Welche Rolle spielt Schulsozialarbeit im Programm „Schulerfolg sichern“? Wie wirksam ist sie? Welche Auswirkungen haben die – im Vergleich zur vorangegangenen Förderperiode veränderten –Förder- und Rahmenbedingungen auf die Umsetzung und Wirkung des Programms? Diese und andere Fragen zu klären, war das Ziel der vertiefenden Evaluierung von „Schulerfolg sichern“, die von Ramboll Management Consulting in Abstimmung mit dem Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt durchgeführt wurde. Basierend auf den Ergebnissen der Evaluierung, die den Förderzeitraum 2022 bis 2024 untersucht, sollten gleichsam auch Perspektiven für die Zukunft der Schulsozialarbeit nach Auslaufen der EU-Förderperiode 2021–2027 reflektiert werden.
Veränderte Finanzierungsbedingungen – Potenziale und Risiken
Der erhöhte Landesanteil und der kommunale Eigenanteil haben „Schulerfolg sichern“ in der Förderperiode 2021– 2027 verändert. Der Bericht kommt zum Schluss, dass die finanzielle kommunale Beteiligung die Zusammenarbeit der Netzwerkstellen und Kommunen vertieft und ebenso den fachlichen Austausch zwischen Jugendhilfe und Schulsozialarbeit fördert. Zudem könne die stärkere Beteiligung von Land und Kommunen einen Baustein für ein langfristig tragfähiges Finanzierungskonzept sein. Ohne Risiko erscheint dies jedoch nicht, könnte die kommunale Kofinanzierung finanzschwache Kommunen womöglich überfordern und weiterhin den Wettbewerb um knappe Jugendhilfemittel verstärken. Daneben wird im Bericht durch die Befristungslogik die Gefahr gesehen, dass qualifizierte Arbeitskräfte abwandern und dadurch Kontinuität, Wirksamkeit und Qualität der Schulsozialarbeit geschwächt werden.
Positionierung und Präzision
Eine allgegenwärtige Frage rund um Schulsozialarbeit ist die nach ihrer Verortung. Hinsichtlich der künftigen Organisation der Schulsozialarbeit wird mehrheitlich die fortgesetzte Anbindung der Schulsozialarbeit an die Kinder- und Jugendhilfe befürwortet. Hierfür werden die fachliche Unabhängigkeit gegenüber der Schule, die Rolle als neutrale Vertrauensperson sowie die Brückenfunktion in Jugendhilfe und Sozialraum als Argumente angeführt. Interessant dabei: Eine stärker schulische Verortung wird jedoch als Alternative attraktiv, wenn sie Kontinuität und langfristige Verankerung sichert. Gleichzeitig gehen aus Sicht der die Befragten mit einem solchen Modell auch potenzielle Unsicherheiten einher. Hier werden die mögliche Vermischung mit schulischen Aufgaben, der Verlust der neutralen Vertrauens- und Brückenbaufunktion sowie die Entkopplung von den fachlichen Strukturen der Jugendhilfe genannt.
Eindeutiger sind die Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Indikatorik. Laut Untersuchung bilden die neuen Outputindikatoren die direkten Förderoutputs treffender ab als der frühere, auf die reine Zahl der Schülerinnen und Schüler abstellende Indikator. Ebenso gelangt die Evaluation zu dem Schluss, dass die Ergebnisindikatoren das Leistungsspektrum und die Inhalte der Schulsozialarbeit besser erfassen. Ein „aber“ bleibt jedoch: die Aussagekraft der Indikatoren hinsichtlich tatsächlicher Wirkungen und ihre Handhabbarkeit im Schulalltag werden als eingeschränkt bewertet.
