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Kinderreport 2026

Handlungsfelder der Schulsozialarbeit
#Partizipation #Schulentwicklung
Leitziele der Koordinierungsstelle
Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe

Neue Studie zu Perspektiven auf Bildungschancen und Bildungssystem veröffentlicht

Bildung ist ein hohes Gut – sie stärkt Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit, erleichtert Integration, schafft Arbeitsplätze und Perspektiven, fördert das gesellschaftliche Miteinander, bedeutet Zukunft. Und doch: zwischen dem, was Bildung bedeutet, was wir als Gesellschaft in ihr als Mehrwert sehen, und dem, wie Bildungslandschaften- und Bildungschancen gestaltet werden, liegt eine Kluft. Zu diesem Schluss kommt der Kinderreport 2026, der in diesen Tagen veröffentlicht wurde. Im Ergebnis der Studie, bei der sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene befragt wurden, werden u.a. mehr staatliche Investitionen, Reformen im Bildungssystem, einheitliche Bildungsstandards und -bedingungen sowie eine stärkere Zusammenarbeit der verschiedenen Bildungsinstitutionen wie Kita, Schule oder Jugendarbeit gefordert. Daneben werden verbindliche Lern- und Sprachförderangebote sowie eine flächendeckende Schulsozialarbeit und mehr psychosoziale Beratungsmöglichkeiten erwartet, um insbesondere die Bildungschancen sozial benachteiligter Kinder zu verbessern. 

Klare Einstellungen
Verschiedentlich haben Untersuchungen in den vergangenen Jahren ergeben, dass im deutschen Bildungssystem ungleiche Bildungschancen vorherrschen, insbesondere für Kinder aus sozial benachteiligten Familien. So wurde im Zuge der neuen Studie erfragt, wie wichtig grundlegende Veränderungen seien. Die Erkenntnis: sehr wichtig. 

Um sozial benachteiligten Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen, sind 93 Prozent der befragten Erwachsenen der Meinung, dass es mehr zusätzliches und qualifiziertes Personal an Schulen und Kitas braucht, um pädagogische Fachkräfte von organisatorischen Aufgaben zu entlasten. Ebenso wichtig finden 91 Prozent auch einheitliche Bildungsstandards und -bedingungen. Auch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bildungseinrichtungen wie Kita, Schule oder Jugendarbeit findet große Zustimmung (88 Prozent). Gleichsam sehen 80 Prozent einen verpflichtenden und schnellen Zugang von geflüchteten Kindern zur Schule in Deutschland als wichtig an.

Auch bei den Kindern und Jugendlichen zeigen sich starke Präferenzen. 88 Prozent sind der Auffassung, dass Kitas, Schulen und Schulmaterial für alle Kinder kostenlos sind. 87 Prozent würden gern einheitliche Regeln für alle Schulen sehen, sodass alle Kinder gleiche Chancen haben. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) geben zudem an, dass geflüchtete Kinder schnell in die Schule gehen können sollten. Daneben wünschen sich viele Kinder und Jugendliche (72 Prozent) eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kitas und anderen Angeboten wie beispielsweise Jugendtreffs.

Unterstützungsangebote essenziell
Als wichtige Maßnahme zur direkten Unterstützung sozial benachteiligter Kinder im Schulalltag werden von den Erwachsenen vor allem verbindliche Lern- und Sprachförderangebote (94 Prozent) angesehen. Eine große Mehrheit von 91 Prozent hält auch Unterstützungsangebote für Familien in belasteten Lebenslagen für (sehr) wichtig. 87 Prozent der befragten Erwachsenen sehen gleichsam eine flächendeckende Schulsozialarbeit und psychosoziale Beratung von Schüler:innen als wichtig an.

Ähnlich sehen das auch die Kinder und Jugendlichen. Um sozial benachteiligten Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen, sprechen sie sich in erster Linie für Lern- und Sprachförderangebote aus. Insgesamt 88 Prozent halten das für (sehr) wichtig. Als besonders wichtig erachten die Kinder und Jugendlichen (86 Prozent) auch Unterstützungsangebote für Familien in belasteten Lebenslagen. 81 Prozent würden sich auch mehr Ansprechpersonen in der Schule, beispielsweise in der Schulsozialarbeit, wünschen.

Kinder sind für Teilhabe und Demokratiebildung
Wie wichtig werden eigentlich Demokratiebildung und Partizipation gesehen? Damit Kinder und Jugendliche in Kita und Schule mitbestimmen können und lernen, wie Demokratie funktioniert, sind 94 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen der Ansicht, dass in der Schule gelehrt wird, wie Demokratie funktioniert und wie man fair miteinander umgeht. Nahezu ebenso viele (88 Prozent) sehen Partizipation als Schlüssel. Sie bewerten es als (sehr) wichtig, dass Schüler:innen mitentscheiden können, etwa wenn es um Regeln oder Projekte geht. Etwa zwei Drittel (70 Prozent) der befragten Kinder und Jugendlichen sehen in diesem Zusammenhang schulische Projektarbeit beispielsweise mit Vereinen oder der Nachbarschaft als wichtig an.

Forderungen nach quantitativem und qualitativem Ausbau
In der Erhebung ging es nicht nur um Bestandsaufnahme, denn es wurden zahlreiche Forderungen bzw. Ansätze zur Verbesserung der Lage abgeleitet und formuliert. So wird unter anderem ein bundesweites Ausbauprogramm zur Schaffung von mindestens 400.000 fehlenden Kita-Plätzen für alle Altersgruppen gefordert. Mit Blick auf Schule werden ein dauerhaftes Bund-Länder-Investitionsprogramm auf Basis eines Sondervermögens für Schulbau, Ausstattung und Personal sowie eine fachpolitisch ausgewogene Aufweichung des Kooperationsverbotes im Bildungswesen als notwendig angesehen. Auch der Aufbau multiprofessioneller Teams und flächendeckender Hilfssysteme in der Schule – inklusive Ausbau und Absicherung sozialpädagogischer und schulpsychologischer Dienste – wird mit Nachdruck gefordert. In dem Zusammenhang werden ein Bund-Länder-Sofortprogramm zur Stärkung und Absicherung freier Jugendarbeit als Pflichtaufgabe kommunaler Daseinsvorsorge sowie allgemein die langfristige finanzielle Absicherung von Strukturen und Personal in der freien Jugendarbeit als essenziell eingestuft.

Weitere Hintergründe sowie den gesamten Bericht finden Sie hier.

Hintergrund
Für den Kinderreport 2026 wurden im Januar 2026 im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes von der forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH zwei Erhebungen durchgeführt: Befragt wurden 1.006 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren sowie 1.002 Erwachsene (Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren). Beide Befragungen wurden als Online-Befragung im Rahmen des repräsentativen Online-Panels forsa.omninet durchgeführt. Alle Fragen wurden Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen gleichermaßen gestellt, allerdings wurde den Kindern und Jugendlichen ein Fragebogen mit Formulierungen vorgelegt, die der Altersgruppe angepasst worden waren.