Der Fachtag „Motiviert zum Schulerfolg – erfolgreich lehren und lernen“ fand am 22.09.2016 in der Aula der Berufsbildenden Schulen Mansfeld-Südharz in Sangerhausen statt. Als Referent begleitete Prof. Dr. Dipl.-Psych. Ludwig Haag die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fachlich durch den Tag. Der ehemalige Studienrat und Schulpsychologe lehrt seit 2004 im Fachbereich Schulpädagogik an der Universität Bayreuth. Er bietet darüber hinaus Fortbildungen zu Themen wie Lehrerpersönlichkeit, individuelle Förderung, Nachhilfe, Guter Unterricht, Selbstkonzept und Hochbegabung an.
Zu Beginn seines Fachvortrages in Sangerhausen machte Prof. Haag deutlich, welche vielfältigen Faktoren Einfluss auf den Schulerfolg eines Kindes nehmen können. Beispielhaft zu nennen wäre hier das elterliche Erziehungs- und Unterstützungsverhalten, welches die Grundlage der Entwicklung jeder Schülerin und jedes Schülers ist. Als weitere Faktoren nannte der Referent unter anderem ein angemessenes Unterrichtsangebot und das Fördern von Lernmotivation seitens der Lehrkräfte.
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung berichtete Prof. Haag von eigenen Erfahrungen und erlebten Fehlern im Umgang mit weniger motivierten Schülerinnen und Schülern. Seiner Meinung nach erzeugen Lehrerinnen und Lehrer, die dafür bekannt sind, dass sie immer gute Noten verteilen, bei ihren Schülerinnen und Schülern kaum Motivation für den nächsten Test zu lernen. Ebenso negativ wirkt es sich laut Prof. Haag aus, wenn Kinder dazu erzogen werden, Vorschriften bedingungslos zu erfüllen. Für die Entwicklung ist es ihm zufolge stattdessen sehr wichtig, auch selbstbestimmt und eigenverantwortlich handeln zu dürfen.
Eine der Kernaussagen des Vortrags: Motivation entsteht nur dann, wenn die Schülerin oder der Schüler erreichbare und nahe Ziele hat. Ziele sollten nichtsdestotrotz an den Stärken des Kindes gemessen werden. „Auf Stärken aufbauen und Schwächen fördern“, so Prof. Haag. Er sagt, es sei beeinträchtigend für einen erfolgreichen Unterricht, wenn Lehrerinnen und Lehrer die Schülerinnen und Schüler alle auf den gleichen Stand bringen wollen – schließlich können Kinder nicht für jedes Fach gleich kompetent sein. Um die Lernentwicklung der Kinder und Jugendlichen zu fördern, sollten individuelle Begabungen berücksichtigt werden. Hier wird die multiprofessionelle Zusammenarbeit von Lehrkräften mit Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern wichtig. Beide Seiten können sich unterstützen und so gemeinsam Räume für individualisiertes Lernen schaffen.
Abgerundet wurde der Fachvortrag durch die hohe Bedeutung des Selbstkonzeptes. Dieses sei „ein wesentlicher Indikator für psychoemotionales Wohlbefinden“ und entstehe aus dem Vergleich eigener Leistungen oder Verhaltensweisen mit denen der Anderen. Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit den Fragen „Wer bin ich?“, „Was kann ich?“ und „Was will ich?“ und richten danach ihre Anstrengungsbereitschaft aus. Hier wird die anfangs genannte Rolle eines erreichbaren Ziels noch einmal deutlich, da sich Menschen schließlich eher für jenes anstrengen, was sie können und wollen.
Während einer Gruppenarbeit tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im weiteren Verlauf der Veranstaltung über ihre Erfahrungen in Bezug auf die Lernmotivation von Schülerinnen und Schülern sowie die Bedeutung ihrer Führungsrolle aus. Die Ergebnisse wurden auf einer Pinnwand visualisiert und anschließend mit dem Professor, sowie den anderen Gruppen diskutiert. So wurde die Selbstreflexion angeregt und ein Verständnis über Führung erarbeitet.
Prof. Haag überzeugte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtages mit seiner humorvollen, lockeren Art und seinem gut strukturierten Vortrag. Sehr ehrlich und authentisch nannte er die sich oft einschleichenden Fehler von Lehrkräften im Schulalltag, wog diese aber gerecht mit denen der Eltern und Kindern ab.
Es wurde deutlich, dass Schulerfolg nicht nur von einer Person allein abhängt und nicht immer alle Voraussetzungen für eine positive Entwicklung gegeben sind. Man kann „den Wind nicht immer ändern“, aber sowohl Lehrkräfte und Eltern, als auch die Schülerinnen und Schüler können ihren Teil dazu beitragen, das Boot in eine andere, bessere Richtung zu lenken, indem sie „die Segel anders setzen“.
Organisiert hat die Veranstaltung das Team der Netzwerkstelle für Schulerfolg im Landkreis Mansfeld-Südharz im Rahmen des ESF- und Landes-Programms Schulerfolg sichern.
Beitrag: Emily Reimann – Koordinatorin Netzwerkstelle Mansfeld-Südharz