Rolle und Wirkungen von Schulsozialarbeit
Wenn wir jedoch einmal bei Wirkungen bleiben: welche Schlüsse werden in der Evaluation gezogen? Grundsätzlich wird festgestellt, dass Schulsozialarbeit bei jeder Schulform eine zentrale Rolle spielt. Sie stellt ein einheitliches Unterstützungsspektrum bereit und adressiert vergleichbare Bedürfnisse sämtlicher Schulen. So wirkt Schulsozialarbeit etwa als zuverlässige Vertrauens- und Anlaufstelle für Schülerinnen und Schüler. Sie baut weiterhin Brücken zwischen Schule, Elternhaus und externen Fachstellen. Sie trägt wesentlich zur Entwicklung tragfähiger Netzwerke bei und bietet Lehrkräften sowie Schulleitungen spürbare Entlastung und fachlichen Rückhalt. Daneben stärkt sie u.a. durch individuelle Krisenbegleitung und wirksame Schulabsentismus-Prävention das Klassen- und Schulklima. Darüber hinaus erhöht sie die effektive Lernzeit, bindet Eltern frühzeitig ein, beschleunigt Unterstützungsketten und schafft zentrale Voraussetzungen für ein gesundes, lernförderliches Umfeld, so die Evaluation.
Interessant ist dabei, dass diese Mehrwerte sich laut Untersuchung auch finanziell niederschlagen. So erkennt Schulsozialarbeit Belastungen und abweichendes Verhalten frühzeitig und bahnt passgenaue Hilfen an, wodurch langfristig Sozial-, Gesundheits- und Justizsystem entlastet werden. Gleichzeitig stabilisiert Schulsozialarbeit den Bildungsweg und trägt dadurch auch zu einer Reduktion von Klassenwiederholungen sowie Jugendkriminalität bei. Laut Berechnungen sieht die Evaluation, dass die Folgekosten, die durch eine zusätzliche Fachkraft je 1.000 Schülerinnen und Schüler eingespart werden, die jährlichen Ausgaben für diese Fachkraft um das 1,4- bis 2,2-Fache übersteigen. Es wird konstatiert, dass Schulsozialarbeit sich als kosteneffiziente und wirkungsvolle Investition in die Bildungs- und Sozialstruktur zeigt.
Perspektiven
Mit Blick auf die Ergebnisse, aber auch die Zukunft werden in der Evaluation werden Handlungsempfehlungen für das Programm „Schulerfolg sichern“ und den Umgang mit Schulsozialarbeit gegeben. So wird etwa die Notwendigkeit von Kontinuität unterstrichen. Da Schulsozialarbeit auf dauerhaften Vertrauensverhältnissen basiert, sollten laut Empfehlung die Fachkräfte möglichst langfristig an ihren Schulen verbleiben. Sollte etwa eine Schule aus dem Programm ausscheiden, solle die Schulsozialarbeit nicht unvermittelt enden, sondern in einer gestuften Übergangsphase auslaufen oder durch eine Anschlussfinanzierung des Landes bzw. der Kommune weitergeführt werden, um Brüche zu vermeiden.
Daneben wird eine Prüfung des Berichtswesens angeregt, nach der nur jene Indikatoren erhoben werden sollten, die über die EU-Pflichten hinaus tatsächlich für die interne Steuerung oder Qualitätssicherung genutzt werden, um so letztlich den Dokumentationsaufwand zu senken. Zudem wird neben der Empfehlung, Fachkräfte möglichst langfristig (dauerhaft) zu binden und vorhandene Ressourcen durch multiprofessionelle, rechtskreisübergreifend arbeitende Teams zu bündeln, auch Kontinuität auf anderen Ebenen nahegelegt. So sollten etwa die bewährten Koordinierungs- und Unterstützungsstrukturen von Netzwerkstellen für Schulerfolg und landesweiter Koordinierungsstelle beibehalten werden, um landesweit Qualität, fachlichen Austausch und Abstimmungsprozesse zu gewährleisten.
Den vollständigen Endbericht mit allen Ergebnissen und Empfehlungen steht hier zum Download.