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SINUS-Jugendstudie 2024

Handlungsfelder der Schulsozialarbeit
#goodtoknow

Wie ticken die Jugendliche im Land?

Deutschlands Jugend – problembewusst, besorgt und dennoch optimistisch. Das sind einige der Eindrücke der neuen SINUS-Studie, die alle vier Jahre auf Basis von mehrstündigen Einzelexplorationen die Lebenswelten der 14- bis 17-Jährigen betrachtet. In der aktuellen Studie standen diesmal unter anderem die Themen „Umgang mit politischen Krisen“, „soziale Ungleichheit und Diskriminierung“, „Lernort Schule“, „Social Media“, „Fake News“, aber auch „Sinnsuche“ sowie „Sport und Bewegung“ im Fokus.

Vielzahl der Probleme verstärkt Verunsicherung
Krieg, Energieknappheit, Inflation oder Klimawandel – sind nur einige der aktuellen Herausforderungen und Krisen, die sich teils sogar überlagern und verstärken. Als Folge sind auch die Jugendlichen in ihrem Allgemeinbefinden ernster und besorgter denn je. Die Sorge um Umwelt und Klima, die schon in der Vorgängerstudie 2020 präsent war, wächst in der jungen Generation beispielsweise weiter an. Ebenso verunsichern die schwer einzuschätzende Migrationsdynamik, die Zunahme von Rassismus und Diskriminierung die Teenager beträchtlich. Angesichts dieser gegenwärtigen Entwicklungen ist für viele Jugendliche der Übergang ins Berufs- und Erwachsenenleben mit Ängsten verbunden.

Optimistische Grundhaltung
Trotz der bestehenden Probleme in Politik und Gesellschaft blicken die befragten Jugendlichen eher positiv in die Zukunft. Fast niemand ist unzufrieden mit dem eigenen Alltag – wenngleich nur wenige enthusiastisch sind. Eine Rolle spielt dabei, dass die Befragten ihrem Empfinden nach schon seit Anbeginn mit vielfältigen Krisen leben.
Vielen geht es nach eigener Auskunft gut, weil ihre Grundbedürfnisse gedeckt sind und sie sich sozial gut eingebunden fühlen. Die Autor:innen der Studie sehen hierdurch das Klischee der verwöhnten Jugend widerlegt. Vielmehr sei das Weltbild der Jugendlichen von Realismus und Bodenhaftung geprägt, was sich auch an den angestrebten Lebensentwürfen ablesen lasse.

Irgendwie normal
Viele Befragte sehnen sich nach Zugehörigkeit, Halt und Geborgenheit, sehen Familie als sehr wichtig an. Dieses als „Regrounding“ bekannte Phänomen, ist nach wie vor ein starker Trend. Mehr noch: der Aspekt des Bewahrenden und Nachhaltigen hat für viele Jugendliche an Bedeutung gewonnen. In der Studie werden daneben ein Rückgang von Hedonismus sowie der Bedeutungsverlust jugendsubkultureller Stilisierungen konstatiert. Vermehrt zeige sich das im Streben nach einer „Normalbiografie“ und in der Renaissance klassischer Tugenden. Viele Jugendliche möchten einen Platz in der Mitte der Gesellschaft finden, wünschen sich glückliche und feste Partnerschaften sowie ausreichend finanzielle Möglichkeiten für ein sorgenfreies Leben.

Sensibel für Diskriminierung und Ungleichheiten
Die gegenwärtigen politischen Krisen wie Krieg oder Inflation werden von den Jugendlichen wahrgenommen. Stärker beschäftigen sie allerdings Probleme wie Klimawandel und Diskriminierung, die für viele zum Alltag gehört, insbesondere in der Schule. Unabhängig von Schultyp und Herkunft haben die meisten Jugendlichen Diskriminierung schon selbst erlebt oder im unmittelbaren Umfeld beobachtet. Darüber hinaus sehen viele Jugendliche Schule nicht als Ort der Mitbestimmung. Einige Befragte kritisieren die Ungleichheit von Bildungschancen, finden, dass vor allem die soziale Lage über den Bildungserfolg mitentscheidet und sehen besonders migrantische Familien im Nachteil.

Bewusstsein stark, Engagement schwächer
Obgleich das Bewusstsein für soziale Ungleichheit bei den Jugendlichen ausgeprägt ist, ist das Interesse im Sinne von Engagement zur Änderung nicht besonders stark. Gleiches gilt für Politik. Zwar nehmen die Jugendlichen politische Themen wahr, fühlen sich aber außer bei Klimakrise und Diskriminierung selten persönlich betroffen. Krisen aktivieren einen Teil der Jugendlichen, wenn auch nur kurzfristig (z.B. Gespräche mit Vertrauten, Informationsrecherche) und führen kaum zu langfristigem politischem Engagement. Grundsätzlich zeigt sich, dass die Mehrzahl der Jugendlichen mitreden und gehört werden möchte, die Chancen auf nachhaltige Mitbestimmung und Mitgestaltung aber kontrovers gesehen werden. Als größte Hürde dabei sieht die junge Generation „die Erwachsenen“, von denen sich viele Jugendliche nicht ernstgenommen und respektiert fühlen.

Hintergrund
Die vorliegende Studie beschreibt nicht nur verschiedenste Aspekte der jugendlichen Alltags- und Lebenswirklichkeit (Schule, Gesundheit, Sport, Politik etc.). Diese werden zusätzlich mittels einer Vielzahl persönlicher Zeugnisse der Jugendlichen illustriert. Das SINUS-Institut greift hierfür auf ein breites methodisches Spektrum zurück: Neben Analysen der explorativen Interviews enthält der Forschungsbericht auch zahlreiche Bilddokumente wie Skizzen, Fotos und Collagen sowie O-Töne der befragten Jugendlichen. Diese sollen authentische Einblicke in die jungen Lebenswelten geben.

Insgesamt wurden 72 qualitative Fallstudien mit Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte deutschlandweit von Anfang Juni bis Ende September 2023.

Weitere Informationen sowie die Studie zum Download finden Sie hier.