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Wie ist die Lage?

UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder 2025 in Deutschland veröffentlicht

In diesen Tagen wurde der neue UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder 2025 in Deutschland veröffentlicht und zeigt, dass es einer großen Zahl an Kindern an Chancen für ein gutes Aufwachsen und langfristigen Zukunftsperspektiven fehlt. So fehlen laut Bericht mehr als einer Million Kinder wesentliche Voraussetzungen für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und für späteren beruflichen Erfolg. Unzureichende Versorgungsmöglichkeiten verschärfen dabei eine Gesamtlage, in der nach wie vor die familiäre Situation sehr stark über die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe der Kinder entscheidet. Was im Bericht auch deutlich wird: viele Kinder und Jugendliche in Deutschland spüren große Belastungen, so berichten mittlerweile 40 Prozent der Jugendlichen über körperliche und psychische Beschwerden.

Im Überblick – wesentliche Erkenntnisse
Die ungleichen materiellen und sozialen Voraussetzungen in den Familien wirken sich auf alle Lebensbereiche der Kinder aus. Der Abstand zwischen bestens unterstützten und besonders benachteiligten Kindern wächst. Immer mehr Kinder können beispielsweise nicht gut lesen (25 Prozent, 5 Prozent mehr als in 2018). 41 Prozent der Achtklässler:innen verfügen lediglich über rudimentäre digitale Kompetenzen (2013: 29 %). Dabei sind Kinder aus finanziell schlechter gestellten Elternhäusern deutlich überrepräsentiert. Hier wirkt sich zudem nachteilig aus, dass diese Kinder und Jugendlichen sich von ihrem Umfeld, also Eltern und Lehrkräften, vergleichsweise selten gut unterstützt fühlen. Jährlich verlassen über 62.000 die Schule ohne Abschluss.

Viele Kinder in Deutschland sind von den konkreten Folgen von Armut betroffen. Über eine Million Kinder werden als depriviert eingestuft, müssen also auf die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse wie den Ersatz abgetragener Kleidung, eine beheizte Wohnung oder warme Mahlzeiten verzichten. 44 Prozent der armutsgefährdeten Kinder leben in überbelegten Wohnungen. Mindestens 130.000 Kinder sind wohnungslos und in kommunalen Unterkünften untergebracht.

Was besonders auffällt: Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Kinder, bei denen grundlegende Bedürfnisse aus finanziellen Gründen nicht gestillt werden können, in Deutschland deutlich höher als in einigen anderen europäischen Ländern. Dazu gehören wirtschaftlich starke Länder wie Finnland oder Norwegen, aber auch wirtschaftlich schwächere, wie Slowenien oder Portugal. So leben beispielsweise heute 1,9 Millionen Kinder in Deutschland vom Bürgergeld ihrer Familie.

Weniger Gewalt, aber Gefahr durch Cybermobbingundwachsende psychische Probleme
Neben zahlreichen Problemlagen, die im Bericht erwähnt werden, gibt es jedoch auch positive Ergebnisse. So wird eine Halbierung der Gewaltkriminalität unter Jugendlichen im Vergleich zum Jahr 2009 festgestellt. Was unter anderem auch auf Präventionsmaßnahmen von Schule, Jugendhilfe, Polizei und Justiz zurückgeführt wird. 

Ein Phänomen, das 2009 noch keine so bedeutende Rolle gespielt hat, ist Cybermobbing. Heute aber geben 8 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren an, Opfer von Cybermobbing zu sein. 9 Prozent berichten von regelmäßigen Mobbing-Erfahrungen. Dabei sind bestimmte Gruppen besonders gefährdet. Mädchen mit Migrationshintergrund haben zu 17 Prozent bereits Mobbing erfahren. 

Zahlen, die sich auch im allgemeinen Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen niederschlagen. Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen in Deutschland schätzt die eigene psychische Gesundheit und Lebenszufriedenheit als nicht gut ein. Während 51 Prozent der 9- bis 13-Jährigen ihre Lebenszufriedenheit als „sehr gut“ beschreiben, sind es unter den 14- bis 17-Jährigen nur noch 31 Prozent. Was auffällig ist: es bestehen hinsichtlich der psychischen Gesundheit erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen. Bei den 14- bis 19-jährigen Mädchen lag 2023 die stationäre Diagnoserate für psychische und Verhaltensstörungen bei 2.673 Fällen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern – etwa doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Jungen.

Sieben Punkte zur Verbesserung
Mit Blick auf die Verbesserung dieser, aber auch anderer Problemlagen haben die Autor:innen der Studie ein 7-Punkte-Konzept für Bund, Länder und Kommunen erstellt, das Sie hier nachlesen können.

Die gesamte Studie mit weiteren Erkenntnissen und Hintergründen finden Sie hier