Oft beschäftigen wir uns in problematischen Situationen zu sehr mit den Ursachen anstatt uns möglichen Lösungen zu widmen. Würden wir dies jedoch von Anfang an tun, könnte die Problemlösung am schnellsten realisiert werden. So widmete sich am 26.01.2017 der erste Teil einer zweitägigen Fortbildung für Lehrkräfte sowie Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter in der Goethe Grundschule Sangerhausen den Methoden zu lösungsorientierter Gesprächsführung. Organisiert und finanziert hat die Veranstaltung das Team der Netzwerkstelle für Schulerfolg im Landkreis Mansfeld-Südharz.
Als Experte begleitete die Veranstaltung der Sozialpädagoge und erfahrene Trainer Oliver Gerth. Er bietet Fortbildungen und Seminare zu Themen wie Mitarbeiterführung, Kommunikation, Konfliktmanagement, Intervision oder Umgang mit Stress an. Aber auch Supervision und Teamcoaching sind Bestandteile seiner täglichen Arbeit.
Zu Beginn der ersten Veranstaltung tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Referenten über Erwartungen aus, entwickelten gemeinsam einen Leitfaden für die Fortbildung und vereinbarten Grundsätzliches, wie zum Beispiel, dass jeder nur für sich spricht, Gesagtes vertraulich behandelt und niemand während einer Wortmeldung unterbrochen wird.
Darauf aufbauend, setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit inneren Grundhaltungen und ihren Auswirkungen auf Gesprächsverläufe auseinander. Innere Grundhaltung bedeutet, dass ich sage wie ich mich und Andere sehe. Es sagt nichts darüber aus, wie der Andere wirklich ist oder was der Andere denkt, aber es beeinflusst den Verlauf eines Gesprächs maßgeblich.
Vier besonders häufig auftretende innere Grundhaltungen sind:
- autonome Grundhaltung (ich bin wertvoll und du auch)
- übersichere Grundhaltung (ich bin wertvoll, du aber nicht)
- depressive Grundhaltung (ich bin nicht wertvoll, aber du)
- suizidale Grundhaltung (ich bin nicht wertvoll und du auch nicht).
In Kleingruppenarbeit knüpften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die vermittelten Basisinformationen an. Dabei übernahmen sie wechselnd eine der Grundhaltungen und sprachen mit ihren Partnern jeweils über ein selbst gewähltes Thema. Es nahm beispielsweise Gesprächspartner A die übersichere Haltung ein, während Partner B hingegen in eine depressive Haltung wechselte. Dabei wurde sehr deutlich, wie unterschiedlich Gespräche je nach eingenommener Grundhaltung verlaufen können. In einer Auswertungsrunde wurden beobachtete Auswirkungen diskutiert und durch Herrn Gerth anschließend aufgegriffen, um Möglichkeiten zu zeigen, wie solche Situationen verändert oder gelöst werden können.
Als wichtigen Grundsatz für eine lösungsorientierte Gesprächsführung brachte der Referent den Teilnehmerinnen und Teilnehmern folgendes nahe:
Es ist immer wichtig, zwischen einer Handlung und der Person als solches zu unterscheiden. Eine Handlung kann gewertet und besprochen werden, jedoch sollte die Person nicht immer individuell dafür verantwortlich gemacht werden (z.B. aufgrund der Einstellung, Herkunft, Religion, etc.). Durch bedingungslose Wertschätzung auf der persönlichen Ebene, verbunden mit einem kritischen Umgang auf der Handlungsebene wird jedes Gespräch qualitativ aufgewertet.
Am Ende entwickelte Herr Gerth zusammen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern anhand eines praktischen Falls aus der Runde einen Leitfaden zur Problemlösung. Das Problem wurde mit Hilfe festgelegter Fragen definiert und auf seine Bedeutung für alle Beteiligten hin untersucht, um anschließend zu klären, was anders werden kann und soll. Die Kollegin, welche den konkreten Fall eingebracht hatte, erhielt durch diese Übung neue Sichtweisen auf das Problem und konnte eine konkrete Entscheidung zur möglichen Lösung treffen.
In der Abschlussrunde der Veranstaltung gaben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein durchweg positives Feedback und setzten sich Ziele, was sie infolge der Fortbildung bis zum zweiten Teil am 02.03.2017 umsetzen wollen.
Bericht: Emily Reimann / Netzwerkstelle Mansfeld-Südharz
