„Die stärkste und beste Droge für den Menschen ist der andere Mensch.“
Wie zutreffend dieser Satz von Joachim Bauer aus seinem Buch Prinzip Menschlichkeit (Hoffmann & Campe, 2006) ist, zeigte sich im vergangenen Schulhalbjahr jeden Freitag aufs Neue in einer Sporthalle in Wolmirstedt. Regelmäßig kamen dort Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulformen in ihrer Vielfalt zusammen, wie es im Schulalltag bisher nicht gelang. Sie erlebten etwas gemeinsam, dass sie sichtlich mit einer besonderen Freude zur Schule kommen ließ:
Hip Hop! als außergewöhnliches Lernangebot.
So außergewöhnlich ist dieses Angebot auf den ersten Blick eigentlich nicht, denn Bewegung begleitet von Geburt an die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Etwas ganz Besonderes war jedoch die Motivation und die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler, die aus den drei Wolmirstedter Schulen, der Förderschule „Gerhard Schöne“, der Sekundarschule „G.W.Leibniz“ und der Gemeinschaftsschule „J.Gutenberg“ zusammenkamen und dieses Projekt mit Leben füllten.
Die Wissenschaft ist sich einig, körperliche Bewegungen und Ausdrucksformen regen das Lernen an (Bender 2007), fördern die Entwicklung eines positiven Selbstkonzepts (Knab & Klein 2006) und tragen dazu bei, die Wahrnehmung zu verbessern (Wichelhaus 2006). In der Sprache der Schülerinnen übersetzt bedeutet dies: „Einfach nur megageil!“
Mit dieser Begeisterung studierten die jungen Tänzerinnen und Tänzer ein Schulhalbjahr jeden Freitag gemeinsam eine Choreographie ein, um am Schuljahresende ihr Ergebnis zu „präsentieren“. Unterstützt wurden sie dabei von Anja Mennicke und Nico Hilger, dem Trainerteam der DanceCoolTour, einer Magdeburger Initiative für Tanzprojekte in der Kinder- und Jugendarbeit.
Ein Ziel des schulformübergreifenden Projekts war, die Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern anzusprechen, zu fördern und ernst zu nehmen. Gerade für junge Menschen ist Musik und Bewegung ein wesentlicher Faktor ihrer Lebenswelt. Musik und Tanz sind Ausdruck für ein Lebensgefühl bzw. eines Lebensstils und zeigen auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Neben dem Lebensweltbezug ist besonders diese Zugehörigkeit, also der Beziehungsaspekt bedeutsam.
Die Schülerinnen und Schüler lernten sich durch dieses Projekt wechselseitig kennen und erhielten so Einblick in die Lebenswelt der anderen. Besonders gestärkt und motiviert waren dabei die Schülerinnen und Schüler der Förderschule „Gerhard Schöne“. Wie alle anderen auch, standen sie im Mittelpunkt des Geschehens und beteiligten sich aktiv am Projekt.
Die jungen Tänzer nutzten schließlich die jeweiligen Schulfeste für einen gemeinsamen Auftritt. Motiviert und voller Stolz konnten die Schülerinnen und Schüler ihre erlernte Choreographie vor ihren Eltern, Freunden, Lehrkräften und weiteren Gästen präsentieren.
Angestoßen und unterstützt wurde das Projekt durch die Netzwerkstelle Schulerfolg sichern im Landkreis Börde. Besonderer Dank gilt den Schulleitern, die den Eigensinn und die Lebenswelt der Kinder im Blick haben und dieses schulformübergreifende Projekt ermöglichten. Organisatorische Herausforderungen wurden problemlos gemeistert und Schule wurde somit zu einem (Lern-)Ort, der geistige, körperliche, emotionale und soziale Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen in besonderer Weise förderte.
Bericht: Enrico Viohl / Netzwerkstelle Schulerfolg sichern im Landkreis Börde
