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#hingucker – Schulsozialarbeit in Zeiten von Corona

Bild: DKJS/Sandra Bach

Bild: DKJS/Sandra Bach

Kirsten Sternberg, Schulsozialarbeiterin, zeigt auf, dass die Situation für manche Familien auch eine Chance bieten kann.

Die Arbeitswelt von Kirsten Sternberg, Schulsozialpädagogin (Rückenwind e.V. Schönebeck) an der Sekundarschule „Am Lerchenfeld“ in Schönebeck, hat sich verändert. Wie erreiche ich Familien in Krisen? Wie kann ich Schülerinnen und Schüler gut unterstützen? Schulsozialarbeit hält die Verbindung und schafft Unterstützung. Wie es ihr und den Schülerinnen und Schülern und deren Familien geht und wie sie die Herausforderungen meistern, hat sie in einem Kommentar verfasst:

Diese bestehende Situation ist mit nichts vergleichbar. Die Schule ist schülerleer, die Schulklingel ruft keinen mehr in die Unterrichtsräume - auch in den Ferien ist das sonst so, aber jetzt fühlt es sich anders an. Ich habe nicht mehr den realen Zugang zu den Schülerinnen und Schülern, aber genau das macht meine Arbeit aus! Zu sehen und auch zu spüren, wie es meinem Gegenüber geht - die Mimik und Gestik wahrzunehmen und, wenn diese nicht unbedingt mit dem Gesagten übereinstimmen, nochmal nachzuhaken.

Meine Verbindungsmöglichkeit zu Schülerinnen, Schülern, Sorgeberechtigte und auch zu Mitarbeitenden von stationären Einrichtungen ist im Moment das Telefon. Zum Glück kann ich darüber Kontakt halten, nachfragen wie die Dinge stehen und/ oder unterstützen, wenn es z.B. um die Erledigung der wöchentlichen Aufgaben geht.  Nicht jede Familie hat die technischen Voraussetzungen zu Hause. Da drucke ich auch die Aufgabenblätter aus oder fotografiere Aufgaben ab, um diese weiterzuleiten.

Bloggende Schulsozialarbeiterin
Ich melde mich regelmäßig in meinem Blog auf der Internetseite meiner Schule. Anfangs wollte ich über diesen Weg informieren, dass ich im Dienst und durchaus ansprechbar bin. Das war nach der Schulschließung nicht für alle klar. Dann habe ich begonnen kurze Informationen anzupinnen. Ich habe die „Nummer gegen Kummer“ gepostet, kleine Episoden geschildert und den Lehrkräften immer wieder Kraft und Durchhaltevermögen gewünscht. Ich weiß nicht, wie viele meinen Blog lesen, eine Chartfunktion gibt es dort leider nicht. Das ist schade. Rückmeldungen oder Anfragen erhalte ich stets über das Telefon.

Familien in Krisen erreichen
Als die Schulen schlossen, ging mein erster Gedanke zu einigen Familien. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass es in der einen oder anderen Familie unter diesen besonderen Umständen noch mehr Stress geben wird als im normalen Alltag. Wie gut, dass mein Bauchgefühl, auf das ich mich eigentlich immer verlassen kann, dieses Mal zumindest bei einer Familie daneben lag. Für diese war die Krise eine Chance! Wir halten lose Kontakt und die Mutter berichtet mir regelmäßig, dass es gut läuft, das Homeschooling funktioniert, ihr Kind und sie mehr und mehr zueinander finden. Das Kind gab die gleiche Rückmeldung. Ich hoffe, dies bleibt auch die nächste Zeit so. Sowohl auf der Internetseite der Schulen als auch auf der Homepage unseres Trägers haben wir Schulsozialpädagogen und Schulsozialpädagoginnen nochmal deutlich gemacht, dass wir erreichbar und kontaktierbar sind. Und auch die Collage ist ein weiterer Versuch, auf uns aufmerksam zu machen und weitere Verbindungen zu Schülerinnen und Schülern sowie Sorgeberechtigten aufzubauen.

Gutes Ankommen der Abschlussklassen
Mit der Öffnung der Schulen für die Abschlussklassen kommt nun ein bisschen Leben in die Schule zurück. Inzwischen sind die ersten Schülerinnen und Schüler wieder da und es ist schön, sie face-to-face zu treffen. Gemeinsam mit den Lehrkräften habe ich Fragebögen für die Schülerinnen, Schüler und die Sorgeberechtigten entwickelt, um zu evaluieren, welches Resümee aus den Auszeitwochen gezogen wird. „Was lief gut? Was weniger? Wer war Stütze? Wer kam womit an seine Grenzen?“ - sind nur Auszüge aus unserer Abfrage. Wir sind schon sehr gespannt auf den Rücklauf und die Auswertung. Die Fragebögen sollen Aufschluss geben, auf welche technischen und mentalen Probleme die Schülerinnen, Schüler und ihre Familien in der Lockdown-Phase gestoßen sind. Für die Schule ist wichtig zu erfahren, wo die Schwachpunkte beim Homeschooling lagen - auch auf Seiten der Schule. Für meine Arbeit hoffe ich auf Rückmeldungen, wo jetzt meine Hilfe verstärkt gebraucht wird. Die Ergebnisse der Fragebögen werden der Lehrerschaft, dem Schülerrat sowie dem Elternrat vorgestellt. Zusammen werden wir entscheiden, ob Abläufe und Strukturen geändert werden müssen. Die Krise ist für uns eine Chance auf Veränderung. Wir sind gut vorbereitet auf die Zeit nach Corona in der Schule. Wir haben konkrete Angebote entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler werden individuell abgeholt. Schule und Jugendhilfe arbeiten Hand in Hand.

Wann wir unseren Alltag wieder haben ist noch ungewiss. Die ersten Lockerungen machen Hoffnung und das Wiedersehen mit den Schülerinnen und Schülern unter den vorgegebenen Sicherheitsvorkehrungen ist schön. So viele strahlende Augen - das Lächeln sieht man unter den doch zahlreichen Masken leider nicht - habe ich in der Schule lange nicht gesehen.

„Wir alle zusammen sind für euch/ für Sie da!“
Kirsten Sternberg setzt mit Kolleginnen und Kollegen sowie der Netzwerkstelle Bündnis für Schulerfolg im Salzlandkreis ein deutliches Signal: „Wir alle zusammen sind für euch/ für Sie da!“. Die Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter bieten auch während der Schulschließung für Kinder, Jugendliche, Schulleitungen, Lehrkräfte und Sorgeberechtigte wichtige Unterstützungsangebote an. Informationen zur Aktion finden Sie hier.  

Hinweis: Den nächstneuen Hingucker finden Sie hier.