Wie ist es eigentlich um die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen im Land bestellt und wie bewerten junge Menschen ihre Chancen auf Teilhabe? Auskunft darüber gibt der „Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche“, der jüngst erschienen ist. Für die Studie wurden umfangreiche Daten auf Ebene der 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland analysiert, etwa der Anteil von Armut betroffener Kinder und Jugendlicher oder von Schulabgänger:innen ohne ersten Schulabschluss. Aber auch andere Aspekte wie Lebenserwartung oder die Erreichbarkeit von Grundschulen und Kinderarztpraxen wurden in der Studie untersucht. Neben reiner Statistik sollten Interviews vor Ort ein genaues Bild ermöglichen. Und dieses Bild zeigt Deutschland als einen Ort ungleicher Möglichkeiten.
Erhebliche Unterschiede
Claudia Härterich vom Berlin-Institut, das wesentlich an der Studie beteiligt war, sieht gravierende Unterschiede: „In einzelnen Regionen verlassen rund 15 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss, in anderen sind es nur drei Prozent.“ Daneben konstatiert die Studie auch große Differenzen bei der Kinderarmut. So wachsen in einzelnen Gegenden des Ruhrgebiets 20 bis 30 Prozent der Kinder in Armut auf, während in den wirtschaftlich starken, ländlichen Regionen Süddeutschlands ihr Anteil unter vier Prozent liegt.
Komplexe Gemengelage
Eingeschränkte Teilhabemöglichkeiten treten selten isoliert auf, so zeigt sich etwa in Regionen mit hoher Kinderarmut, dass oft auch der Anteil der Schulabgänger:innen ohne ersten Schulabschluss sowie die Jugendarbeitslosigkeit überdurchschnittlich hoch sind. Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass zur Besserung dieser Situation auf mehreren Ebenen gedacht und gehandelt werden muss. So sieht das Forschungsteam etwa gezielte Investitionen in die Qualität von Schulen, in außerschulische Bildungsangebote sowie bessere Unterstützung von Kindern und Jugendlichen als nötig an, um Abhilfe zu schaffen.
Zahlen verraten nicht alles – was Kinder und Jugendliche wollen
Um die Lebensumstände von Kindern und Jugendlichen noch konkreter abbilden zu können, führten die Forscher:innen gleichsam Gespräche mit 222 jungen Menschen und 39 Fachkräften aus der Kinder- und Jugendarbeit durch. Obwohl an den besuchten Orten unterschiedlich große Teilhabemöglichkeiten bestehen, kristallisierten sich drei Aspekte heraus, die Kindern und Jugendlichen an ihrem Wohnort besonders wichtig sind. Die jungen Menschen hoben in den Befragungen hervor, dass ihnen Mitgestaltungsmöglichkeiten, öffentliche Aufenthaltsorte sowie eigenständige Mobilität besonders wichtig sind, um ihren Interessen und ihrem Alltag bestmöglich nachgehen zu können.
Damit es nicht allein bei Feststellungen bleibt, hat das Forschungsteam im Teilhabeatlas konkrete Handlungsempfehlungen formuliert – insbesondere in den Bereichen Bildung, Freizeit, Selbstbestimmung und Beteiligung. Wie diese aussehen und zu welchen Ergebnissen die Forscher:innen im Detail gekommen sind, können Sie hier nachvollziehen.