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#hingucker – Schulsozialarbeit in Zeiten von Corona

Illustration einer Fotografin

Bild: DKJS/Sandra Bach

Uwe Schossow (Internationaler Bund Mitte gGmbH) stellt seine Erfahrungen und Erkenntnisse bei der Beratung von Sorgeberechtigten vor

Angesichts der Herausforderungen und Umstellungen, die Corona mit sich bringt, stehen in Hinblick auf Kinder und Jugendliche die Hilfestellungen und Beratungsformate der Schulsozialarbeit besonders im Fokus. Ein Blick nach Magdeburg, wo Uwe Schossow (Internationaler Bund Mitte gGmbH) an der Grund- und Europaschule Sudenburg tätig ist, zeigt aber ebenso, wie wichtig die Beratung von Sorgeberechtigten derzeit ist.

Auch hier in Magdeburg befindet sich neben einer Notbetreuung, die 5 bis 10 Schülerinnen und Schüler umfasst – von denen einige täglich und andere gelegentlich das Angebot nutzen – der Großteil der Schülerschaft zu Hause. Um den Kontakt zu halten und Sorgeberechtigten Unterstützung zu bieten, setzt Uwe Schossow auf telefonische Beratung. „Die Kontaktaufnahme mit den Sorgeberechtigten erfolgt seit Beginn der Schulschließung im März telefonisch. Täglich werden etwa 20 Sorgeberechtigte angerufen. Hierbei ergibt sich durch die Notwendigkeit der Kinderbetreuung eine gute Quote hinsichtlich der Erreichbarkeit und auch der Gesprächsbereitschaft. Alle Sorgeberechtigten machen in den Gesprächen einen besorgten, aber freundlichen Eindruck.“

Über kurz oder lang, das Format kommt an
Interessant ist im Zusammenhang mit der Beratung, wie sich die Themensetzungen und Inhalte sowie Bedarfe geändert haben. „Zu Beginn umfassten die Gespräche insbesondere die Frage nach schulischen Belangen und der allgemeinen Befindlichkeit in den Familien. So war Sorgeberechtigten beispielsweise nicht bekannt, dass die jeweiligen Klassenleitungen die Aufgaben auf der Homepage der Schule veröffentlicht haben. Daneben war und ist die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung ein wesentliches Thema“, erklärt der Schulsozialarbeiter.

Mittlerweile sind jedoch die wesentlichen Gesprächsziele erweitert worden. So beinhalten diese seit April den Hinweis auf den Kinderzuschlag, welcher bei Bedarf den Sorgeberechtigten erklärt und per E-Mail zugesendet wird. Verbunden werden diese Gespräche mit einer Anfrage zur emotionalen und psychischen Situation in den jeweiligen Familien. Hierbei hilft es z. T. auch, die eigene Wahrnehmung darzustellen und zu spiegeln, um mit den Sorgeberechtigten ins Gespräch zu kommen.

Obwohl die Gesprächsdauer variiert und zwischen 5 bis zu 60 Minuten betragen kann, ist Uwe Schossow mit dem Kontakt zu den Sorgeberechtigten zufrieden: „Das Feedback ist ausnahmslos positiv. Es kommen verständnisvolle, besorgte, aber vor allem wertschätzende Gespräche zu Stande. Einige Sorgeberechtigte freuen sich, mal ein Gespräch zu führen, andere verweisen auf eine Vielzahl von Tätigkeiten in der Häuslichkeit, gerade unter dem Aspekt des Home-Office und der Kinderbetreuung.“ Demgegenüber sind Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern eher selten und zumeist sehr kurz. Das liegt aber vor allem darin begründet, dass die Sorgeberechtigten zum einen schon viel über die jeweilige Situation berichten und zum anderen, die Kinder auch altersbedingt bei Telefonaten eher zurückhaltend sind.

Wenngleich sich die momentane Tätigkeit elementar von der sonstigen Tätigkeit unterscheidet, da sie sich fast ausschließlich auf die Arbeit mit Sorgeberechtigten reduziert, gelangt Uwe Schossow zu dem Schluss, dass dies dennoch vielfach den Kindern zu Gute kommt. „Sei es durch die Sicherstellung, dass alle Kinder die Aufgaben erhalten haben, als auch aktuell im Rahmen der Hilfe für die Antragstellung des Kinderzuschlags.“

Veränderter Fokus
Die täglichen Telefonate geben jedoch nicht nur Einblick in individuelle Lebenslagen, sondern lassen in größeren Zusammenhängen Erkenntnisse sichtbar werden. „Aus den Schilderungen lässt sich erkennen, dass die Corona-Krise keine Krise der vermeintlich ,Schwächsten‘ in der Gesellschaft ist“, erklärt Schossow. Vielmehr ist die Mittelschicht betroffen. So ändert sich etwa für Sorgeberechtigte, die Leistungen aus ALG II beziehen, weniger in der alltäglichen Situation, weil hier etwaige Zahlungen sicher sind.

Demgegenüber stehen Sorgeberechtigte, die in einem Angestelltenverhältnis oder in der Selbständigkeit tätig waren, vor der Herausforderung, mögliche Einkommenseinbußen abzufedern und/oder neben dem Beruf ihre Kinder betreuen zu müssen. „Hier werden sowohl existenzielle als auch emotionale Fragen und eine entsprechende Unsicherheit im Hinblick auf die Zukunft erkennbar“, gibt Uwe Schossow zu bedenken. Dadurch entsteht auch für die Schulsozialarbeit eine neue Situation, denn zum Teil verändert sich die zentrale Zielgruppe. „Normalerweise sind insbesondere Kinder aus unteren Bildungsschichten die Ansprechpartner. Im Moment jedoch gehören auch Sorgeberechtigte mit Kindern dazu, die der Mittelschicht zugerechnet werden können.“

Auffallend ist in der Reflektion der Beratungen aber auch, dass die Sorgen weniger in Hinblick auf die Gesundheit, als vielmehr bezogen auf die Alltagsgestaltung durch die gegenwärtigen Ausgangsbeschränkungen bestehen. „Insbesondere bei familiären Anlässen wie Hochzeiten, Geburten, Beerdigungen sowie im Kontakt zwischen Kindern und Großeltern ist dies zu erkennen.“
 

Was wird?
Nicht nur im Rückblick, auch in der Vorschau kommt der Schulsozialarbeit besondere Bedeutung zu, gilt es aktuell etwa – in Absprache mit Hort- und Schulleitung – Konzepte und Ideen zu entwickeln, wie ein Neustart in der Schule gelingen kann. „Dies ist vor allem vor dem Hintergrund wichtig, als dass die Kinder die Krise sehr unterschiedlich wahrgenommen haben dürften. Einige Familien werden voraussichtlich sehr vorsichtig agiert haben, während für andere Sorgeberechtigte die Corona-Pandemie nichts anderes ist als eine Grippewelle. Hier eine gemeinsame Sprachregelung zu finden und auf die Wahrnehmungen und Sorgen der Kinder einzugehen, wird eine wesentliche Aufgabe für die Schulsozialarbeit bis zum Ende des Schuljahres darstellen“, ist sich Uwe Schossow sicher.

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