unterstützt und gefördert durch:

„Ich habe ein Gewitter im Kopf!“

Netzwerkstelle für Schulerfolg im Landkreis Mansfeld-Südharz

…so ähnlich muss es sich anfühlen, unter einer Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung, kurz AD(H)S, zu leiden. Dieser Störung widmete sich die Fortbildungsreihe „AD(H)S in der Schule - Störungsbild, Unterrichtsstruktur und Fördermaßnahmen“, der Netzwerkstelle im Landkreis Mansfeld-Südharz.

…so ähnlich muss es sich anfühlen, unter einer Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung, kurz AD(H)S, zu leiden. Dieser Störung widmete sich die Fortbildungsreihe „AD(H)S in der Schule - Störungsbild, Unterrichtsstruktur und Fördermaßnahmen“, der Netzwerkstelle für Schulerfolg im Landkreis Mansfeld-Südharz.

AD(H)S ist keine Modediagnose, sondern wurde schon vor über 150 Jahren im Buch „Struwwelpeter“ beschrieben. Kinder mit einer AD(H)S lassen sich leicht ablenken, können sich schlecht auf etwas konzentrieren, haben wenig Geduld und sind ständig in Bewegung. Sie haben „ein Gewitter im Kopf“, sagte die Referentin Frau Morszeck-Groten. Dieser Satz blieb ihr aus der Beratung eines Kindes in Erinnerung. Frau Morszeck-Groten ist freiberuflich in der Erwachsenenbildung tätig und hat sich auf die Stärkung der Erziehungskompetenz mit Schwerpunkt AD(H)S spezialisiert.

Wie gehe ich als Lehrkraft oder Schulsozialarbeiterin bzw. Schulsozialarbeiter im System Schule mit Kindern um, die unter einer AD(H)S leiden? Wie kann ich die Kinder speziell fördern, ohne dass sie von anderen Kindern deshalb ausgeschlossen werden? Diese Fragen blieben im Dezember noch offen und sollten ihre Antworten dann im zweiten Teil der Fortbildungsreihe, am 07.04.2017 in der Kreisverwaltung Mansfeld-Südharz, finden.

Die Referentin erläuterte, wie wichtig es sei, den Kindern eine klare Struktur vorzugeben, transparente Unterrichtsprinzipien anzubieten, Unterstützung zu gewähren und Überforderung zu vermeiden. Die Optimierung der Rahmenbedingungen beginnt schon bei der Raumgestaltung. Klassenräume werden oft mit Bildern, Anschauungsmaterial, Verhaltensregeln oder Ähnlichem geschmückt. Dadurch werden Kinder schnell vom Unterrichtsgeschehen abgelenkt. Kinder mit einer AD(H)S sind dadurch zu vielen Reizen ausgesetzt und verlieren sich in den eher unwichtigen Raumaccessoires. Ein eher kühl gestalteter Raum, der nur die für den Unterricht nötigen Materialien enthält, birgt weniger Risiken der Ablenkung.

Des Weiteren sei es unabdingbar für eine gute Zusammenarbeit, dass klare Strukturen eingehalten werden. Der Unterricht kann zum Beispiel durch eine Art Ritual beginnen – das hilft Kindern mit einer AD(H)S ungemein, jedoch ist es auch für alle anderen Kinder der Klasse hilfreich. Auch die Strukturierung der Unterrichtseinheiten sollte immer möglichst gleich sein, indem beispielsweise am Anfang erklärt wird, welches Thema besprochen wird, wie die Stunde abgeschlossen werden soll und welche Hausaufgaben anfallen. So gewährleistet die Lehrerin oder der Lehrer ganz nebenbei, dass sich auch wirklich jedes Kind die Hausaufgaben einträgt und es nicht in der Hektik des Pausengongs untergeht.

Kindern mit einer AD(H)S sollte Unterstützung gewährt werden, indem sie zum Beispiel mehr Zeit für die Erledigung einer Aufgabe bekommen. Oft fällt es betroffenen Kindern schwer, sich schriftlich so umfangreich auszudrücken, wie es Mitschülerinnen und Mitschülern gelingt. Dort könnte die Lehrerin oder der Lehrer zulassen, dass ein Ausgleich durch mündliche Leistungen geschaffen wird, was Kindern mit AD(H)S meist leichter fällt.

Frau Morszeck-Groten gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Fortbildung im Anschluss Tipps für das Aufstellen von Regeln und wie gewährleistet werden kann, dass die Kinder diese auch einhalten. Lehrerinnen und Lehrer müssen dies anleiten, begleiten und kontrollieren. Kindern muss bewusst sein, dass das Einhalten der Regeln eine Belohnung zur Folge hat und auf Verstöße bestimmte Konsequenzen folgen. Frau Morszeck-Groten sagte „Kinder brauchen keine Strafe, sie brauchen Hilfe auf ihrem Weg.“ Das verdeutlicht, warum die Kontrolle der Regeln so wichtig ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sahen in der Durchführung der Konsequenzen jedoch eine große Schwierigkeit, weil dafür oft die Fort-führung durch die Eltern zu Hause notwendig ist und dies oft nicht gelingt. Aus diesem Impuls heraus gab Frau Morszeck-Groten abschließend noch einige Hinweise für die Zusammenarbeit mit Eltern. Grundlegend dafür ist ein Verständnis über das Störungsbild einer AD(H)S sowie Empathie für die Eltern und das Kind.

Diese zwei Grundlagen wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern während der zweitägigen Fortbildungsreihe erfolgreich vermittelt. Des Weiteren sammelten sie viele praktische Tipps für den Schulalltag und erhielten neue Sichtweisen auf das Verhalten der Kinder.

Organisiert und finanziert hat die Veranstaltung das Team der Netzwerkstelle für Schulerfolg im Landkreis Mansfeld-Südharz im Rahmen des ESF- und Landes-Programms Schulerfolg sichern.

 

Bericht: Emily Reimann / Netzwerkstelle Mansfeld-Südharz