Anknüpfend an die im Januar erfolgreich durchgeführte Veranstaltung „Wie sag‘ ich’s bloß – lösungsorientierte Gesprächsführung“ für Lehrkräfte sowie Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 02.03.2017 in der Goethe Grundschule Sangerhausen zum zweiten Teil.
Der Tag startete mit einer Begrüßungsrunde, in der jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer von den Veränderungen seit der letzten Veranstaltung berichtete. Die Meisten achteten nach dem ersten Fortbildungstag bewusster auf ihre Gespräche und versuchten, den Gesprächsleitfaden in ihrer Arbeit anzuwenden. Dabei stellten sie fest, dass es einige Übung benötigt, die einzelnen Punkte kontinuierlich einzuhalten und zu verinnerlichen. Experte Oliver Gerth, der auch schon den ersten Teil der Veranstaltung fachlich begleitete, riet: Alle geplanten Gespräche anhand des Leitfadens vorbereiten und nach der Durchführung reflektieren, damit sich dies im Laufe der Zeit auf spontane Gespräche übertragen kann.
Nach dem ersten Austausch folgte ein fachlicher Input zu den Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit einem Konflikt. Diese sind: Flucht (Ich überlasse dem Anderen das Feld und somit die Entscheidung.), Erstarrung (Keinerlei Auseinandersetzung mit dem Konflikt.), Kampf (Ich gebrauche meine Macht, um die Oberhand zu gewinnen) und Verhandeln (Ich nähere mich dem Anderen, um den Konflikt mit ihm/ihr gemeinsam zu lösen). Der Gesprächsverlauf wird maßgeblich dadurch beeinflusst, welche Möglichkeit die oder der Beteiligte als Reaktion auf einen Konflikt wählt. Verhandeln ist in jedem Fall der beste Schritt zu einer gemeinsamen Konfliktlösung. Dies wurde in Rollenspielen vergangener Gesprächssituationen verdeutlicht. In der Gruppe wurde anschließend eingeschätzt, welche Möglichkeiten es gegeben hätte, den Gesprächsverlauf besser zu gestalten.
Deutlich wurde, wie oft sich Kommunikationsfallen einschleichen, die aber eine große Wirkung auf den Verlauf eines Gesprächs haben. Ein Beispiel ist die Stigmatisierung von Eltern, mit denen der Umgang bisher schwierig war. Diese werden häufig als „die schwierigen Eltern“ bezeichnet, was aber als Grundhaltung aussagt, dass keine Hoffnung auf Veränderung besteht, weil sie „ja sowieso schwierig sind“.
Anknüpfend an ein Rollenspiel, in dem ein Vater sehr aggressiv einer Schulsozialarbeiterin gegenüber trat, stellte Herr Gerth fünf Schritte vor, wie solche Situationen entspannt werden können. Als Erstes sollte Augenkontakt hergestellt werden, denn nur damit ist ein Gesprächspartner in der Lage, wahrzunehmen was gesagt wird. Im gleichen Zug muss ein sicherer Rahmen geschaffen werden, indem z.B. der Ort verlassen und gemeinsam ein anderer Raum aufgesucht wird. Anschließend sollte der Alarmzustandes und die Gefühle der Person sachlich benannt werden, ohne zu ermahnen, zu erklären oder zu drohen – so lange bis sich die Person entspannt. Erst dann können die Bedürfnisse benannt werden, die hinter dem Konflikt stecken könnten. Im letzten Schritt kann die auslösende Situation betrachtet werden, indem z.B. gefragt wird, was die Person konkret frustriert. Der Blick sollte dann vom Frust auf die Alternativen gelenkt werden: Was muss getan werden, um der Person in dieser Sache helfen zu können? Einen solchen Leitfaden in einem angespannten, aggressiven Gespräch anzuwenden bedarf viel Übung, kann aber in der Mehrheit der Fälle eine Entspannung der Situation bewirken.
Im weiteren Verlauf der Fortbildung griff der Experte den Wunsch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, Tipps zu erhalten, wie kritische Aspekte in einem Gespräch am besten übermittelt werden können. Dazu vermittelte Herr Gerth zunächst einen kurzen Einblick in die umfangreichen Erkenntnisse der gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg. Orientierung für ein Gespräch, dass jemanden „ohne Interpretation“ und „ohne Bewertung“ dazu motiviert, etwas zu verändern, geben demnach vier Leitfragen: Was stört mich? Wie fühle ich mich dabei? Was ist dabei mein Bedürfnis? Und was könnte verändert werden, damit ich mich besser fühle? Kritik zu vermitteln, ohne den Anderen zu kränken, ist schwer. Als weitere Anregung, wie diese Herausforderung bewältigt werden kann, stellte der Experte einen Gesprächsleitfaden für Kritikgespräche vor, der darauf ausgerichtet ist, Einsicht zu erreichen und künftige Fehler zu vermeiden, ohne die Grundmotivation zu zerstören.
Die Fortbildungsreihe wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als sehr erfolgreich und effektiv bewertet. Gewünscht wird sogar eine Erweiterung, um noch mehr Themen besprechen zu können. Dank gilt dem Experten, der die zwei Tage mit vielen Ideen füllte und die Wünsche der Teilnehmerinnen und Teilnehmer spontan aufgriff. Organisiert und finanziert hat die Veranstaltung das Team der Netzwerkstelle für Schulerfolg im Landkreis Mansfeld-Südharz im Rahmen des ESF- und Landes-Programms Schulerfolg sichern.
Bericht: Emily Reimann / Netzwerkstelle Mansfeld-Südharz
