem Gesamtkonzept können dann Themen für Videos recherchiert werden.
Vielen Dank für die Mitwirkung und viel Erfolg für die weitere Arbeit Herr Mittendorf!
Hinweis: Den nächstneuen Hingucker finden Sie hier.
