Alle Schulen sind von der Corona-Pandemie betroffen und jede von ihnen hat in dieser Zeit Wege gefunden, mit den sich stellenden Herausforderungen umzugehen. Obwohl es vielfach Parallelen gibt, sind gerade in und durch Schulsozialarbeit immer wieder auch originäre Vorhaben entstanden, von denen wir in unserem nächsten Teil der #hingucker-Reihe ein weiteres vorstellen wollen. Diesmal geht es an die Berufsbildenden Schulen V für Gesundheit, Körperpflege und Sozialpädagogik Halle (Saale), wo Schulsozialarbeiterin Elina Mania (Jugend- und Familienzentrum Sankt Georgen e.V.) zum Tee einlädt.
Aufgrund der Ausrichtung der berufsbildenden Schule auf Sozialberufe hat sich im Zuge der geltenden Beschränkungen bei zahlreichen Schülerinnen und Schülern eine doppelte Belastung ergeben. Denn während andere Auszubildende in der Schulschließungszeit in ihren Ausbildungsbetrieben waren, konnten die Auszubildenden hier auch nicht in Kitas und Co. arbeiten. Um effektiv gegenzusteuern, bedarf es deshalb der Anpassung hinsichtlich der Kontaktformate und -kanäle. Dabei ist unter anderem auch zu berücksichtigen, dass an Berufsschulen gewisse Unterschiede zu anderen Schulformen bestehen, spielen etwa Sorgeberechtigte aufgrund der Altersstruktur der Auszubildenden eher eine untergeordnete Rolle. Elina Mania erinnert sich: „Während der ersten Wochen der Schulschließung war es sehr still. Pausengespräche fielen weg, das Aufschnappen von Schwierigkeiten schulischer und auch sozialer Art ebenfalls. Ich habe dann über Telefon, E-Mail oder auch Mitschülerinnen und Mitschüler den Kontakt gesucht. Mit bestehenden Kontakten telefoniere ich viel bzw. halte über Messenger den Kontakt. Diese Personen dienen mir auch als Sprachrohr ihrer eigenen Klassen, sodass ich Hilfsangebote gezielt verbreiten konnte.“
Tea time
Eines dieser Unterstützungsangebote ist die virtuelle Teestunde. „Die virtuelle Teestunde entstand aus dem Gedanken heraus, die Schülerinnen und Schüler miteinander zu vernetzen und ihnen einen Ort für den Austausch zu geben, der in der Schule momentan nicht möglich ist.“ Mit einem Link können sich Interessierte über einen kostenlosen Gastzugang in den Besprechungsraum bei Skype einwählen. Das Angebot ist niedrigschwellig. Es bedarf keiner Registrierung, sodass der Aufwand für die Schülerinnen und Schüler gering ist und keine persönlichen Daten erfasst werden. Auch sonst achtet Elina Mania darauf, möglichst viel Freiraum zu lassen. „Die Teilnehmenden entscheiden selbst, in welcher Form sie mitwirken, ob als stille Beobachtende, mit Mikrofon oder Kamera. Die Chatfunktion ermöglicht zusätzlich den Austausch von Informationen und Dateien.“ Elina Mania moderiert die Teestunde, eröffnet freie thematische Gestaltungsmöglichkeiten und stellt sich individuell auf die Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmenden ein.
Format mit Perspektive
In der Praxis zeigt sich die Teestunde als ein Format mit kleineren, aber stabilen Teilnehmendenzahlen. Zudem konnten aus der Teestunde heraus bereits weiterführende Einzelfallberatungen generiert werden. Wer nun annimmt, mit der schrittweisen Aufhebung der Beschränkungen würde die Teestunde wieder anderen Angeboten weichen, irrt. Genau genommen ist das Gegenteil der Fall wie Frau Mania berichtet: „Die Jugendlichen nehmen das Angebot kontinuierlich an. Seit wieder Klassen in der Schule sind, läuft das Angebot zunehmend besser, da aktiv dafür geworben wird. Sowohl die Teilnehmenden als auch die Lehrkräfte loben das Format sehr und sind dankbar über einen fixen Termin in sonst sprunghaften Zeiten.“
Die Teestunde hat also Zukunft, ist mit ihr doch ein Gesprächs- und Beratungsangebot entstanden, das unabhängig von der physischen Anwesenheit in der Schule wahrgenommen werden kann. „Aufgrund der wechselnden Theorie- und Praxisphasen der Auszubildenden lässt sich so die Vernetzung untereinander und zur Schulsozialarbeit leichter gestalten.“, hält Elina Mania fest. Das macht Hoffnung und vielleicht auch ein wenig Lust auf Tee.
Hinweis: Den nächstneuen Hingucker finden Sie hier.
